Prix Ars Electronica 2014 für Datenklau und japanisches Hilfsprojekt

2. Juni 2014, 13:42
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 Neu geschaffene Nica zeichnet Medienkunstpioniere aus - Verleihung am 5. September

Beim Prix Ars Electronica gibt es heuer Goldene Nicas u.a. für Datenklau - Paolo Cirio macht mit "Loophole for All" auf die globale Dimension der Steuerflucht aufmerksam - und für eine Freiwilligeninitiative: Nach dem Erdbeben in Japan startete Takeo Saijos Projekt "Fumbaro" mit einer Website, Zehntausende Hilfslieferungen folgten. Details wurden der Presse am Montag in Linz präsentiert.

2.703 Projekte aus 77 Ländern

Mit einer "enormen Zahl" an Einreichungen sei die Ars Electronica an ihre Grenzen gelangt, im Vorjahr habe man mehr als 4.000 gezählt, erklärte die künstlerische Direktorin Christine Schöpf. Daher fiel die Entscheidung, die Auszeichnungen in den Sparten Interactive Art und Digital Communities sowie Hybrid Art und Digital Musics & Sound Art jeweils nur mehr biennal zu vergeben. 2.703 Projekte aus 77 Ländern wurden heuer eingereicht, die Verleihung findet am 5. September im Rahmen des Ars-Electronica-Festivals im Linzer Brucknerhaus statt.

"Stop payin' taxes" wird man im Video zu Paolo Cirios Arbeit, für die er die Nica in der Kategorie Interactive Art erhält, gesanglich aufgefordert: Er hat die Regierungswebsite der Cayman Islands geknackt und die Identitäten von 200.000 dort registrierten Firmen gestohlen, die unter www.loophole4all.com anonym zum Kauf angeboten werden, um auch in den Genuss von Steuererleichterungen zu kommen. Sieger im Bereich Digital Communities ist Takeo Saijo, der bei der Erdbebenkatastrophe 2011 seinen Onkel verloren hat, für "Fumbaro" - laut Ars Electronica die größte japanische Initiative dieser Art: Um rasch und unbürokratisch Unterstützung anbieten zu können, wurden im Internet die benötigen Güter veröffentlicht und per Twitter an potenzielle Helfer kommuniziert.

"BlindMaps"

Die Sparte "the next idea" in Kooperation mit der voestalpine konnten Markus Schmeiduch, Andrew Spitz und Ruben van der Vleuten mit "BlindMaps" für sich entscheiden: Das Navigationssystem für nicht sehende Menschen wurde für Smartphones entwickelt, empfiehlt Routen und lernt per Knopfdruck von Benutzer zu Benutzer dazu. Die Nica in der Kategorie Computer Animation/Film/VFX geht an Universal Everything für die Videoskulptur "Walking City". Sie setzt in einem achtminütigen Film monoton und zugleich entschlossen einen Schritt vor den anderen, ändert dabei laufend ihre Gestalt und erzeugt eine hypnotische Stimmung.

u19-Gewinnerin ist Sandra Oos mit "Femme Chanel - Emma Fenchel": Die Welser Schülerin hat eine Werbung und Filme der französischen Schauspielerin Audrey Tautou zu einem Clip montiert - formal passend, in der Aussage aber mit Augenzwinkern manipulierend. Die neu geschaffene Nica für einen Visionary Pioneer of Media Art erhält der britische Medienkunstpionier Roy Ascott quasi als Geschenk zu seinem 80. Geburtstag, er hat bereits vor Jahrzehnten Konzepte für Cyborgs entwickelt und in den 1980er-Jahren eines der ersten Onlinekunstprojekte konzipiert. Der Preis soll u.a. der jungen Generation von Kreativen die Geschichte der Medienkunst näherbringen, so Ars-Electronica-Chef Gerfried Stocker. (APA, 2.6. 2014)

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