Sexualmedizinische Ausbildung an Universitäten gefordert

2. Juni 2014, 13:29
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Obwohl sexuelle Problemen weit verbreitet sind, werde das Thema noch immer ignoriert, sagt Sexualmedizinerin Elia Bragagna

46 Prozent der Frauen und 39 Prozent der Männer in Österreich haben in ihrem Leben zumindest vorübergehend sexuelle Probleme. Weil Sexualmedizin an den heimischen Universitäten derzeit nur als Freifach gelehrt wird, fordert die Akademie für Sexuelle Gesundheit (AfSG), dass diese in den regulären Lehrplan aufgenommen wird.

Tabuisiertes Thema

"Sexuelle Gesundheit wird vom österreichischen Gesundheitssystem noch immer ignoriert. Die Patienten erhalten nicht die notwendige Hilfe", sagt AfSG-Leiterin Elia Bragagna. Derzeit leide jede zehnte Frau an sexuellen Problemen, jeder fünfte Mann klagt über vorzeitigen Samenerguss und jeder Zweite ist ab dem 50. Lebensjahr von Erektionsproblemen betroffen. Neben den privaten Einschränkungen, die derartige Erkrankungen mit sich bringen, können sie gleichzeitig auch Symptome für andere Krankheiten wie etwa Multiple Sklerose, drohenden Herzinfarkt oder Schlaganfall, sein.

Beispielsweise leiden 90 Prozent der Männer, die von einer koronaren Herzerkrankung (KHK) betroffen sind auch an einer erektilen Dysfunktion. Depressionen führen bei 83 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen zu vermindertem Verlangen. "Trotzdem werden nur rund zehn Prozent der Patienten zu ihrer sexuellen Gesundheit befragt. Das ist ein viel zu tabuisiertes Thema", so Bragagna.

Eigene Schulungen nötig

Sexuelle Bedürfnisse sind bis ins hohe Alter möglich, parallel dazu steigen aber störende Einflüsse, die etwa durch Medikamentenkonsum entstehen. "Wenn man nicht geschult wird, kann man als Arzt auch nicht mit dem Thema umgehen", betont Bragagna. Bisher habe die AfSG diese Wissenslücke ausgeglichen. Ärzte, die sich im Bereich Sexualmedizin fortbilden wollten, mussten das auf eigene Kosten in ihrer Freizeit tun.

"Sexuelle Gesundheit ist laut WHO ein Menschenrecht und muss endlich regulärer Bestandteil des Lehrplans der Medizinerausbildung in jedem Fach an den Medizin-Universitäten und Teil der Turnus- und Fachärzteausbildung werden", sagt Bragagna. Für die Umsetzung dieser Forderung hat die AfSG nun eine Petition gestartet. (APA, derStandard.at, 2.6.2014)

  • Nicht immer läuft in Liebe und Partnerschaft alles rund -  46 Prozent der Frauen und 39 Prozent der Männer in Österreich haben in ihrem Leben zumindest vorübergehend sexuelle Probleme.

    Nicht immer läuft in Liebe und Partnerschaft alles rund -  46 Prozent der Frauen und 39 Prozent der Männer in Österreich haben in ihrem Leben zumindest vorübergehend sexuelle Probleme.

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