Österreichs Manager kontrollieren gern alles 

3. Juni 2014, 10:18
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Eine Studie gibt Einblick in das Arbeits- und (teilweise) Seelenleben von Führungskräften in Zentral- und Osteuropa. Berater Roland Berger befragte Manager in acht Ländern zu Führungsstil und Arbeitsweise

Ganz schön viel "Charisma" möchte man Österreichs Managern hinsichtlich dieser Zahlen attestieren: 95,4 Prozent von insgesamt 293 befragten Managern aus acht Ländern Zentral- und Osteuropas sehen ihre Autorität in ihrer Expertise respektive in ihrem Wissen begründet. Nur 42,6 Prozent der österreichischen Führungskräfte sehen das ebenso.

Das ist ein Ergebnis einer aktuellen Studie des Strategieberaters Roland Berger, die im Rahmen des CEE Business Club der Erste Bank Group vorgelegt wurde. Und es gibt weitere Punkte, die österreichische Manager von ihren Kollegen aus Zentral- und Osteuropa im Tun und Wirken sowie in ihrer Grundhaltung unterscheiden.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Zwar sind alle 293 Befragten einhellig der Ansicht, dass sie selbst die wichtigsten Aufgaben an ihre Mitarbeiter delegieren können (rund 82 Prozent), Österreichs Manager aber kontrollieren gern. Lieber als ihre Mitstreiter aus CEE: 68,3 Prozent der österreichischen Manager vertrauen ihren Mitarbeitern zwar, ziehen es aber vor, alles zu kontrollieren. Im Vergleich dazu tun dies nur 46,4 Prozent der Manager aus CEE.

Management und Führung

Nahezu alle Befragten gaben an, mit Vorbildwirkung zu führen bzw. größtenteils das vorzuleben, was sie von ihren Mitarbeitern in Sachen Arbeitsethos und Leistung erwarten. Entscheidungen werden in der Mehrheit gemeinsam mit den Mitarbeitern getroffen, heißt es weiter. 27,3 Prozent aller Befragten stimmen dem voll zu, 64,1 Prozent zumindest zum Teil.

Meetings, Meetings und noch mehr Meetings

Auch das Berichten - 22 Prozent der Befragten zählen mehr als acht Berichtslinien - nimmt laut Studie erheblich viel Zeit im Arbeitsalltag ein: Rund 20 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, mehr als zwei Drittel ihrer Arbeitszeit in Meetings zu verbringen.

Zuhören, Konflikte lösen

Die Frage, welche Faktoren für erfolgreiche Führungsarbeit wichtig seien, beantworteten 69,5 Prozent mit "Offenheit und Aufnahmefähigkeit/Ansprechbarkeit". Bei den Softskills, die von 49 Prozent als wichtig eingestuft werden, zählen "Kommunikation" (67,5 Prozent), "Verhandlungsstärke" (55,1 Prozent) und "Konfliktlösung" (51,8 Prozent) zu den drei erstgenannten.

Internationale Erfahrung und Hochschulabschluss

Wichtig seien auch Fremdsprachenkenntnisse beziehungsweise internationale Erfahrung, und wichtiger werde laut den Befragten auch Hochschulbildung. Als wichtige Erfolgsfaktoren zählen weiters eine gute Personalentwicklung, unternehmerisches Denken, Sozialkompetenz und eine ausgewogene Work-Life-Balance. Beim Vergleich zwischen Männern und Frauen fällt auf, dass beide Gruppen in Sachen Management sehr ähnlich handeln und auch ein ähnliches Selbstbild haben. (haa, DER STANDARD, 31.5.2014)

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