Spanischer König Juan Carlos dankt ab 

2. Juni 2014, 10:39
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Prinz Felipe tritt die Thronfolge an - König wurde in den vergangenen Jahren zunehmend kritisiert

Über die Hintergründe für sein Abdanken schwieg sich Spaniens König Juan Carlos zwar aus, eine Reihe von Skandalen dürfte aber durchaus mitgespielt haben. Damit der König vom Thron steigen kann, muss das Parlament erst ein entsprechendes Gesetz schaffen.

Spaniens König Juan Carlos nimmt die Krone. "Heute hat es eine jüngere und mit neuer Energie ausgestattete Generation verdient, entschlossen an vorderster Linie die Veränderungen und Reformen anzugehen, die die derzeitigen Umstände verlangen", erklärte der 76-Jährige am Montag in einer Fernsehansprache kurz nach 13 Uhr. Nach 39 Jahren an der Spitze des spanischen Staates tritt Juan Carlos zugunsten seines 46-jährigen Sohnes Felipe ab.

Bereits knapp drei Stunden zuvor hatte der konservative Regierungschef Mariano Rajoy in einer kurzfristig angesetzten "institutionellen Erklärung" die Spanier auf diesen Schritt vorbereitet. "Ich hoffe, dass in Kürze das spanische Parlament den zum König ernennt, der bisher Prinz von Asturien ist", erklärte Rajoy. Doch bevor Felipe als Felipe VI. den Thron besteigen kann, muss das Parlament die entsprechenden rechtlichen Grundlagen schaffen, denn ein Abdanken des Königs war bisher nicht vorgesehen.

Der König hat den Entschluss, abzudanken, bereits im Jänner getroffen. Regierungschef Rajoy sei im März eingeweiht worden. Die TV-Ansprache war erst kurz vor der Ausstrahlung aufgezeichnet worden, um zu verhindern, dass die Nachricht durchsickert.

Über konkrete Gründe dafür schwieg sich Juan Carlos aus. Nach mehreren Hüft-OPs ist er gesundheitlich angeschlagen, und die Monarchie verlor in den letzten Jahren an Beliebtheit. Schuld ist eine Reihe von Skandalen.

Am schwersten wiegt die Verstrickung des Schwiegersohns des Königs, Iñaki Urdangarin, in einen Korruptionsskandal. Er wird beschuldigt, für so gut wie keine Gegenleistung mehr als sechs Millionen Euro aus öffentlichen Aufträgen erhalten zu haben. Dazu bediente er sich eines als gemeinnützig angemeldeten Unternehmens. In diesem Zusammenhang wird auch gegen Ehefrau und Königstochter Cristina sowie gegen deren Privatsekretär, den Juan Carlos ausgewählt und eingestellt hatte, ermittelt. Die Frage, was der König wusste oder gar ermöglichte, steht im Raum.

Extravaganz in der Krise

Hinzu kamen negative Schlagzeilen, als der König 2012 bei einer Elefantenjagd in Afrika verletzt wurde. Mitten in der Krise nahmen die Spanier dem Monarchen das extravagante Hobby sehr übel. "Es wird nicht wieder vorkommen", versprach der Monarch danach im Fernsehen. Seine Beliebtheit sank dennoch weiter. In Umfragen geben ihm die Spanier seither nur noch ein "Ungenügend".

Dabei war der König bis vor wenigen Jahren sehr beliebt. Von Diktator Franco als Nachfolger bestimmt, wurde er nur zwei Tage nach dessen Tod im November 1975 vom faschistischen Parlament zum Staatschef ernannt. Der Enkel des in den 30er-Jahren gestürzten Monarchen Alfonso XIII., der im Exil geboren wurde und erst zur Schul-, Universitäts- und Militärausbildung ohne seine Eltern nach Spanien zurückgekehrte, bewies Gespür im Umgang mit der politischen Klasse. Unter seiner Regie begann die Transición - der Übergang zur Demokratie.

Seinen wichtigsten Auftritt hatte er am 23. Februar 1981, als ein Teil der Armee und der paramilitärischen Guardia Civil gegen die neue demokratische Ordnung putschte. Juan Carlos verurteilte den Staatsstreich im Fernsehen in der Uniform des Oberbefehlshabers der Armee. Die Militärrebellion brach zusammen. Tags darauf gingen über eine Million Menschen in Madrid für die Demokratie auf die Straße. Aus dem von Franco eingesetzten Monarchen war ein Bürgerkönig geworden. Diese Beliebtheit verspielte er in den letzten zwei Jahren aber fast komplett. Sein Abdanken ist der Versuch einer Flucht nach vorn.

(Reiner Wandler aus Madrid, DER STANDARD, 3.6.2014)

Chronologie: 

Europäischer Thronverzicht

In Europa haben nach 1945 schon mehrere Monarchen freiwillig abgedankt:

  • Belgien: Der 79-jährige Albert II. dankt im Juli 2013 nach 20 Jahren an der Staatsspitze aus Altersgründen ab. Sohn Philippe beerbt ihn.

  • Niederlande: Im April 2013 dankt Königin Beatrix nach 33 Jahren im Alter von 75 Jahren ab und überträgt das Amt ihrem Sohn Willem-Alexander. Sie selbst wurde 1980 Königin, weil ihre Mutter sich zurückgezogen hatte.

  • Liechtenstein: Im August 2004 übergibt Fürst Hans-Adam II. die Amtsgeschäfte an seinen zu der Zeit 36-jährigen Sohn, Erbprinz Alois Philipp Maria. Der Fürst ist jedoch weiterhin Staatsoberhaupt.

  • Luxemburg: Der 79-jährige Großherzog Jean macht im Oktober 2000 nach 35 Regierungsjahren den Thron für seinen Sohn Henri frei.  (dpa, DER STANDARD, 3.6.2014)
  • König Juan Carlos tritt ab. Auf den spanischen Thron folgt ihm sein Sohn Felipe.
    foto: epa/emilio naranjo

    König Juan Carlos tritt ab. Auf den spanischen Thron folgt ihm sein Sohn Felipe.

  • Prinz Felipe mit seiner Gattin Letizia.
    foto: epa/ignacio lopez

    Prinz Felipe mit seiner Gattin Letizia.

  • Juan Carlos bei seiner Inthronisation 1975.
    foto: epa/luis millan

    Juan Carlos bei seiner Inthronisation 1975.

  • Der spanische König bei der TV-Ansprache nachdem er seinen Rückzug bekannt gegeben hat.
    foto: epa/borja

    Der spanische König bei der TV-Ansprache nachdem er seinen Rückzug bekannt gegeben hat.

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