Die Ukraine im Pazifik: Inselstreit in Asien

Kommentar1. Juni 2014, 18:56
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Im Pazifik deutet alles darauf hin, dass eine gewaltsame Eskalation des Konflikts wahrscheinlich ist

Die Ähnlichkeiten sind erstaunlich: Hüben wie drüben stoßen zwei große Machtblöcke aufeinander. Es geht um Energieinteressen, die Kontrolle von Verkehrswegen, historische Ressentiments - und diese beiden heißen Konflikte geben die geopolitischen Parameter für die kommenden Jahre und Jahrzehnte vor: Was in Europa die Ukraine-Krise ist, ist im Pazifik der Inselstreit im Süd- und Ostchinesischen Meer.

In der Ukraine wird bereits geschossen. Im Pazifik deutet alles darauf hin, dass eine gewaltsame Eskalation des Konflikts wahrscheinlich ist. Der von den USA und China noch vor kurzem vereinbarte strategische Dialog scheint in vielen Bereichen (auch in jenem der Cybersicherheit etwa) Makulatur, stattdessen richten sich höchste Vertreter der beiden Länder öffentlich und ohne jede diplomatische Zurückhaltung ihre Meinung aus. Dass Wang Guanzhong, einer der höchsten Offiziere der chinesischen Volksbefreiungsarmee, einen vorbereiteten Redetext beiseitelegt und frei über die USA vom Leder zieht, zeigt, wie emotional aufgeladen die Situation ist.

Ein Unterschied zur Ukraine-Krise allerdings ist, dass viel mehr Länder - unter anderem Vietnam, die Philippinen, Japan, Taiwan, Malaysia, Brunei - direkt in die Streitigkeiten involviert sind. Das macht die vertrackte Lage nicht unbedingt einfacher. Im Gegenteil: Dagegen sind die Separatisten im Donbass vergleichsweise berechenbar. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 2.6.2014)

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