"Konnten mit unseren Nationalhelden nicht mithalten"

1. Juni 2014, 19:11
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Kolumbianer Quintana ist in der Heimat gefeierter Gesamtsieger der 97. Ausgabe

Triest - Der Radsport hat einen neuen Superstar. Mit erstaunlicher Souveränität gewann Nairo Quintana als erster Kolumbianer den Giro d'Italia. Im nächsten Jahr peilt der 24-Jährige den Sieg bei der Tour de France an. Die 21. und letzte Etappe in Triest gewann am Sonntag nach 172 Kilometern im Massensprint der Slowene Luka Mezgec. Georg Preidler beendete die Rundfahrt als bester Österreicher auf Platz 27.

Quintana, der die große Radsportbühne im Vorjahr auf Platz zwei der Tour de France betreten hatte, verwies seinen Landsmann Rigoberto Uran (+2:58) nach 21 Etappen und 3.445 Kilometern auf den zweiten Platz. Die Ehre der Gastgeber bei der 97. Italien-Rundfahrt rettete Newcomer Fabio Aru (+4:04). Die letzten Meter des dreiwöchigen Rennens kostete Quintana so richtig aus: Bei der Zieleinfahrt ballte er die Faust und zeigte sein breitestes Grinsen. "Das ist der schönste Tag in meinem Leben", sagte er.

Einen alles in allem guten Eindruck beim Giro hinterließ Georg Preidler. Der Steirer mischte am Sonntag auch bei der Sprintentscheidung mit und rollte schließlich als 15. über die Ziellinie. In der Gesamtwertung verbesserte sich der 23-Jährige sogar noch um einen Platz und beendete die Rundfahrt als 27. Mezgec holte sich vor dem Italiener Giacomo Nizzoli und dem US-Amerikaner Tyler Farrar den Tagessieg. Bernhard Eisel und Riccardo Zoidl belegten auf der Schlussetappe die Ränge 118 und 129. Damit behielt Zoidl im Klassement seinen 40. Platz, Eisel rutschte noch um einen Rang auf Position 138.

Nationalhelden

Quintana steht an der Spitze der neuen Radsport-Generation aus Kolumbien, die den Giro gehörig durcheinanderwirbelte. Die Zeitung "El Tiempo" aus Bogota schrieb am Sonntag von einem "Jahrhundertereignis". Quintana und Uran hätten der diesjährigen Italien-Rundfahrt die besondere Note verliehen. "Sie haben das Protokoll des Rennens gebrochen. Auf der Strecke blieben Italiener, Franzosen, Australier und Spanier, die mit unseren Nationalhelden nicht mithalten konnten", schrieb das Blatt.

Dabei fühlte sich Quintana bei seinem ersten Giro-Antritt wegen einer Erkältung eigentlich nie bei 100 Prozent seines Vermögens. Manche Pressekonferenz hatte er mehr mit Husten als mit Reden verbracht. Die Beschwerden konnten den Sohn eines Obstverkäufers aus der 2.800 Meter hoch gelegenen Andenstadt Tunja aber nicht davon abhalten, die umstrittene Königsetappe und das Bergzeitfahren zum Monte Grappa am Freitag zu gewinnen. Dabei machte Quintana oft noch den Eindruck, als spiele er mit seinen Gegnern.

Kein Übermensch, kein Doping?

Genau diesen Eindruck hinterließ der zierliche Südamerikaner bei seinem Zeitfahrsieg. Was er zu leisten vermag, wenn er tatsächlich zu 100 Prozent fit ist, scheint er gegenwärtig selbst nicht zu wissen. Unterschwellige Doping-Verdächtigungen konterte er: "Ich habe meine Grenzen und kenne Erschöpfung. Ich bin kein Übermensch." Wo seine Grenzen liegen, ist eine spannende Frage für die Zukunft.

Quintana steht auch für ein wahrgewordenes Radsport-Märchen: Von einem in Armut aufgewachsenen Burschen, dem nun die Radsport-Welt zu Füßen liegt. Das erste Rad Quintanas war ein klobiges 30-Dollar-Straßenrad, mit dem er täglich 32 Kilometer Schulweg zurücklegte. Das Haus seiner Eltern lag auf dem Gipfel eines acht Prozent steilen Anstiegs.

Tour de France erst im nächsten Jahr

Diesen Berg wird er möglicherweise im Juli wieder bewältigen, dann aber mit besserem Material. Wenn Alberto Contador (ESP) und Christopher Froome (GBR) einander bei der Tour duellieren, wird er zu Hause entspannen. 2015 soll er nach Frankreich zurückkehren - als potenzieller Sieganwärter. Er erwägt sogar das Double Giro/Tour. "Er hat das Zeug dazu", sagte sein Teamchef Eusebio Unzue, der in den 1990er-Jahren auch hinter dem Aufstieg des fünffachen Toursiegers Miguel Indurain (ESP) stand.  (APA, 1.6.2014)

Radsport-Ergebnisse des 97. Giro d'Italia vom Sonntag:

21. Etappe (Gemona del Friuli - Triest/172 km: 1. Luka Mezgec (SLO) Giant 4:23:58 Std. - 2. Giacomo Nizzolo (ITA) Trek - 3. Tyler Farrar (USA) Garmin - 4. Nacer Bouhanni (FRA) FDJ.fr - 5. Roberto Ferrari (ITA) Lampre - 6. Leonardo Duque (COL) Colombia - 7. Luca Paolini (ITA) Katjuscha - 8. Tosh van der Sande (BEL) Lotto-Belisol - 9. Borut Bozic (SLO) Astana - 10. Iljo Keisse (BEL) Omega Pharma. Weiter: 15. Georg Preidler (AUT) Giant - 28. Rigoberto Uran (COL) Omega Pharma, alle gleiche Zeit. - 81. Nairo Quintana (COL) Movistar +9 Sek. - 118. Bernhard Eisel (AUT) Sky 1:18 Min. - 129. Riccardo Zoidl (AUT) Trek 1:49 Min.

Endstand Gesamtwertung: 1. Quintana 83:50:25 Std. - 2. Uran +2:58 Min. - 3. Fabio Aru (ITA) Astana 4:04 - 4. Pierre Rolland (FRA) Europcar 5:46 - 5. Domenico Pozzovivo (ITA) AG2R 6:32 - 6. Rafal Majka (POL) Tinkoff-Saxo 7:04 - 7. Wilco Kelderman (NED) Belkin 11:00 - 8. Cadel Evans (AUS) BMC 11:51 - 9. Ryder Hesjedal (CAN) Garmin 13:35 - 10. Robert Kiserlovski (CRO) Trek 15:49. Weiter: 27. Preidler 1:05:03 - 40. Zoidl 1:44:53 - 138. Eisel 4:27:59

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    foto: apa

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