Physiker testen neuen WM-Ball im Windkanal

7. Juni 2014, 17:58
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Japanische Forscher vergleichen Brazuca mit einer ganzen Reihe älterer Modelle und konstatieren stabiles Flugverhalten

Tokio - Gejammer - insbesondere von Torhüterseite - über neue Fußballmodelle anlässlich großer Bewerbe hat mittlerweile Tradition: Immer schneller, immer unberechenbarer würden die Bälle werden. Das neue Modell Brazuca, das bei der anstehenden WM in Brasilien zum Einsatz kommt, scheint aber von der verlässlichen Sorte zu sein.

Im Vergleich zu anderen Turnierbällen der vergangenen Jahre hat Brazuca eine sehr stabile Flugbahn: Das haben Sungchan Hong und Takeshi Asai von der Universität Tsukuba in der gleichnamigen japanischen Stadt herausgefunden. Die Ergebnisse ihrer Versuche im Windkanal und mit einem Schießroboter veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift "Scientific Reports".

Auf die Länge der Nähte kommt es an

"In den letzten Jahren gab es dramatische Veränderungen bei den Formen und Designs von Fußbällen", schreiben die Wissenschaftler. Sie untersuchten Bälle mit 6, 8, 14 und 32 Feldern. Im Einzelnen waren es die Bälle mit den Namen Brazuca, Cafusa, Jabulani, Teamgeist 2 sowie Vantaggio, der das klassische Fußballmuster mit Fünf- und Sechsecken aufweist. Tatsächlich maßen Hong und Asai erhebliche Unterschiede beim Luftwiderstand und beim Flugverhalten der Bälle.

Nach Angaben der Forscher spielt es eine wichtige Rolle, wie lang alle Nähte des Balls zusammengenommen sind: Jabulani (bei der WM 2010 in Südafrika eingesetzt) mit 1,98 Metern Naht zeigt bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten ein ähnliches Flugverhalten, während es sich bei Cafusa (Confederations Cup 2013) und seinen 4,47 Metern Naht mit der Geschwindigkeit deutlich ändert.

Cafusa zeigte auch bei einem Schuss über 25 Meter, ausgeführt von einem exakt eingestellten Roboter, die größten Abweichungen. Je nachdem, wie die Einzelflächen des Balls zur Flugbahn ausgerichtet waren, befand sich der Ball nach 25 Metern auf dem Boden oder in drei Metern Höhe. Cafusa flattert also stark in senkrechter Richtung, während das Modell Vantaggio sehr viel gleichförmiger fliegt. Dabei haben beide Bälle 32 Felder, die allerdings sehr unterschiedlich angeordnet sind.

Der Klassiker ist auch nicht schlecht

Im Durchschnitt aller Versuche wies der WM-Ball Brazuca die stabilsten Flugbahnen auf, dicht gefolgt von Vantaggio mit dem klassischen Fußballmuster. "Der beobachtete Effekt der Flächenanordnung auf die Flugeigenschaften ist hilfreich für praktisches Fußballtraining und für die Gestaltung neuer Fußbälle", schreiben die Forscher. Sie geben aber zu, dass die Aerodynamik eines Balls nicht allein von den Oberflächenformen abhängt, sondern unter anderem auch von der Rauigkeit, dem Material und der Verarbeitungsmethode. Dies solle in einer künftigen Studie untersucht werden. (APA/red, derStandard.at, 7.6. 2014)

  • Dieses Objekt wird bald für einen Monat der Nabel der Welt sein. Bezeichnung: Brazuca.
    foto: apa/epa

    Dieses Objekt wird bald für einen Monat der Nabel der Welt sein. Bezeichnung: Brazuca.

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