Gegenangriff im Ökonomie-Streit

30. Mai 2014, 17:13
36 Postings

Französischer Ökonom Piketty kritisiert Methode der "Financial Times"

Paris/Wien - Der französische Ökonom Thomas Piketty geht zum Gegenangriff über. In einem zehnseitigen Papier weist er die Kritik der Financial Times an seinem Bestseller Das Kapital im 21. Jahrhundert zurück und kritisiert im Gegenzug die Methoden und Datengrundlage der Zeitung. Der Vorwurf, dass er Fehler in seinen Berechnungen gemacht habe, sei "schlicht falsch", schreibt er in dem Papier, das als technischer Anhang zum zehnten Kapitel auf seiner Homepage veröffentlicht wurde.

"Die FT-Journalisten haben offenbar nicht sorgfältig die technischen Forschungspapiere und Excel-Dateien gelesen, die ich online veröffentlicht habe", kritisiert Piketty. Und er stellt auch die Schlussfolgerungen der Zeitung infrage. Der Ökonomie-Redakteur der Financial Times, Chris Giles, hatte argumentiert, dass die Vermögensungleichheit in den vergangenen 40 Jahren kaum gestiegen, in Großbritannien sogar gefallen sei. Zu diesem Ergebnis komme er bei einer "Bereinigung" der Daten von Piketty. Dabei bezieht sich Giles seinerseits vor allem auf Umfragedaten, die zum Vermögen der privaten Haushalte veröffentlicht werden. Für Piketty sind diese Zahlen aber "nicht überzeugend" und die Methode der FT "fragwürdig", denn in Umfragen werden die Vermögen der Superreichen regelmäßig unterschätzt. Hier würden Steuerdaten von Finanzämtern bessere Zahlen liefern.

Piketty bestätigt aber in seiner Replik, dass die Datenlage zu Vermögen weltweit sehr schlecht und von Land zu Land oft unterschiedlich ist. Um sie vergleichbar zu machen, sind daher statistische Kniffe nötig. "Wir sollten alle zugeben, dass wir zu wenig wissen", schreibt Piketty an einer Stelle. Das sei auch einer der Gründe, wieso er für einen automatischen Austausch von Bankdaten und eine Vermögenssteuer eintritt, diese würde die Datenlage wesentlich verbessern.

In der Sache bleibt der Ökonom von der Pariser School of Economics jedenfalls hart. Sein Buch zeige, dass die Vermögensungleichheit in den vergangenen Jahrzehnten in den entwickelten Ländern gestiegen ist: "Die Datenlage reicht aus, um diese Schlussfolgerung zu ziehen." (sulu, DER STANDARD, 31.5.2014)

Share if you care.