Betriebliche Vorsorge wird privat kaum genutzt

30. Mai 2014, 18:50
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Dass private Zuzahlungen in die betriebliche Vorsorge möglich und steuerlich begünstig sind, wissen immer noch zu wenige Arbeitnehmer

Wen - Welchen Stellenwert hat eigentlich die betriebliche Altersvorsorge? Kommt darauf an, wen man fragt - könnte man hier antworten, und falsch wäre das nicht. Pensionskassen nahestehende Personen würden wahrscheinlich das Pensionskassenmodell bevorzugen, Vertreter von Versicherungen tendieren wohl zur betrieblichen Kollektivversicherung (BKV). Vorsorgeaffine Menschen würden in Summe sagen: egal, Hauptsache, den Mitarbeitern steht ein System zur Verfügung.

Die S-Versicherung hat sich bei Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern umgehört und via Gallup-Institut 700 Experten zu diesem Thema befragt. Drei Viertel davon (73 Prozent) sehen in der betrieblichen Vorsorge (" zweite Säule") eine wichtige Ergänzung zur staatlichen und privaten Pensionsvorsorge. Einen besonderen Stellenwert schreiben Steuer- und Wirtschaftsberater (68 Prozent) der zweiten Säule als Teil des Entlohnungssystems zu.

Ein Blick in die Realität zeigt aber, "dass nur 15 bis 19 Prozent aller Arbeitnehmer eine betriebliche Vorsorge haben", sagt Christian Lückl, Leiter der betrieblichen Vorsorge bei der S-Versicherung, zum Standard. Was die steuerlichen Vorteile betrieblicher Vorsorgemodelle anbelangt (66 Prozent halten das für ein besonders wichtiges Kriterium), so gibt es laut Lückl "noch viel Informationsbedarf". Insbesondere die Möglichkeiten der steuerfreien Zuzahlung in das betriebliche Modell "sind noch viel zu wenig bekannt", sagt Lückl. Jeder Mitarbeiter kann Zuzahlungen in seine betriebliche Vorsorge leisten. Die Höhe dieser Zuzahlung ist allerdings begrenzt.

  • Pensionskasse/BKV: Für den Arbeitgeber sind Einzahlungen in eines der beiden Systeme in der Höhe von maximal zehn Prozent der Lohnsumme reizvoll, weil diese als Betriebsausgaben absetzbar sind. Bei zehn Prozent liegt aber die Grenze, mehr kann nicht abgesetzt werden. Mitarbeiter können private Zuzahlungen in dieses System leisten. Sinn macht das bis zu der Summe von 1000 Euro pro Jahr, weil diese Summe mit 4,25 Prozent staatlich gefördert wird. Die Rente, die aus den Eigenerlägen erwirtschaftet wird, ist zudem steuerfrei. Jener Anteil, der vom Betrieb einbezahlt wurde und als Pension ausbezahlt wird, wird besteuert.
  • Betriebliche Zukunftsvorsorge: Bei diesem Modell sind sowohl die Einzahlungen (vom Arbeitgeber oder -nehmer) als auch der Veranlagungsgewinn und die Auszahlung steuerfrei. Daher gilt diese Form der betrieblichen Vorsorge auch als "Steuerzuckerl". Aber: Die Beiträge, die geleistet werden können, sind mit 25 Euro pro Monat limitiert.

Dass dieses System nicht jeder Arbeitgeber anbietet, verwundert Lückl. Denn auch bei der Zukunftssicherung sind die Beiträge des Arbeitgebers absetzbar. Erst 6000 bis 7000 Arbeitnehmer sorgen damit vor. Das sei auch ein großes Thema für innerbetriebliche Kommunikation. Dass der Betrag mit 25 Euro recht gering ist, gesteht Lückl ein: "Wir fordern jedes Jahr eine Erhöhung, das scheitert aber am politischen Willen."

Zwei Drittel der befragten Steuerberater empfehlen, die Möglichkeit zur betrieblichen Vorsorge (falls vorhanden) auch für die private Vorsorge zu nutzen, ein Drittel empfiehlt einen zusätzlichen Abschluss als dritte Säule.

Ob das Pensionskassenmodell oder die Versicherungslösung die bessere Variante für die betriebliche Vorsoge ist, darauf lässt sich Lückl nicht ein. "Das hängt davon ab, wer damit versorgt werden soll", sagt der Experte. Die Modelle seien ähnlich, die Pensionskasse könne bei der Veranlagung mehr Risiko nehmen, die Versicherungslösung biete dafür eine Garantie, was die Pensionskasse wiederum nicht anbieten dürfe.

Vorsicht ist geboten

Die Arbeiterkammer rät jedenfalls zur Wachsamkeit. Denn beim Ausscheiden aus einem Unternehmen können - etwa bei der Zukunftssicherung - Probleme auftauchen. Wird der Vorsorge-Vertrag beim neuen Arbeitgeber nicht weitergeführt, sondern in einen Einzelvertrag umgewandelt, entfällt die Befreiung von der Lohnsteuer. Wird der Vertrag vorzeitig zurückgekauft (also gekündigt), kann sogar ein Verlust entstehen.

"Es handelt sich dabei in Wirklichkeit um eine klassische Lebensversicherung mit allen Garantien und Kosten", sagt Christian Prantner von der Abteilung für Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Wien. So ein Vertrag habe eine verbindliche Vertragssumme und einen unverbindlichen Garantieanteil. Wer vorzeitig kündige, könne damit auch einen Verlust erzielen.

(Bettina Pfluger, DER STANDARD, 30.5.2014)

  • Sicherheitsnetz für die Pension: In vielen Betrieben wird eine gemeinsame Pensionsvorsorge geboten. Informationen darüber sind häufig aber spärlich, beklagen Experten.
    foto: apa/gindl

    Sicherheitsnetz für die Pension: In vielen Betrieben wird eine gemeinsame Pensionsvorsorge geboten. Informationen darüber sind häufig aber spärlich, beklagen Experten.

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