Kinder erleben Regenbogenfamilien als Zuhause

30. Mai 2014, 16:17
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Neue Studien stellen klar, dass das Kindeswohl nicht von der sexuellen Orientierung der Eltern abhängt

Wien - Mit dem Adoptionsrecht für Homosexuelle verhält es sich ähnlich wie mit der Diskussion um das Zumpferl auf dem diesjährigen Life-Ball-Plakat. "Wie soll man das bloß den Kindern erklären?", ist die zentrale Sorge verschreckter Gegner.

Ob und in welcher Form es Kinder beeinflusst, die in sogenannten Regenbogenfamilien - also zumindest mit einem homosexuellen Elternteil - aufwachsen, wird seit den 1980er-Jahren erforscht, allerdings oft mit Fokus auf lesbischen Paaren oder in kleiner Stichprobengröße.

Eine der weltweit größten und aktuellsten Studien findet derzeit an der Universität Melbourne in Australien statt. Für "Achess - The Australian Study of Child Health in Same-Sex Families" wurden 500 Kinder von 315 gleichgeschlechtlichen Eltern untersucht.

"Keine signifikanten Unterschiede"

Hinsichtlich ihrer emotionalen Stabilität und ihres Selbstbewusstseins bestehe "kein signifikanter Unterschied" zu Heranwachsenden in anderen Familien, heißt es im Zwischenbericht, der unter www.achess.org.au abrufbar ist. Bei der allgemeinen Gesundheit und bei familiärem Zusammenhalt würden die Kinder aus Regenbogenfamilien sogar besser abschneiden, schreibt Studienleiter Simon Crouch.

Fakt sei jedoch auch, dass die Kinder und deren Familien weiterhin "Diskriminierung verschiedenster Art" ausgesetzt seien, steht im Zwischenbericht der Uni Melbourne. Die endgültigen Ergebnisse sollen demnächst präsentiert werden.

Einige Kinder homosexueller Eltern erlebten Hänseleien, "vermutlich vier von zehn", schätzt die Soziologin Marina Rupp in einem Interview in der Zeit Online. Kinder würden aber auch aus anderen Gründen gehänselt, etwa weil sie Brille tragen, fügt Rupp hinzu.

Beständige Beziehungen

2013 forderte der amerikanische Berufsverband der Psychologen eine rechtliche Gleichstellung aller Eltern: "Kinder brauchen für ihre soziale und kognitive Entwicklung sichere und beständige Beziehungen zu fürsorglichen Eltern." Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigten, dass sich diese Bedürfnisse der Kinder nicht von denen heterosexueller Eltern unterscheiden würden - Kinder brauchen ein stabiles Zuhause.

"Es liegt also im Interesse des Kindeswohls, dass Eltern, die bereit sind, eine dauerhafte und verantwortungsvolle Rolle zu übernehmen, dabei von staatlichen Institutionen unterstützt werden - ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung", lautet die Schlussfolgerung.

Der Verband österreichischer Psychologen schließt sich dem an: "Es gibt genug Studien, die belegen, dass gleichgeschlechtliche Elternpaare kein Nachteil für Kinder sind." Aus rein psychologisch-wissenschaftlicher Sicht sei eine Diskriminierung nicht mehr nachvollziehbar, schreibt dessen Diversity-Beauftragter Mario Lehenbauer-Baum in einer Mail. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 31.5.2014)

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