Italiens Ecomafia: Das blühende Geschäft mit dem Waldbrand

30. Mai 2014, 17:00
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Die Mehrzahl der Brände auf der Apenninenhalbinsel ist auf lukrative Brandstiftung zurückzuführen

Im gesamten Mittelmeerraum und in Italien im Besonderen sind die Waldbrände in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen. Zwar liegt Italien mit durchschnittlich knapp 4900 gezählten Bränden pro Jahr unter den Vergleichswerten beispielsweise von Spanien oder Portugal, doch 60 Prozent aller Brände sind auf der Apenninenhalbinsel auf Brandstiftungen, 35 Prozent auf Fahrlässigkeit zurückzuführen. Dies bedeutet, dass die Brandstifter in Italien mehr zum Unheil beitragen als sonst wo.

Die sogenannte Ecomafia ist nicht nur in den süditalienischen Regionen Sizilien und Kalabrien, die auch wetterbedingt am stärksten von Bränden betroffen sind, weitverbreitet. Auch an der ligurischen Küste und im Nordosten des Landes wurde in letzter Zeit wiederholt Alarm geschlagen, dass Bauspekulation hinter den Waldbränden steckt. Bauspekulationen sollen auch für den 2013 erfolgten Brand im Nationalpark Pollino in Kalabrien verantwortlich gewesen sein.

Der italienische Zivilschutz spricht von einem "blühenden Geschäft mit dem Feuer", das nicht nur Bauspekulanten, sondern auch der Aufforstung und der damit verbundenen Beschäftigungspolitik zugutekäme. Denn für die Aufforstung werden Arbeitslose aus der Region eingesetzt. In vielen Gegenden in Süditalien liegt die Arbeitslosigkeit bei über 40 Prozent. Jeder zweite Jugendliche ist ohne Job.

Großer ökologischer Schaden

Der ökologische Schaden durch die Waldbrände ist infolge der erhöhten Lawinen- und Erdrutschgefahr beachtlich. Rund 30 Prozent der Oberfläche Italiens wird von Wäldern bedeckt. Innerhalb der vergangenen dreißig Jahre wurden zwölf Prozent dieser Fläche durch Waldbrände zerstört. Der Umweltverband Lega Ambiente hat durch seine Aufklärungskampagnen "Spielt nicht mit dem Feuer" wesentlich zur Sensibilisierung der Bevölkerung beigetragen.

Nach Angaben des Präsidenten des Konsortiums Cineas, Alberto Bertani, liegt das Problem Italiens auch in der mangelnden Versicherungskultur und der fehlenden Gesetzgebung. Gegenüber anderen Ländern, in denen es beispielsweise obligatorische Versicherungen gegen Naturkatastrophen oder Brände gibt, werden in Italien nur "ad hoc" Gesetze gemacht.

Kaum Versicherungen

So war das etwa beim Erdbeben in L'Aquila oder in der Emilia-Romagna, wo erst nach der Katastrophe auf die Region zugeschnittene gesetzliche Maßnahmen erlassen wurden. Cineas, ein von Versicherern, lokalen Institutionen und Unternehmern gebildetes Konsortium, versucht durch eigene Kurse die Versicherungskultur zu fördern, um Risiken weitestmöglich auszuschalten. So bietet das Konsortium auch einen Masterkurs für "Environmental risk assessment and management an.

Was Waldbrände betrifft, so ist nur ein kleiner Teil der Wälder gegen Brand versichert. 70 Prozent aller Brände brachen zuletzt in privaten Wäldern aus. In 22 Prozent der Fälle waren Wälder betroffen, die von lokalen Körperschaften kontrolliert werden, acht Prozent waren Wälder im Staatsbesitz.

Selbst die privaten Waldbesitzer gehen kaum Versicherungen ein. Nur eine einzige Versicherungsgruppe im Land, Fata, ist auf Waldbrände spezialisiert. Der zuständige Manager bestätigt, dass es nur ein Dutzend Polizzen gibt. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 31.5.2014)

  • Waldbrände können kurzfristig Geld bringen, richten aber langfristig viel größere Schäden an.
    foto: epa/stuart palley

    Waldbrände können kurzfristig Geld bringen, richten aber langfristig viel größere Schäden an.

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