AUA bricht KV-Verhandlungen ab

30. Mai 2014, 14:33
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Unverständnis für Androhung von Kampfmaßnahmen bis hin zu Streik

Wien/Schwechat – Bei der AUA (Austrian Airlines) ist der Streit zwischen Management und Bordbelegschaft wieder eskaliert. Das Unternehmen hat jetzt die Verhandlungen um einen Konzernkollektivvertrag für das Bordpersonal abgebrochen. Die AUA beschuldigt den Piloten-Betriebsrat, den alten - aufgekündigten - Kollektivvertrag zurückbekommen zu wollen und an einer außergerichtlichen Einigung gar nicht interessiert zu sein. Die AUA-Manager sehen nun "keine Grundlage für weitere Verhandlungen gegeben", wie es in einer Mitteilung am Freitag hieß.

Fusion vorerst vom Tisch

Vom Tisch ist vorerst auch der Plan, Tyrolean und Austrian zu fusionieren. Laut AUA wackelt nun das gesamte Investitionsprogramm, dem der Eigner Lufthansa unter der Bedingung einer KV-Einigung und Rechtssicherheit schon Grünes Licht gegeben hat.

Für die anstehenden Investitionen in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro für den Austausch der 20 Fokker-Flugzeuge und den Ausbau der Langstrecke (geplant waren bis zu vier zusätzliche Langstreckenflugzeuge) sieht das Management der Austrian "keine günstige Zeit", wie es in der Mitteilung heißt.

Bei den Austrian Airlines gibt es seit Tagen Turbulenzen: Der Betriebsrat für das Bordpersonal hatte sich am Montag in einer Betriebsversammlung von den Piloten und Flugbegleitern das Okay für Arbeitskampfmaßnahmen "bis hin zum Streik" geholt, wie Betriebsratschef Karl Minhard zu Wochenbeginn erklärte. Die Belegschaft hatte da den Betriebsrat einstimmig dazu ermächtigt, umgehend mit der Gewerkschaft vida Maßnahmen vorzubereiten bestätigte auch die Gewerkschaft.  Am Freitag erklärt Minhard, dass ein Streik nicht spruchreif sei.  Aus seiner Sicht sind auch die KV-Verhandlungen nicht abgebrochen. "Wir haben erst vor drei Tagen ausgemacht, am 11., 12. und 13. Juni zu verhandeln", erklärte Minhard. Er habe noch keine Absage erhalten.

Einkommensverlust

Man habe das Recht einer Betriebsversammlung wahrgenommen, weil der Vorstand ein "maßloses Forderungspaket" vorgelegt habe, kommentierte Minhard. Die Eckpunkte zu einem neuen Konzern-Kollektivvertrag (KV) samt Vergleich, die das Management vergangene Woche vorgelegt hatte, lehnt Minhard ab. "Das ist ein Einkommensverlust von fast eineinhalb Jahresgehältern innerhalb von vier Jahren", so Minhard. "Und da reden wir noch gar nicht von der Leistungspension."

"Der Vorschlag war für die Verhandlungen kontraproduktiv und nicht konstruktiv", kritisierte Minhard. Er betrachtet den Vorschlag als "Torpedierung" der laufenden Verhandlungen und als "Verhöhnung der Mitarbeiter".

In der Folge wurde zwischen Betriebsrat und Vorstand sowie den Sozialpartnern Gewerkschaft und Wirtschaftskammer aber trotzdem wieder verhandelt. Minhard  wollte Änderungen verlangen und Forderungen einbringen und lehnte den Zeitdruck des Vorstands ab. AUA-Boss Jaan Albrecht wollte den Kollektivvertrag bis 31. Mai unterschrieben haben.

Außerdem sollte der Antrag des EuGH-Generalanwalts zum AUA-Rechtsstreit, der für den 3. Juni geplant ist, abgewartet werden. Die Richter des Europäischen Gerichtshofes folgen bei ihren Urteilen in vier von fünf Fällen den Empfehlungen des Generalanwalts. Der Betriebsrat hatte vor zwei Jahren gegen den Betriebsübergang auf die Regionaltochter Tyrolean geklagt. Die Causa liegt nun beim Europäischen Gerichtshof (EuGH). (APA/red, derStandard.at, 30.5.2014)

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