Online studieren: Fortschritt oder Krisenmodell?

30. Mai 2014, 10:51
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Unis haben in Europa hunderte Online-Kurse auf den Markt gebracht. Warnungen werden lauter

Zwei Jahre nach Start der ersten US-Angebote haben europäische Unis eine Aufholjagd bei Online-Lernplattformen gestartet.

Noch im vergangenen Frühjahr hatten in einer Umfrage der European University Association (EUA) 40 Prozent der Unis angegeben, sie hätten noch nie von Massive Open Online Courses (MOOCs) gehört. Allein seit September 2013 hat sich deren Zahl jedoch auf über 600 verdoppelt.

Wachstum geht weiter

Bei MOOCs können Lernwillige weltweit ohne finanzielle oder formelle Hürden speziell konzipierte Internet-Lehrveranstaltungen bei den Besten ihre Fachs besuchen. Die meisten MOOC-Anbieter gibt es derzeit noch immer in den USA, dort sitzen auch die größten: das vom Stanford-Professor Sebastian Thrun gegründete "Udacity", das ebenfalls in Stanford entwickelte "Coursera" sowie "edX" (von u.a. Harvard University, Massachusetts Institute of Technology (MIT), University of California in Berkeley). Letzteres will noch stärker wachsen, zuletzt wurde mit MOOC.org ein Kooperationsprojekt mit Google angekündigt.

Doch Europas Unis ziehen bei MOOCs nun überraschend stark nach und gehen dabei eine Vielzahl an Kooperationen ein, wie eine aktuelle EUA-Studie zeigt: Portugal hat etwa ein Projekt mit brasilianischen Partnern aufgesetzt, bei www.futurelearn.com kooperieren 26 Partner von britischen und australischen Unis bis zur British Library. Teilweise werden auch Privatunternehmen ins Boot geholt, wie Telekommunikationsunternehmen in Frankreich (France Universite Numerique) und Spanien (Miriada X).

Zugänge schaffen

Neben der Idee, MOOCs für internationales Marketing zu nutzen, gibt es laut der Studie vor allem in Krisenländern wie Spanien auch die Hoffnung, dass durch Online-Plattformen Hochschulbildung kostengünstiger wird und auch Menschen abseits der Unis Qualifikationen erhalten können, die vom Arbeitsmarkt nachgefragt werden.

Die EU-Kommission etwa ortet neue Möglichkeiten, dringend benötigte IT-Spezialisten auf alternativem Weg auszubilden und sieht die MOOCs als Möglichkeit für Hochschulreformen und mehr Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, über das Programm Erasmus plus sollen zusätzliche Initiativen finanziert werden.

Gleichzeitig reagieren die Hochschulen teilweise mit Skepsis auf die aktuelle MOOC-Euphorie, vor allem in Deutschland und Nordeuropa mit einem schon länger bestehenden breiten Angebot an E-Learning.

Bildungsforscher kritisieren laut der Studie außerdem, dass MOOCs keine neue, wirklich flexible Art der Wissensvermittlung seien, sondern nur ein Modell, das bereits in der Krise ist, reproduzieren würden.

MOOCs for Graduates

Untersuchungen zufolge werden MOOCs außerdem zu 70 Prozent von Personen genutzt, die bereits eine Uni absolviert haben und damit ohnehin bereits über höhere Bildung verfügen. Dazu kommt, dass der Anbieter die Kosten, solange die Kurse tatsächlich offen und damit kostenlos bleiben, alleine schultern muss.

Geldfragen

Mittlerweile hat in den USA allerdings - auch unter Druck ihrer Leitungsgremien - bereits die Suche nach neuen Geschäftsmodellen rund um die Internet-Lernplattformen begonnen. So werden teilweise für absolvierte Online-Lehrveranstaltungen gegen Bares auch Leistungszertifikate angeboten.

Ein mit Spannung beobachtetes MOOC-Experiment läuft seit Herbst 2013 am Georgia Institute of Technology mit dem kostenpflichtigen, wenn auch im Vergleich zu regulären Studienprogrammen sehr günstigen Online-Master in Computerwissenschaften.

Gleichzeitig kann man in den USA bereits eine erste Gegenbewegung beobachten: So stellen sich mehrere Hochschulen aus Sorge um ihre Unabhängigkeit bzw. Zweifeln an der pädagogischen Sinnhaftigkeit gegen den Einsatz von Online-Lehrveranstaltungen. (APA, 30.5.2014)

  • Hörsaal? Wozu? MOOCs machen´s (theoretisch) möglich - Lernen auf Uni-Niveau überall.
    foto: der standard / heribert corn

    Hörsaal? Wozu? MOOCs machen´s (theoretisch) möglich - Lernen auf Uni-Niveau überall.

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