Siemenschef kalmiert: Stellenumbau nicht Abbau

30. Mai 2014, 16:55
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Deutschlands größter Elektrokonzern verschlankt seine Strukturen und will eine Milliarde Euro einsparen. Unklar ist, ob Österreich betroffen ist

München - Siemens-Chef Joe Kaeser verordnet Deutschlands größtem Elektrokonzern offenbar den radikalsten Umbau seit Jahren. Eine neue Struktur soll das Unternehmen schlanker und effizienter machen. So ist einem Medienbericht zufolge der Abbau von 11.600 Stellen geplant, so Kaeser in einer Webcast-Konferenz am Mittwoch, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.

"Stellenabbau in einem Bereich muss nicht zwangsläufig Jobverlust bedeuten", so ein Siemens-Sprecher in Deutschland Sprecher.  Joe Kaeser hat indes am Freitag in einer Mail an alle deutschen Mitarbeiter die Zahl relativiert.

Vortrag in New York

Er habe in einem Vortrag in New York lediglich darauf hingewiesen, welche Stellen bei Siemens von den anstehenden und teilweise bereits begonnenen Umbauten betroffen seien. Neben 7600 Stellen in den vier Sektoren, die Kaeser als Einheiten abschaffen will, sind das rund 4000 in der sogenannten Clusterorganisation in den Regionen.

"In diesem Zusammenhang hatte ich dann die oben genannten Zahlen erwähnt und gleichzeitig ausdrücklich davon gesprochen, dass diese dann vorzugsweise in weiten Teilen anderweitig eingesetzt werden könnten", schrieb der Konzernchef weiter. Er sei nach seiner Rückkehr nach Deutschland von Meldungen zum Stellenabbau regelrecht überschüttet worden.

Das "Handelsblatt" hatte zuvor berichtet, dass 7.600 Stellen mit der Restrukturierung und der neuen Spartenstruktur des Unternehmens wegfallen würden. Dazu kämen 4.000 Stellen, die bei regionalen Ländergruppen überflüssig würden. Für einige der betroffenen Mitarbeiter würde es Posten an anderer Stelle geben.

Siemens Österreich gelassen

Siemens Österreich zeigt sich auf derStandard.at-Anfrage etwas überrascht, aber gelassen. "Siemens Österreich hat seine Hausaufgaben im Rahmen des Restrukturierungsprogramms bereits in den letzten Jahren erfüllt", heißt es von Pressesprecher Walter Sattlberger. Nun gelte es abzuwarten, dass Kaeser Details nennt. Man erwarte aber keine Aderlässe in Österreich, für die Kunden ändere sich zudem nichts.

Davon unabhängig befürchtet man allerdings in Österreich den Verlust von Arbeitsplätzen durch den Verkauf der Siemens VAI in Linz an Mitsubishi.

Umbau angekündigt

Insgesamt will Kaeser die Kosten im Unternehmen um rund eine Milliarde Euro senken. Die Pläne hatten schon vor Monaten Sorgen geweckt, dass sich die 360.000 Siemens-Mitarbeiter nach zahlreichen Spar- und Sanierungsprogrammen in den vergangenen Jahren erneut auf Einschnitte gefasst machen müssen.

Der Konzern soll künftig in neun Divisionen gegliedert sein, mit denen Siemens den fünf Hauptkonkurrenten auf die Pelle rücken soll. Die Energietechniksparte spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie stärkt Kaeser mit dem Kauf des Gasturbinengeschäfts des britischen Motorenbauers Rolls-Royce um fast eine Milliarde Euro.

Der Siemens-Gesamtumsatz stagnierte in den Monaten Jänner bis März bei 17,5 Milliarden Euro. Der Auftragsgang schrumpfte überraschend stark um 13 Prozent. (APA/red, derStandard.at, 30.5.2014)

  • Joe Kaeser krempelt den Konzern um.
    foto: reuters/thomas peter

    Joe Kaeser krempelt den Konzern um.

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