Ein jeder spielt seine Rolle

29. Mai 2014, 19:41
posten

Das Landestheater Bregenz macht Sommerpause. Zuvor gibt es noch eine Freiluftinszenierung von "Das große Welttheater"

Bregenz - Der spanische Hofdichter Calderón de la Barca schrieb sein Stück um 1635. Die großen Fragen an das Dasein, die er darin stellt, sind aber zeitlos: Was, wenn das Leben nur eine Theatervorstellung ist, wir selber nur eine uns zugewiesene Rolle spielen?

In der Inszenierung von Michael Wallner betreten alle Agierenden gleich gekleidet und mit Augenbinde die Bühne. "El Mundo"/ die Welt (Stephan Bieker) und "Die Schöpfung" (Martina Gmeinder) vergeben die Rollen und die dazu passenden Requisiten. Es gibt keine Proben, das Gesetz der Schöpfung sagt, was zu tun ist.

Wenn das Leben nur ein Theater ist, dann stellen sich zwangsläufig auch provokante Fragen wie beispielsweise, ob "Der Arme" (Sebastian M. Winkler) das Recht hat zu betteln und mit seiner Rolle zu hadern - oder diese nicht doch mit Würde spielen sollte. Szenen, in denen "Der Reiche" (Burkhard Wolf) und "Der König" (Andreas Jähnert) vor dieser Figur davonrennen, "El Mundo" ihn sogar mit Füßen tritt, stimmen nachdenklich.

Michael Wallner hebt in seiner Inszenierung die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum auf. Die Anwesenden werden auch mit ihrer Rolle als Publikum konfrontiert. Der Vorarlberger Markus Nigsch hat die Musik für das Schauspiel- und Opernensemble komponiert. Eine eindrucksvolle Inszenierung, die ihre besondere Wirkung auch der örtlichen Gegebenheit, dem Platz vor der Wallfahrtskirche Maria Bildstein, verdankt, welche es auch ermöglicht, die Figuren aus einem scheinbaren Abgrund auf- und abtreten zu lassen. Viel Applaus. (Nicole Wehinger, DER STANDARD, 30.5.2014)

  • Spiel mit Allegorien unter freiem Himmel: "Das große Welttheater" in einer Inszenierung von Michael Wallner.
    foto: landestheater vorarlberg / anja koehler

    Spiel mit Allegorien unter freiem Himmel: "Das große Welttheater" in einer Inszenierung von Michael Wallner.

Share if you care.