"Raubersgeschichte" Oberst Redl

29. Mai 2014, 17:59
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Pikante Details servieren Fritz Kalteis und Gerhard Jelinek in "Oberst Redl - der Jahrhundertspion" am Freitag um 22.40 Uhr in ORF 2. Sex und Crime waren fest verankert in der Politik am Vorabend des Ersten Weltkriegs

Wien - Wie stark mediale Abbildung die Vorstellung von historischen Ereignissen prägt, zeigt sich stets bei Verfilmungen von historischen Figuren. Oberst Alfred Redl, Generalstabschef des achten Korps in Prag, geboren 1864 in Lemberg, gestorben durch eigene Hand am 25. Mai 1913 in Wien, hat seit dem Jahr 1985 das Gesicht Klaus Maria Brandauers. István Szabós Verfilmung der tragischen Geschichte vom Staatsverräter und Selbstmörder Redl prägte das Bild. Jenes des pausbäckigen, "echten" Redl ward vergessen.

Dabei war Brandauer nicht der erste Film-Redl. Fünfmal wurde die Geschichte verfilmt. Unter anderem spielte 1955 Ewald Balser unter der Regie von Franz Antel. Die Homosexualität Redls deutete Antel sittsam an, gegen den Film gab es trotzdem massive Proteste von Seiten der alten k. u. k. Offiziere. "Eine richtige Raubersgeschichte" sei der Kriminalfall, sagt ORF-Dokuchef Gerhard Jelinek, der gemeinsam mit Fritz Kalteis die Dokumentation "Leidenschaft und Verrat: Oberst Redl - der Jahrhundertspion" gestaltete, zu sehen am Freitag, 22.40 Uhr, auf ORF 2.

Kisch deckt auf

Redl, der am Vorabend des Ersten Weltkriegs wichtige Militärgeheimnisse an Russland verraten hatte, brachte mit seinem Selbstmord die Staatsmacht in eine prekäre Lage. Ein Verräter und Homosexueller hätte einen Schatten auf die Donaumonarchie zum ungünstigsten Zeitpunkt geworfen. Ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist das Habsburgerreich zerrissen. Es brauchte die Raffinesse des "rasenden Reporters" Egon Erwin Kisch, der die Affäre an die Öffentlichkeit brachte.

Kisch erfand Informanten, um seine Quellen zu schützen. Die Meldung vom Tod Redls mit allen Mutmaßungen brachte er als Dementi, um die Zensurbehörden zu umgehen. "Wie ein Bluthund" habe Kisch die Spur aufgenommen, sagt der Historiker Gerhard Jagschitz.

Kaum Originaldokumente

Kalteis und Jelinek recherchierten in Wien und Prag. Bis auf wenige Seiten gebe es kaum Originaldokumente, sagt Jelinek: "Die Sache wurde gründlich vertuscht."

Über die Biografie Redls rollen Kalteis und Jelinek Themen der Zeit auf: wie und wo verbotene Homosexualität in Wien gelebt wurde, welche Bedeutung Spionage und Geheimdienste in der Donaumonarchie hatten. Interviews mit Historikern, Archivmaterial und - bis auf einen entbehrlichen Auftritt von Stermann/Grissemann als komödiantisches Geheimdienstoffizierspaar - maßvolles Reenactment ergeben ein komplettes Bild von der Person und Zeit Redls. (Doris Priesching, DER STANDARD, 30.5.2014)

  • Klaus Maria Brandauer als Alfred Redl und Gudrun  Landgrebe als Katalin de Kubinyi in István Szábos Verfilmung von 1985.
    foto: orf/durnjok film

    Klaus Maria Brandauer als Alfred Redl und Gudrun Landgrebe als Katalin de Kubinyi in István Szábos Verfilmung von 1985.

  • Harry Ranftl schlüpfte für ORF-"Universum History" in die Rolle des Oberst Redl.  Den Staatsanwalt Victor Pollack (rechts) spielt Doku-Regisseur Gerhard Jelinek  selbst.
    foto: orf/metafilm/fritz kalteis

    Harry Ranftl schlüpfte für ORF-"Universum History" in die Rolle des Oberst Redl. Den Staatsanwalt Victor Pollack (rechts) spielt Doku-Regisseur Gerhard Jelinek selbst.

  • Christoph Grissemann und Dirk Stermann als Geheimdienstoffiziere.
    foto: orf/metafilm/fritz kalteis

    Christoph Grissemann und Dirk Stermann als Geheimdienstoffiziere.

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