Beliebt in Tampa, abgelehnt in Manchester

29. Mai 2014, 17:11
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Malclolm Glazer besaß zwei Football-Teams in unterschiedlichen Sportarten - Seine Wirkung auf die jeweiligen Fans könnte nicht unterschiedlicher sein

Als Malcolm Glazer 2005 ManUnited aufkaufte, gingen die Fans auf die Barrikaden. Trotz großer Erfolge blieb das Verhältnis unterkühlt. Auch anlässlich seines Todes am Mittwoch blieben große Beileidsbekundungen aus. Der US-Milliardär hat nie einen Fuß in das Stadion gesetzt. In Tampa, wo er die Buccaneers zum Triumph in der Football-Liga NFL führte, wird Glazer dagegen noch lange verehrt werden.

Das Verhältnis der United-Fans zum Patriarchen der US-amerikanischen Besitzerfamilie war seit dem Tag der Übernahme vor neun Jahren unterkühlt. Gebessert hat es sich trotz fünf Meisterschaften und dem Gewinn der Champions League 2008 nicht. Glazer hatte United 2005 für 790 Millionen Pfund übernommen. Die Anhänger fürchteten, der Geschäftsmann, der in der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt mit einem geschätzten Vermögen von vier Milliarden Dollar auf Rang 354 geführt wird, handle bloß aus Profitgier.

Schulden auf Verein abgewälzt

Um die Übernahme zu finanzieren, machte die Familie mit United eine Menge Schulden. Der Höchststand betrug 2008/09 etwa 716 Millionen Pfund. Derzeit steht der Verein, der zuvor schuldenfrei gewesen war, mit 351 Millionen in der Kreide. Bei den Fans, die das Geld lieber in neue Spieler investiert gesehen hätten, sorgt das weiter für Entsetzen. Besonders aus dem Grund, weil Stadtrivale ManCity von der Besitzerfamilie aus Abu Dhabi in den vergangenen Jahren für mehr als 1,5 Milliarden generalüberholt wurde und zwei der letzten drei Meistertitel geholt hat. United wurde zuletzt Tabellensiebenter.

An der Spitze der Bewegung gegen Glazer hatte sich damals der "Manchester United Supporters Trust" (MUST) gegründet. Selbst Ex-ManUnited-Ikone David Beckham bezog seinerzeit öffentlich Stellung gegen die neuen Besitzer. Bei einem Gastspiel mit dem AC Milan trug er einen Schal in den ursprünglichen Vereinsfarben gold und grün.

In der Stunde des Todes von Glazer hielten sich seine Gegner aber weitgehend zurück. Dennoch: "Als Anhänger von United bin ich mir über die nachteiligen Auswirkungen bewusst, die die Glazers auf den Verein hatten und auch über den riesigen Schuldenberg", sagte Sean Bones, Vorstandsmitglied des "MUST".

Maroden Verein belebt

Bereits 1995 hatte Glazer den sportlich und wirtschaftlich heruntergekommenen NFL-Club Tampa Bay Buccaneers gekauft. 2002 glückte der erste NFL-Titel. Der Wert des Teams vervierfachte sich. Im Gegensatz zur Situation auf der anderen Seite des Atlantiks wurde Glazer in Tampa von Fans sowie ehemaligen Spielern und Trainern hoch geschätzt - und das obwohl er das Tagesgeschäft seinen Söhnen Bryan, Edward und Joe überließ.

"Er war ein Freund und Wegbereiter", sagte Ex-Coach Jon Gruden in einer Reaktion. "Ich werde ihn vermissen und danke ihm, weil er an mich geglaubt hat." In einem Statement auf der Homepage der Buccaneers hieß es, er habe geholfen, den Club "in eine Vorzeige-Franchise zu verwandeln. Glazer hat den Willen und das Engagement, innerhalb der NFL die Besten zu sein, auf sein Team und seine Angestellten übertragen." An der Zentrale des Clubs wehten die Flaggen auf halbmast.

Seit Jahren zurückgezogen

Im Jahr 2006 zog sich Glazer auch bei United zurück, nachdem er zwei Schlaganfälle erlitten hatte. Er überließ seinen insgesamt sechs Kindern die Kontrolle über 90 Prozent des Clubs. Die übrigen zehn Prozent sind seit 2012 an der Börse in New York gelistet.

Seine letzten Jahre hatte der Patriarch zurückgezogen in Palm Beach im US-Staat Florida verbracht. Als Folge der Schlaganfälle litt er unter Sprachproblemen und motorischen Schwierigkeiten. Der in Rochester im US-Staat New York geborene Sohn eines Verkäufers von Uhrenersatzteilen hatte nach dem Tod seines Vaters bereits als Teenager die Geschäftsleitung des Familienunternehmens übernommen. Reich wurde er als Präsident und Geschäftsführer der First Allied Corporation, einer Holding für Shoppingcenter. (APA, 29.5.2014)

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