In Belgien entscheiden sich immer mehr Menschen für Sterbehilfe

28. Mai 2014, 17:38
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Berichtsentwurf verzeichnet fünf Fälle pro Tag

Brüssel - Immer mehr Menschen nehmen in Belgien Sterbehilfe in Anspruch. 1.807 Fälle und damit rund fünf Fälle pro Tag sind im Entwurf des Jahresberichts für 2013 der Kommission für die Kontrolle der Sterbehilfe verzeichnet, der AFP auszugsweise am Mittwoch in Brüssel vorlag. Er soll im Juni verabschiedet werden und unterliegt noch möglichen Änderungen.

Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl dem Entwurf zufolge um rund 27 Prozent, 2012 waren es erst 1.432 Fälle gewesen. Seit der Legalisierung der Sterbehilfe in Belgien 2002 ist die offizielle Anzahl jedes Jahr größer geworden.

Große Aufmerksamkeit auf Einzelfälle

Fast drei Viertel der Sterbehilfe-Patienten litten dem Berichtsentwurf zufolge an Krebs. Etwas mehr als die Hälfte waren Männer und 15 Prozent jünger als 60 Jahre, wie aus Teilen des Entwurfs hervorgeht, die die Zeitungsgruppe Sudpresse am Mittwoch veröffentlichte.

Mehrere Fälle erregten letztes Jahr große Aufmerksamkeit. So nahmen zwei taube Brüder Zuflucht zur Sterbehilfe, weil sie auch noch zu erblinden begannen. Obwohl sie nicht unheilbar krank waren, konnten sie den Schritt in Einklang mit dem Gesetz gehen, weil sie eine unerträgliche psychologische Belastung geltend machten. Ein bis kurz vor seinem Tod rüstiger Pensionist zelebrierte das geplante Ableben geradezu: Der 95-Jährige starb nach einer Feier und mit einem Champagnerglas in der Hand.

Im Februar des laufenden Jahres erlaubte Belgiens Parlament Sterbehilfe auch für Minderjährige, was bis dahin verboten war. Allerdings hatten Ärzte im Vorfeld der Gesetzesänderung bezeugt, dass es bereits Fälle von Sterbehilfe an unheilbar kranken Kindern in belgischen Kliniken gegeben habe. (APA, 28.5.2014)

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