Handyverbot an Schulen: Reden statt whatsappen

29. Mai 2014, 09:08
751 Postings

Eltern sorgen sich wegen exzessiver Handynutzung in der Schule. Diese sei wichtig für die Entwicklung der Kinder, sagt eine Expertin

Die Schüler sitzen mit gesenkten Köpfen am Gang. Niemand spricht. Alle starren auf ihr Mobiltelefon. Dieses Bild wollten Lehrer und Schüler am Gymnasium Klosterneuburg verhindern. Mit einem Handyverbot in der "Kernunterrichtszeit" zwischen 8 und 13.40 Uhr. "Wir wollten eine Kultur schaffen, in der die Schüler in die Schule gehen, um zu lernen, und nicht, um alle fünf Minuten die Nachrichten auf Whatsapp zu checken", erklärt Bettina Veyder-Malberg, Elternvertreterin an der Schule.

Schüler müssen zustimmen

In Österreich gibt es keine generelle Regelung dazu, wann und wo Schülerinnen und Schüler ihre Handys benutzen dürfen. Die Schulen regeln das in der Hausordnung, die von Schülern, Lehrern und Eltern gemeinsam beschlossen werden muss. Einem etwaigen Handyverbot muss also auch jede dieser Gruppen zustimmen. Während des Unterrichts ist die private Nutzung von Handys meist verboten, weil die Schüler damit die Kollegen und die Lehrer stören würden. Für die Pausen und Freistunden gibt es unterschiedliche Regelungen.

Totes Recht

Barbara Buchegger, Leiterin der pädagogischen Abteilung der Initiative saferinternet.at, kennt viele Schulen, die ein generelles Handyverbot in der Hausordnung aussprechen. "Meist ist das aber totes Recht, weil die Lehrer nicht jeden Schüler am Gang ständig verweisen wollen", erklärt sie. Buchegger ist gegen ein Handyverbot an Schulen. "Das hat nichts mit der Realität zu tun", sagt sie. Es sei viel zu schwierig, ein solches Verbot aufrechtzuerhalten. Viel hilfreicher sei es, punktuell Verbote auszusprechen, wenn in der Klasse ein Konflikt entsteht und zum Beispiel eine Schülerin via den Kurznachrichtendienst Whatsapp gemobbt wird.

500 Nachrichten

Vor allem für Zehn- bis Elfjährige sei das Ausprobieren neuer Technologien wichtig. Da würde es schon einmal vorkommen, dass ein Schüler 300 bis 500 Nachrichten pro Nacht bekommt. Nach einiger Zeit würde diese exzessive Nutzung wieder aufhören. "Das ist ein wichtiger Entwicklungsprozess, den man auch in der Klasse besprechen muss", sagt Buchegger. Ein Verbot von Handys an Schulen würde verhindern, dass die Mobiltelefone thematisiert werden.

Zu viel Ablenkung

Dem widerspricht Elternvertreterin Veyder-Malberg. "Natürlich können die Kinder die neuen Technologien ausprobieren, aber das können sie auch am Nachmittag und nicht während der Schulzeit machen." Die Mutter von zwei Kindern will, dass Schüler ihre Pausen nicht für Handyspiele nutzen, sondern für das soziale Leben. "Ich bin kein Feind von neuen Technologien, aber Handys bedeuten auch eine große Ablenkung für die Schüler." Oft würden während des Unterrichts Nachrichten per Handy hin- und hergeschickt, die Unruhe störe auch jene Schüler, die sich nicht daran beteiligen.

Gegen generelles Verbot

Trotz dieser Argumente sind sich die Schulpartner einig: Ein generelles Handyverbot, das für alle Schulen gilt, will keiner. Weder Eltern- noch Schüler- oder Lehrervertreter. Pflichtschulgewerkschafter Paul Kimberger begrüßt die jetzige Regelung, wonach die Schule direkt darüber entscheidet. Auch Eckehard Quin, Vertreter der AHS-Lehrer, sagt: "In der Hausordnung ist diese Regelung gut aufgehoben, ein generelles Verbot ist nicht sinnvoll."

Für Bundesschulsprecherin Angi Gross ist das Handy ein Alltagsgegenstand wie die Geldbörse. Bei exzessivem Gebrauch der Handys in den Pausen müssten die Lehrer den verantwortungsvollen Umgang im Unterricht lehren. "Während des Unterrichts bleibt das Handy abgeschaltet, aber Eltern wollen, dass ihr Kind sie erreichen kann", erklärt Andreas Ehlers vom Vorstand der Elternvertreter an Pflichtschulen, warum er für ein Verbot ist.

Handy im Unterricht nutzen

Am Gymnasium in Klosterneuburg wurde das generelle Handyverbot nach einer Testphase wieder abgeschafft. Die Schülervertreter haben sich dagegen gewehrt. "Wir nutzen das Handy auch im Unterricht, zum Beispiel als Kalender", sagt Schulsprecher Darius Djawadi. Er warnt davor, alles zu verurteilen, was neu sei.

Nun gilt ein Kompromiss: In den Zehn-Minuten-Pausen dürfen die Schüler ihr Handy im Schüleraufenthaltsraum verwenden. Oberstufenschüler dürfen ihre Mobiltelefone außerdem in der Aula und in der Bibliothek für schulbezogene Aufgaben nutzen. Wie schon davor dürfen die Schüler das Handy auch im Unterricht verwenden, wenn es die Lehrer erlauben.

Wer sich nicht daran hält, dem wird das Handy abgenommen. Beim dritten Mal müssen die Eltern das Handy abholen. Ob diese Sanktion wirksam ist, wird sich erst zeigen. Die Regelung gilt erst seit zwei Wochen. (Lisa Aigner, derStandard.at, 28.5.2014)

  • Manche Elfjährigen bekommen 300 bis 500 Whatsapp-Nachrichten pro Nacht, sagt Expertin Barbara Buchegger.
    foto: istockphoto.com/bzzz

    Manche Elfjährigen bekommen 300 bis 500 Whatsapp-Nachrichten pro Nacht, sagt Expertin Barbara Buchegger.

Share if you care.