Studentenleben, all inclusive

28. Mai 2014, 14:47
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Das Studentendasein ist teurer geworden. Wer es sich leisten kann, bekommt aber in manchen Heimen auch ein All-inclusive-Leben geboten

Stockwerksküchen und Doppelzimmer gibt es zwar noch immer, in den letzten Jahren haben sich aber auch exklusivere Heime ihren Platz im Wiener Studentenleben erobert. 20 Euro und mehr zahlt man dort teilweise monatlich pro Quadratmeter, dafür gibt es All-inclusive-Wohnen inklusive Putzservice und Concierge.

"All-inclusive-Wohnen haben wir auch", sagt Jörg Berger von der Wirtschaftshilfe der Arbeiter_innen Studierenden Österreichs (Wihast), die 13 Studentenheime in Wien betreibt und wohl eher am anderen Ende des Spektrums unterwegs ist. Die Definitionen des All-inclusive-Gefühls unterscheiden sich daher, was sich auch im Preis niederschlägt: Im Campus Brigittenau gebe es etwa einen Spa-Bereich, Gemeinschaftsbereiche wie Fitnessräume hätten alle Heime. Am billigsten ist ein Zimmer in der Hainburger Straße mit monatlich 222 Euro. Das ergibt - sämtliche Nebenkosten, Möblierung und Benützung der Gemeinschaftsräume inklusive - einen Quadratmeterpreis von rund 14 Euro.

Marktnische

Exklusivere Studentenheime wie etwa das Projekt Milestone bei der neuen Wirtschaftsuniversität mit einer All-in-Miete von 590 Euro, belegen für Berger eine "Marktnische, die begrenzt ist" - viele Studierende bräuchten preiswertere Unterkünfte. Er sieht daher Bedarf an mehr günstigen Wohnmöglichkeiten: Für alle Wihast-Heime gebe es Wartelisten, die Wartezeit betrage ein bis drei Monate.

Auch Doppelzimmer würden, trotz gestiegener Ansprüche der Studierenden, weiter im Angebot bleiben: "Ein Einzelzimmer können sich manche gar nicht leisten."

Fehlende Förderung

Doch selbst die Doppelzimmer sind teurer geworden: 2010 wurde die Bundesförderung für die Errichtung und die Sanierung von Studentenheimen gestrichen. Diese fehlenden elf Millionen Euro schlagen sich mitunter in saftigen Mieterhöhungen nieder. Teilweise sind die Mietpreise in Salzburger Studentenheimen um 60 Euro monatlich gestiegen, wie die ÖH Salzburg vor wenigen Tagen in einer Aussendung bekanntgab. Je nach Studienort koste ein neun bis zwölf Quadratmeter großes Zimmer im Schnitt zwischen 280 und 340 Euro.

Extreme Erhöhungen wie jene in Salzburg hat die Wihast in Wien laut Berger nicht durchgeführt: Man habe die Entgelte "schrittweise angepasst". Im Vorjahr wurden die Zimmerpreise etwa um drei Prozent angehoben; man wolle weiterhin sozial verträgliche Preise bieten. "Neubau und aufwändige Generalsanierungen sind mit den Preisen aber nicht mehr möglich", stellt er klar.

Grünes Studentenleben

Neu gebaut wird dafür in der Seestadt Aspern. Hier entsteht in Kooperation der zwei Heimträgerorganisationen OeAD-Wohnraumverwaltung und Österreichische Jungarbeiterbewegung sowie dem Bauträger WBV-GPA das Studentenheim GreenHouse mit 310 Zimmern. Im März nächsten Jahres sollen die ersten Bewohner einziehen.

Ziel ist, das erste EnergiePlus-Studentenheim der Welt zu werden, erzählt Günther Jedliczka, Geschäftsführer der OeAD-Wohnraumverwaltung. Voranmeldungen für das Projekt werden zwar noch nicht entgegengenommen, dass das GreenHouse mit seinem ökologischen Ansatz bei Studierenden punkten wird, davon ist Jedliczka aber überzeugt.

Ein Zimmer soll knapp unter 400 Euro kosten, dafür warten die 108 OeAD-Heimplätze mit einem All-inclusive-Service auf. "Bei Studentenheimen geht der Trend allgemein in Richtung Qualität", ist Jedliczka überzeugt.

Und noch ein weiterer Trend kommt nach Österreich: Das erste Pop-up-Studentenheim soll im Herbst 2015 in der Seestadt seine Pforten öffnen, nicht mehr als 300 Euro Miete kosten und hohe ökologische Standards erfüllen. (Franziska Zoidl, DER STANDARD, 24.5.2014)

  • Auch ältere Heime wie jene im "Campus Brigittenau" (Bild) werden für ihre Bewohner teurer.
    foto: putschögl

    Auch ältere Heime wie jene im "Campus Brigittenau" (Bild) werden für ihre Bewohner teurer.

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