Baumgartner will Dortmund kopieren

28. Mai 2014, 13:50
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Aggressives Pressing als Ziel - "Spieler, die wegwollen, werden wir nicht brauchen"

Wien - Vor fast genau einem Jahr verwehrte Gerald Baumgartner der Austria als Trainer von Regionalligist Pasching das Double. Nun soll der Salzburger den strauchelnden Violetten neues Leben einhauchen. Der 49-Jährige präsentierte sich unter großem Medieninteresse am Mittwoch erstmals als Coach der Wiener. Diese will Baumgartner mit  Tugenden, wie sie Borussia Dortmund und Meister Salzburg pflegen, zu alter Stärke führen.

"Ich freue mich sehr, dass ich hier sitzen darf, um die Geschicke der Austria voranzutreiben", sagte Baumgartner. Am Vortag war der Ex-Austrianer (1987 bis 1989) als neuer Mann auf der Trainerbank vom Aufsichtsrat abgesegnet worden. Der in der vergangenen Saison bei Zweitligist SKN St. Pölten engagierte Baumgartner erhielt einen Vertrag für zwei Jahre samt Option.

30 Trainer seit 1990

Er ist der 30. Trainer der Austria seit 1990. Angst vor der Aufgabe habe er nicht, versicherte der ehemalige Stürmer. "Ich kenne die Historie der Trainer bei der Austria. Ich will natürlich länger hier arbeiten, hier etwas erreichen." Mitziehen müssten jedoch alle. "Ich erwarte von mir selbst sehr viel. Das werde ich auch von den Spielern einfordern."

Diesbezüglich ließ er mit einer klaren Ansage aufhorchen. "Für mich ist es wichtig, dass ich schnell Zugang zu den Spielern bekomme, sie schnell erreiche. Trotzdem werde ich meine Linie durchziehen. Spieler, die wegwollen, werden wir nicht brauchen", sagte Baumgartner, ohne Namen zu nennen. Dass es angeführt von Philipp Hosiner den einen oder andere Akteur gibt, der den Sprung ins Ausland anstrebt, ist ein offenes Geheimnis.

Skeptische Veilchen

Nach einer schwachen Meisterschaft, die im Verpassen eines internationalen Startplatzes gipfelte, wartet auf Baumgartner eine fordernde Aufgabe. Eigentlich nur die dritte Wahl nach dem nunmehrigen Salzburg-Trainer Adi Hütter und dem vom 1. FC Köln nicht losgeeisten Manfred Schmid, wird sein Engagement von einigen Austrianern mit Skepsis beobachtet. Dass Baumgartner noch nie in der höchsten Spielklasse am Werk war, ist ein Kritikpunkt.

Diesbezüglich ging es für den als in der Kabine mitunter forsch geltenden Trainer in den vergangenen Saisonen rasant bergauf. Seine ersten Sporen verdiente sich Baumgartner in der Red-Bull-Akademie. 2012/13 arbeitete er noch in der Regionalliga West für den Red-Bull-Kooperationsklub Pasching, im September 2013 folgte der Wechsel zu St. Pölten. Bei beiden Stationen überzeugte der Cup-Spezialist. Aggressives Pressing soll künftig auch bei der Austria zu sehen sein.

Als Vorbild fiel der Name Dortmund, das System der Borussia diente laut Baumgartner auch Salzburg als Blaupause. Er wisse aber auch, dass Erfolg allein bei der Austria nicht genug sei. "Nebenbei muss man noch guten Fußball spielen." Am Mittwoch verabschiedete sich Baumgartner, der von St. Pölten Renato Gligoroski als Co-Trainer mitnimmt, aber einmal in den Urlaub. Zum Trainingsstart am 10. Juni sollen die Batterien aufgeladen sein.

Zwei neue Spieler

Bis dahin soll der Kader noch vergrößert werden. Flügelspieler Marco Meilinger, den Baumgartner noch aus seiner Zeit bei Salzburg kennt, steht bisher als einziger Neuzugang fest. Laut Sportvorstand Thomas Parits werden noch zwei Profis kommen, einer davon wird nach dem Abgang von Kaja Rogulj ein Innenverteidiger sein. Sollten weitere Abgänge folgen, wird nachjustiert.

Während Baumgartner nun in eine violette Zukunft blickt, ist die Zukunft seines Vorgängers weiter offen. Herbert Gager hat bis Montag Bedenkzeit, ob er das Austria-Angebot annimmt und wieder in den Nachwuchsbereich zurückkehrt. Pikanterweise ist er gerüchteweise auch bei St. Pölten im Gespräch. (APA, 28.5.2014)

  • Vorhang auf für Gerald Baumgartner bei der Wiener Austria.
    foto: apa/ schlager

    Vorhang auf für Gerald Baumgartner bei der Wiener Austria.

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