Wien feiert 100 Jahre Ankeruhr

28. Mai 2014, 11:57
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Zehn Meter hohe Besucherplattform macht am 26. Juni Detailaugenschein möglich - Kunstuhr wurde 1914 von Franz von Matsch entworfen

Wien- Hunderte Menschen versammelten sich am 22. August 1914 am Wiener Hohen Markt, um die neue Ankeruhr mit ihren rund zweieinhalb Meter großen Kupferfiguren zu bestaunen. Heute ist die musikalische Kunstuhr Anziehungspunkt vorrangig für Touristen. Um den 100. Geburtstag der Wiener Sehenswürdigkeit zu begehen, wird am 26. Juni eine zehn Meter hohe Besucherplattform errichtet.

Sie soll einen ganzen Tag lang nicht nur einen Detailblick auf die Figuren von Karl dem Großen über Walter von der Vogelweide bis Joseph Haydn ermöglichen, sondern Wienern und Touristen auch die Möglichkeit bieten, sich mit einem der Uhr-Protagonisten fotografieren zu lassen. Alle Aufnahmen stehen anschließend zum Download bereit.

Symbol für Vergänglichkeit

1869 siedelte sich die Anker Versicherung (heute: Helvetia Versicherung) im Galvagnihof am Hohen Markt an, der Wirtschaftsaufschwung Anfang des 20. Jahrhunderts ließ das Gebäude aber rasch zu klein werden. Man plante ein neues Verwaltungsgebäude, wollte aber auf die Einheit der unterschiedlichen Gebäudeteile nicht verzichten - so entstand die Brücke zwischen den beiden Häusern.

Mit einer Uhr wollte die Versicherung auf die Vergänglichkeit des Lebens hinweisen und die Wiener daran erinnern, rechtzeitig eine Versicherung abzuschließen - also wurde 1914 die Ankeruhr auf der rund zehn Meter breiten und siebeneinhalb Meter hohen Brücke in Auftrag gegeben. Für die Gestaltung des ungewöhnlichen Werbemittels konnte die Versicherung den damals populären Maler Franz von Matsch, einst mit Gustav Klimt in der Arbeitsgemeinschaft "Künstler-Compagnie" tätig, gewinnen. Das Uhrwerk steuerte k.u.k. Hof- und Kammeruhrmacher Franz Morawetz bei.

Bedeutendes Wiener Jugendstilwerk

Matsch ließ zwölf Persönlichkeiten der Wiener Geschichte von Marc Aurel bis Prinz Eugen jeweils die volle Stunde anzeigen. Begleitet werden sie von einem passenden Musikstück - zu Kaiser Maximilian I. wird etwa "Innsbruck, ich muss dich lassen" gespielt. Die Kupferfiguren tragen die aktuelle Stunde in römischen Ziffern auf dem Kopf, während über ihnen auf einer horizontalen Skala ein Zeiger die Minuten durchläuft.

Die Brückenuhr, die sich heute im Besitz der Helvetia-Versicherungs AG befindet, gilt als eines der bedeutendsten Wiener Jugendstilwerke. 2005 wurde sie komplett restauriert, jetzt ziehen Maria Theresia und Rudolf von Habsburg in neuem Glanz und denkmalgeschützt ihre Runden. (APA, 28.5.2014)

  • Die Ankeruhr schlägt seit 100 Jahren am Hohen Markt.
    foto: apa/helvetia

    Die Ankeruhr schlägt seit 100 Jahren am Hohen Markt.

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