Kleinstbetriebe greifen auf Erspartes zurück

28. Mai 2014, 12:47
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Mehr als die Hälfte der Unternehmen wollen heuer weniger investieren als im Vorjahr. Das Geld dafür kommt zunehmend wieder aus dem Cashflow

Wien - Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl sieht kein Henne-Ei-Problem, für ihn ist der Fall sonnenklar: 64 Prozent der im Jänner und Februar befragten 2103 Unternehmen wollen heuer weniger investieren und begnügen sich mit dem, was da ist, oder werden nur geringfügige Ausgaben tätigen. Ein Viertel will heuer immerhin mittlere Vorhaben angehen, aber nur zehn Prozent expandieren.

"Die Kuh, die Milch geben soll, muss man auch füttern", mahnt Leitl zum Abbau von Bürokratie und Schikanen, um Geld freizumachen für eine Steuerreform. Hemmnisse wie diese seien Gift für den Wirtschaftsstandort, Förderkürzungen wie bei der Breitbandoffensive sowieso. Ohne Investitionen kein Wachstum.

Auffällig an der von Austria Wirtschaftsservice und Kammer beauftragten Erhebung: Größere Investitionsvorhaben haben insbesondere mittlere Unternehmen vor (50 bis 249 Beschäftigte), von ihnen will ein Viertel die Investitionstätigkeit sogar verdoppeln. Bei Kleinunternehmen (zehn bis 49 Beschäftigte) sind es immerhin 13 Prozent, während es bei Einpersonenunternehmen 8,8 Prozent sind.

Einpersonenunternehmen wollen ausbauen

Allerdings: Betriebe, die im Vorjahr größere Ausbauvorhaben realisiert haben, werden fast ein Drittel weniger investieren. Dafür will fast die Hälfte der Einpersonenunternehmen ausbauen. Sie haben es bei der Finanzierung besonders schwer, weil den Banken vorhandene Sicherheiten nicht genügen. Daher liegt der Griff zum Eigenkapital nahe. Entsprechend verändert der Finanzierungsmix: Wurden 2009 noch 37 Prozent aus dem Cashflow finanziert, sind es 2014 bereits 40 Prozent.

Das eingebrachte Eigenkapital hat sich hingegen von 15,5 auf 18,2 verstärkt, während Bankkredite von 29 auf 26 Prozent zurückgingen. Einpersonenunternehmen müssten nicht selten auf Ersparnisse zurückgreifen, weil gebotene Sicherheiten für Kredite nicht ausreichend seien, gaben 72 Prozent jener Unternehmer an, bei denen der Kreditwunsch gekürzt oder abgelehnt wurde. Immerhin 40 Prozent gaben schlechte Beurteilung der Bonität durch Ranking oder Scoring der Bank an. Nur ein Fünftel der Ablehnungen wurde mit zu viel Risiko begründet. Und: je jünger eine Firma, desto weniger Bankkredit.  (ung, DER STANDARD, 23.5.2014)

  • An Kredite zu kommen ist nicht einfach.
    foto: ap/kappeler

    An Kredite zu kommen ist nicht einfach.

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