Die Lehrstunde im Wohnzimmer

28. Mai 2014, 10:48
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Dominic Thiem ist restlos begeistert. Er darf am Donnerstag bei den French Open gegen Rafael Nadal Tennis spielen. Er möchte in erster Linie lernen

Paris - Dominic Thiem wird die zweite Runde der French Open mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht überstehen. Das weiß der 20-jährige Niederösterreicher, ihm ist Größenwahn fremd. Die Hürde, die sich am Donnerstag in Paris vor ihm aufbaut, ist die höchste, die das Sandplatztennis zu bieten hat. Sie heißt Rafael Nadal, der 27-jährige Spanier hat die French Open achtmal gewonnen. "Es wird für mich sicher eine großartige Lehrstunde." Wobei Thiem davon ausgeht, länger als eine Stunde Widerstand zu leisten. "Ich hoffe, dass ich in der Zukunft mit dieser Art von Spielern mithalten kann. Ich glaube, für mich beginnt diese Zukunft in zwei, drei Jahren."

Da Nadal sein erstes Match auf dem Court Suzanne Lenglen bestritten hat, ist Thiem wohl die größte Sandplatzbühne der Welt, der Court Philippe Chatrier, vergönnt. "Ich werde einmal darauf trainieren, sonst gibt es keinen Unterschied."

Thiem, der zum Auftakt den Franzosen Paul Henri Mathieu 6:4, 7:6, 6:2 geschlagen hat, lehnt es ab, nervös zu sein. "Nadal ist der mit Abstand beste Sandplatzspieler aller Zeiten und auch sonst einer der besten Tennisspieler aller Zeiten. Er ist der Einzige, der Roger Federer in seiner besten Zeit Paroli hat bieten können, das wird einfach nur super." Nadal sei ein Kindheitsidol, dem er viele Stunden vor dem Fernseher zugeschaut habe. "Natürlich bin ich sehr glücklich, dass ich da jetzt gegen ihn in seinem Wohnzimmer spielen darf." Vor vier Jahren durfte Thiem in Wimbledon einmal mit dem Spanier trainieren. "Ich erinnere mich ganz genau, er hat es wahrscheinlich vergessen." Nadal hat sich über Thiem schlaugemacht. "Ich habe sehr, sehr gute Dinge über ihn gehört. Ich habe ihn nicht spielen gesehen, aber ich weiß, er ist ein sehr junger und sehr gefährlicher Gegner", sagte der Weltranglisten-Erste.

Am Dienstag setzte sich der Niederösterreicher Andreas Haider-Maurer gegen den Deutschen Daniel Brands mit 4:6, 4:6, 6:2, 6:3, 6:4 durch. Zur Belohnung darf er am Donnerstag gegen den 2,08 Meter großen Kroaten Ivo Karlovic fortsetzen. Schon am Mittwoch dürfte es für drei Vertreter aus Österreich ziemlich eng werden.

Sie sind in der zweiten Runde zwar nicht ganz so krasse Außenseiter wie Thiem, aber Favoriten sind doch die Anderen. Yvonne Meusburger trifft auf Samantha Stosur, Tamira Paszek auf die Slowakin Dominika Cibulkova. Und dann ist noch Jürgen Melzer beschäftigt. Sein Gegner ist der Franzose Jo-Wilfried Tsonga, die Nummer 13 und der Halbfinalist des Vorjahres. Der 33-jährige Melzer sagt: "Er ist Favorit, hat das Publikum hinter sich. Ich werde aber nicht nur auf dem Platz stehen und glücklich sein, dass ich überhaupt da bin." (red, APA, DER STANDARD, 28.5.2014)

  • Rafael Nadal, der Professor im Gegenstand Sandplatztennis, ließ in der ersten Runde Robby Ginepri nur drei Games. Und nun unterrichtet er den durchaus begabten Schüler Dominic Thiem.
    foto: ap/ michel spingler

    Rafael Nadal, der Professor im Gegenstand Sandplatztennis, ließ in der ersten Runde Robby Ginepri nur drei Games. Und nun unterrichtet er den durchaus begabten Schüler Dominic Thiem.

  • Dominic Thiem freut sich auf den famosen Professor.
    foto: apa/ epa/yoan valat

    Dominic Thiem freut sich auf den famosen Professor.

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