Die Jungs aus den Traueranzeigen Teil 3 - Das Herz der Finsternis

Glosse2. Juni 2014, 05:30
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Weil er auch in seinem 64. Lebensjahr topfit und gesund sein will und weil er für den bevorstehenden Wahlkampf jedes Atom Energie braucht, joggt Ivan Stambolić jeden Morgen. An diesem 25. August 2000 endet sein Morgenlauf in einem Fass aus Plastik, das mit Kalkmilch gefüllt ist. Der Studienfreund von Slobodan Milošević, sein Weggefährte in beider steilen Parteikarriere, sein Steigbügelhalter zur Macht und nun Miloševićs joggender Konkurrent bei den anstehenden Wahlen, verbringt die nächsten drei Jahre in diesem Fass. Als es schließlich von der Polizei ausgegraben wird, sind von Ivan Stambolić nur die Knochen und seine qualitativ hochwertigen Joggingschuhe übrig.

Ein Jahr zuvor, zum serbisch-orthodoxen Osterfest am 11. April, 1999, kehrt Slavko Ćuruvija, der Herausgeber des oppositionellen politischen Magazins "Evropljanin" ("Der Europäer") nach einem ausgedehnten Spaziergang mit seiner Frau nach Hause zurück. Der einstige Haus- und Duzfreund von Mirjana Marković, der Frau von Slobodan Milošević, und nun schärfster Kritiker des Machthaberklans und seiner Politik, wird am Haustor von mehreren Schüssen in Kopf und Körper getroffen. Seine Mörder entkommen im Gewusel der österlichen Spaziergänger. Spätere Untersuchungen der Staatsanwaltschaft ergeben, dass Ćuruvija und seine Frau von einem Team der Staatssicherheit beschattet werden, das fünf Minuten vor dem Mord abgezogen wird.

Warum und auf wessen Betreiben Stambolić und Ćuruvija ermordet werden, ist schon zur Tatzeit ein nicht einmal hinter vorgehaltener Hand tradiertes öffentliches Geheimnis und heute gerichtsnotorische Tatsache. Das Horrorduo Milošević & Marković benutzt den Apparat der Staatssicherheit und deren kriminelle Günstlinge, um mit jedem Gegner abzurechnen. Warum und auf wessen Betreiben jedoch der Direktor für öffentliche Sicherheit und stellvertretende Innenminister Radovan "Badža" Stojičić 1997 im Restaurant Mamma Mia öffentlich hingerichtet wird, bleibt bis heute Gegenstand von Thesen.

Stojičić ist einer der wichtigsten Schattenmänner hinter allen paramilitärischen Aktionen des Regimes und diesem zum Tatzeitpunkt treu ergeben. Genauso mysteriös und vom Nebel der Spekulation verborgen ist der Grund für die Ermordung des Generaldirektors des JAT (Jugoslovenski Aero Transport, Yugoslav Airlines) im April 2000 mitten in Belgrad. Diese Morde an bekannten Antagonisten, gestandenen Helfern des Milošević-Klans und an zahlreichen kleinen und großen Figuren der Unterwelt gehören zu den über 500 Morden, die alle zwischen 1991 und 2000 begangen werden und deren wenigste bis heute aufgeklärt sind.

Eine Überschlagsrechnung ergibt eine Frequenz von 55 Morden in jedem Jahr oder etwa einem Mord in jeder Woche dieser neun Jahre.

Die Familienaufstellung des Bösen

Was die Kamera kalt festhält, sind nur Bilder eines Begräbnisses: Sarg, Trauergemeinde, ernste Gesichter. Doch unter den Trauergästen sind ein Staatschef, seine Familie, seine wichtigsten Mitarbeiter und deren wichtigste Mitarbeiter. In der ersten Reihe des Trauerzuges stehen Slobodan Milošević, seine Frau Mirjana Marković, der Sohn Marko und die Tochter Marija. Dahinter stehen der Chef des Geheimdienstes, Jovica Stanišić, seine rechte Hand Franko "Frenki" Simatović und der Chef der Zollbehörde, Mihalj "Bracika" Kertes. In der dritten Reihe, zwischen den Günstlingen aus Wirtschaft und "Kultur“, neben einigen anderen prominenten Unterweltlern, lugt auch das jungenhafte Gesicht von Željko Ražnatović, "Arkan", hervor.

Nur der stellvertretende Innenminister Radovan "Badža" Stojičić, der auf jedem anderen "hochrangigen“ Begräbnis ebenfalls in der zweiten Reihe gleich hinter Milošević und seiner Familie stünde, ist auf den Fotos nicht zu sehen. Er ist die Leiche im Sarg.

Das Epizentrum der Familie ist das Ehepaar Milošević/Marković, dessen Ehe aus einer romantischen Liebe zweier Angehöriger des Partei- und Partisanenadels hervorgeht. Slobodan ist damals ein aufstrebender Parteikader, und Mirjana "Mira“ Marković ist Tochter aus einem prominenten Partisanenklan.

Ihren Kindern Marko und Marija schenken sie Handelsfirmen, Medienproduktionen  und andere lukrative Erwerbsquellen, sobald sie die Macht im Staat ergreifen. Sohn Marko soll sogar Teile der "Kontrabanda“, des Schmuggels von Gütern, die defizitär sind oder unter das Handelsembargo der UNO fallen, kontrollieren und Kontakt zur Unterwelt halten. Heute ist die Familie "Gast" bei Wladimir Putin, wo sie inzwischen erhobene Anklagen und ergangene Haftbefehle nicht erreichen.

Nur wenige Stunden nach der Beisetzung von "Badža" Stojičić findet sich beinahe die gesamte Trauergesellschaft auf einem rauschenden Fest wieder. Einer aus dem Klan feiert einen "geschäftlichen" Erfolg. Der Champagner fließt bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages. Ein Sittenbild, sagt man an dieser Stelle.

Die Paladine im Schatten

Wie ein herabrollender Schneeball sammelt Slobodan Milošević auf seinem Weg zur Macht Männer um sich, die er in geeigneten Momenten in Schlüsselstellungen, hauptsächlich im Geheimdienst und in der Wirtschaft, bringt. Oder derer er sich entledigt, wie im Falle des Ivan Stambolić. In einer Interviewserie des Senders B92 zeichnen die ehemaligen Geheimdienstoffiziere Dušan Stupar, Zoran Stijović und Zoran Mijatović und der bekannte Anwalt Srđa Popović die Geschichte des Geheimdienstes und seiner "Privatisierung“ durch den Milošević-Klan als zynische Erfolgsstory - die jedoch mit einem ernsthaften Geldproblem beginnt.

Schon Ende der 1970er-Jahre ist der Geldbedarf des Geheimdienstes und speziell jener Abteilung, die sich mit der politischen Emigration und dem Export und der Abschöpfung der Kriminellen befasst, zu hoch, um aus dem jugoslawischen Staatsbudget alleine gespeist zu werden. Zudem beginnt eine ernsthafte Wirtschaftskrise, die in Wahrheit eine Krise des ökonomischen Systems der Arbeiterselbstverwaltung ist.

Die Devisenvorräte Jugoslawiens schmelzen schnell und drastisch. So bekommt der Geheimdienst den Auftrag, Firmen zu gründen und zu führen, die im Ausland Devisen erwirtschaften sollen. Dieser Plan funktioniert gut und macht den Geheimdienst finanziell vom Rest des Staates unabhängig. Genau das erkennt der Technokrat Milošević als seine Chance: Die "natürlichen" Eigenschaften eines Geheimdienstes, gekoppelt mit der Möglichkeit der „Eigenfinanzierung", ergeben die perfekte Machtbasis für einen Diktator in spe.

Jovan "Jovica" Stanišić, der Puppenspieler

Milošević setzt 1991 den ergebenen und fotoscheuen Jovica Stanišić an die Spitze des Geheimdienstes. Stanišić, zu diesem Zeitpunkt erst 41 Jahre alt, ist zwar Politikwissenschafter, verbringt aber seine gesamte Laufbahn nach dem Studium im Geheimdienst, wo er für den KGB zuständig ist. Sein Gesicht bleibt der serbischen und der Weltöffentlichkeit bis zum Sommer 1995 unbekannt.

Stanišić tritt an diesem heißen Abend aus dem Schatten der serbischen Nacht direkt vor die Kameras der Weltpresse in der bosnisch-serbischen "Hauptstadt" Pale.  Im Auftrag seines Herrn „überredet“ er die Serbenführung in Bosnien, die entführten und als Schutzschilder missbrauchten UNO-Soldaten freizulassen. Später sitzt Stanišić sogar im Verhandlungsteam, das den Daytoner Frieden ausverhandelt.

Trio Infernal

So wie Milošević getreue Paladine braucht, damit seine Machtbasis stabil ist, so brauchen auch seine Paladine ihre eigenen "Unterlinge", um dem Diktator diese Basis zu geben. Die "Unterlinge" des Jovica Stanišić sind Mihalj "Bracika" Kertes und Franko Simatović "Frenki". Kertes ist ein Freund aus Kindertagen und der Zeit der gemeinsamen Karriere bei der Staatssicherheit. Simatović ist ein Freund beider aus Studientagen und ebenfalls hauptberuflicher "Geheimer". Die besondere Note an "Frenki" ist, dass er ethnischer Kroate ist, Sohn eines hohen Offiziers der Volksarmee aus Dubrovnik. Die drei Freunde dienen Milošević lange, gut und reibungslos. Die Aufgabenteilung entspricht perfekt dem jeweiligen Charakter der drei Männer.

Der Anzug- und Krawattenträger Kertes wird Chef des Zollamtes, dessen Organe und Möglichkeiten er verwendet, um in großem Stil Waren und Gelder zum Geheimdienst und damit zu Milošević umzuleiten. Das erklärt auch den Fund der 600 kg Heroin in einem Banksafe des Geheimdienstes. Heroin ist ein spurloses Zahlungsmittel, besonders beliebt beim klassischen Dreiecksgeschäft "Drogen gegen Waffen gegen Geld". Kertes hat aber auch Geldwäsche auf Zypern im Programm, wofür er 2010 rechtskräftig zu acht Jahren Haft verurteilt wird. "Frenki" Simatović ist trotz seiner übergroßen Brille der Offizier im Feld. In Tarnuniform ohne Abzeichen ist er an jedem Brennpunkt des Krieges unterwegs, um Operationen "zu unterstützen“, die später Gegenstand von Anklagen vor dem Haager Tribunal werden.

Und Jovica Stanišić, der listige und öffentlichkeitsscheue Chef von "Bracika" und "Frenki", ist vielstrapazierten Metaphern folgend der unsichtbare Dritte, der Mann im Schatten. Doch die am besten zutreffende Umschreibung ist vielleicht diese: Jovica Stanišić ist gleichzeitig der Strippenzieher vieler Puppen und doch selbst nur eine Marionette an der Strippe des obersten Puppenspielers, Slobodan Milošević. Was Stanišić jedoch von den meisten Paladinen unterscheidet, ist, dass er 1998 seinem Herrn im Zenit der Macht widerspricht, weil er Diplomatie und List statt Waffengewalt im Umgang mit der Weltpolitik bevorzugt. Prompt fällt Stanišić in Ungnade und wird durch eine andere willfährige, jedoch dumme Puppe ersetzt.

Der Abgang von Stanišić markiert den Anfang vom Ende der Diktatur von Slobodan Milošević.

Juristisches Intermezzo in meinem Text

Aus rechtlichen Gründen muss ich an dieser Stelle eine kleine Einlassung schreiben:

Jovica Stanišić und Franko Simatović werden vom Haager Tribunal wegen der Kriegsverbrechen paramilitärischer Verbände unter der Kontrolle des Geheimdienstes angeklagt. Beide werden von diesen Vorwürfen freigesprochen. Das Gericht hält in der Begründung des Urteils jedoch fest, dass die Tätigkeit von Stanišić und Simatović nur Hilfeleistung genereller Natur sei und nicht auf Genozid abziele. Ein Einspruch der Haager Ankläger gegen dieses Urteil ist im Gange.

Doch ehemalige Geheimdienstoffiziere, Anwälte, Politiker und ehemalige Offiziere des militärischen Abwehrdienstes in Serbien behaupten in Büchern, Publikationen, Interviews für Printmedien, TV-Dokus, Nachrichtensendungen im Fernsehen und im Radio ganz offen, dass Stanišić und Simatović die Verantwortung für Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien und für zahlreiche Morde in Serbien tragen. Aber weder Stanišić noch Simatović reichen jemals eine einzige Medien- oder Privatklage ein.

Deswegen muss das Bild, dass ich hier beschreibe, ein wenig trüb bleiben. Bis Richter oder Historiker (oder Journalisten) es schärfen, gilt die Unschuldsvermutung für Jovica Stanišić und Franko Simatović. Alle der Unschuldsvermutung widersprechenden Behauptungen in diesem Text sind keine Tatsachenbehauptungen, sondern nur eine Wiedergabe der Ansicht und Rede, die sachverständige Dritte in serbischen Medien, also öffentlich, äußern. Und Punkt.

Der Legionär und das Killerkommando

Anders als Stanišić und Simatović ist Milorad "Legija“ Ulemek ein rechtskräftig verurteilter Täter und gar nicht schweigsam. Er schreibt sogar zwei schwülstige Bücher über die Romantik und Härte des Lebens als Fremdenlegionär, die auf dem serbischen Büchermarkt sehr erfolgreich sind.

Obwohl Ulemek nur ein ordinärer Verbrecher ist, umgibt ihn eine Aura des widersprüchlichen und geheimnisvollen Söldners der Légion étrangère, seit er am Beginn des Balkankrieges in Serbien auftaucht. Zudem ist er ein durchaus attraktiver Mann, von jener kantigen Sorte, die GI Joe auszeichnet. Die Quellen zu seiner Biografie stimmen selbst bezüglich seines Geburtsjahrs nicht überein, die Gerichtsakten nennen 1965, einige Publikationen 1968.  Auch sein Rang, seine Einsätze und die Dauer seines Dienstes bei der Legion unterscheiden sich je nach Autor. Dass sein Ausbildner der spätere kroatische Superstar General Ante Gotovina sein soll, ist durchaus möglich.

Als sicher gilt jedenfalls nur, das Milorad Ulemek am Anfang der 80er-Jahre einer der brutalen, muskulösen Jungs ist, die rund um Aleksandar "Kristijan" Golubović versammelt sind und die später den Klan von Novi Beograd bilden. Golubović und Ulemek werden durch gemeinsames Züchten von Muskelbergen, Gewalttätigkeiten, kleinen Räubereien und Einbrüchen Freunde fürs Leben. Doch als die daraus resultierenden Probleme mit dem Gesetz zunehmen, entscheidet sich Ulemek für die Fremdenlegion, wohin er erst nach einem Umweg über London gelangt. 1991 oder 1992, als der Krieg um die Leiche Jugoslawiens tobt, desertiert "Legija“ aus der Legion und kehrt nach Serbien zurück.

Sein neuer bester Freund und Arbeitgeber ist Željko "Arkan" Ražnatović, der den erfahrenen Legionär in die Kommandostruktur seiner "Tiger" einbaut. Doch es gibt ein Problem: Zu dieser Zeit ist Arkan bereits der gekrönte König der serbischen Unterwelt – und trachtet Ulemeks Jugendfreund Golubović nach dem Leben. „Legija“ vermittelt den Frieden, Golubović verbringt anschließend sogar kurze Zeit bei den "Tigern“, entscheidet sich aber doch für die Fortführung seiner zivilen „Geschäfte“.

Ulemeks Karriere ist kurz und steil. Vom angeheuerten Ausbilder bei den „Tigern“ Arkans wird er schnell zum Kommandanten der JSO (Jedinica za specijalne operacije), der Einheit für Spezialoperationen beim Innenministerium. Diese Einheit ist aber nur ein Sammelbecken erprobter Kriegsverbrecher und gewissenloser Killer, die aus zuvor aufgestellten paramilitärischen Verbänden wie den „Knindže" aus der Krajna (in Kroatien) und den "Tigern" des Arkan hervorgeht. Und buchstäblich jeder Angehörige der Einheit hat in Blut getränkte Hände. Der letzte Einsatz der JSO ist das Massakrieren und Vertreiben von albanischen Zivilisten im Kosovokrieg.

Die JSO-Einheit und Ulemek überstehen die Absetzung ihrer Hebammen Stanišić und Simatović und sogar den Sturz ihres Vaters Miloševic unbeschadet. Der Grund ist die Patt-Situation zwischen Premier Zoran Đinđić und Präsident Vojislav Koštunica, einst Partner in der Opposition und nun politische Gegner. Während Koštunica die Armee im Rücken hat, muss Đinđić eine taktische Allianz mit der gefürchteten Einheit, ihren Kommandeuren und dem Rattenschwanz ihrer Verbrecher und Verbrechen eingehen. So gelangen die "Jedinica" und Ulemek ironischerweise erst nach dem Fall des Diktators, am Beginn des demokratischen Umbruchs, auf den Höhepunkt ihrer Macht.

Als Đinđić aber beschließt, mit dem organisierten Verbrechen aufzuräumen, gerät der wichtigste „Partner“ der JSO, der mächtige Gangster-Klan aus Zemun, in Gefahr, zerschlagen zu werden. Die Nächsten, so räsoniert Ulemek folgerichtig, könnten er und die Einheit sein, weil der „zivile“ und der „militärische“ Zweig des Verbrechens realiter ineinander verwoben sind wie zwei Schlangen im Liebesrausch. Also lässt Legija einen seiner Leute den Abzug aus dem großkalibrigen Scharfschützengewehr abdrücken, dessen panzerbrechende Kugeln die Brust von Dr. Zoran Đinđić zerfetzen.

Danach handelt der Staat endlich und reagiert mit operettenhafter Notwehr. Der Ausnahmezustand wird verhängt, und in der Polizeiaktion „Sablja“ (Säbel), die zwischen dem 12. März und dem 22. April 2003 stattfindet, wird so ziemlich jeder in Serbien, der als Eierdieb oder Gangsterklan-Chef gilt, verhaftet, die JSO wird aufgelöst, und auch die vermutlichen Vollstrecker des Attentats auf den Staatschef werden verhaftet. Ulemek desertiert erneut, stellt sich aber nach langer Flucht dem Gericht.

Milorad Ulemek „Legija“ ist trotz der Verehrung vieler Serben und trotz der schmalzigen Selbstdarstellung in seinen Büchern kein serbischer "Beau Geste". Wenn es seiner Legendenbildung nützt, schweigt er verschmitzt, wo sie bekräftigt werden soll, verfüllt er sie mit nicht nachprüfbaren soldatischen Abenteuern und abenteuerlicher erotischer Galanterie, deren pikanteste Ulemek zum Tröster der Witwe seines Vorbilds Arkan, der Turbo-Folk-Sängerin Svetlana „Ceca" Ražnatović, macht.

Wer Bilder von Ulemek betrachtet, stellt schnell fest, dass Legija sein Äußeres je nach Laune und gerade eingebildetem Image relativ grell und stümperhaft ändert. Meine Lieblingsfotos sind jene mit abenteuerlich gefärbten Haaren und einer Brille, die ihn wie eine Karikatur der Karikatur eines urbanen Intellektuellen aussehen lassen. In Wahrheit ist Ulemek aber nur ein brutaler Kriegshund, dessen Arbeit aus Mord, Vertreibung, Plünderung, Vergewaltigung und Auftragsbeseitigungen besteht und nicht aus galantem Soldatengarn in romantischen Kriegen.

Milorad „Legija“ Ulemek wird 2005 wegen der Morde am serbischen Premier Zoran Đinđić und dem Politiker Ivan Stambolić und anderer Verbrechen zu 40 Jahren Haft verurteilt. Stanišić und Simatović leben inzwischen als „Pensionisten“ in Beograd, schreiben keine Bücher, sondern bereiten sich schweigend auf ihre Berufungsverhandlung in Den Haag vor. (Bogumil Balkansky, 2.6.2014, daStandard.at)

Lesen Sie in Teil 4:

Die Klans

Wie im Schatten von Diktatur und Krieg die Gangster-Klans von Belgrad, Zemun und Surčin entstehen, wie Gangster zu ihren Spitznamen kommen und warum sie für die Polizei wichtig sind.

Die „gewöhnlichen“ Verbrecher

Wie im Schatten der Klans Einzeltäter und kleine Banden Serbien mit Morden, Entführungen und Räubereien überziehen.

Die Parteiarmeen der anderen

Wie im Umfeld des Nationalisten Vuk Drašković und des Turbo-Nationalisten Vojislav Šešelj verbrecherische Kleinarmeen enstehen und unrühmlich untergehen.

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