Conchitas Nachwehen

Kommentar30. Mai 2014, 15:16
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Was ist nun Conchita Wurst: Ein schwuler Mann*, eine Frau* mit Bart oder gar etwas dazwischen? Sprechen wir endlich über Transphobie

Conchita Wursts Sieg beim Eurovision Songcontest hat in Österreich einige Diskussionen losgetreten. Zum Beispiel wurde hierzulande über Homophobie gesprochen; es wurde abgetastet, wie tolerant Österreich nun wirklich ist. Bei manchen Diskussionssendungen zur EU-Wahl räkelte sich Conchita sogar zu einem der entscheidenden politischen Punkte hervor.

Was aber in der Diskussion über die Frau* mit Bart vergessen und komplett ausgelassen wurde, ist das Thema Transphobie.

Als Transgender-Personen werden Menschen bezeichnet, deren Gender nicht mit dem bei der Geburt zugeschriebenen übereinstimmt. Transsexualität und Gender wird nicht an vorhandenen oder nicht vorhandenen Geschlechtsteilen festgestellt. Transgender-Personen sind gleich mehreren Formen der Diskriminierung ausgesetzt: Abgesehen von Feindlichkeit gegenüber Transgender-Personen – also Transphobie – gibt es auch noch viele strukturelle und institutionelle Hürden für Trans-Personen.

Misgendering – das bewusste oder unbewusste verwenden des falschen Genders und der falschen Pronomen für eine Trans*-Person – ist eine verbreitete und gängige Technik der Unterdrückung. So wird von Conchita beispielsweise als „er“ gesprochen, weil die Kunstfigur Conchita Wurst nicht vom Künstler Tom Neuwirth getrennt werden kann. Oder Conchita wird gleich als „es“ bezeichnet. Somit wird ihr auch gleich alle Menschlichkeit abgesprochen.

Hinter den Vorbehalten gegenüber Conchita Wurst steckt also nicht nur Homo- sondern auch Transphobie: Die Angst vor Menschen, deren Gender nicht mit den eigenen Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität konform geht. In der Frau* mit Bart ist die ultimative Verkörperung dessen.

Um endlich eines zu klären: Conchita Wurst, die Figur, ist eine Frau* mit Bart. Tom Neuwirth ist ein schwuler Mann*. Und das herauszufinden ist ganz einfach: Fragen. Conchita Wurst und Tom Neuwirth fragen, anstatt mit eigenen Vorbehalten und Vorurteilen auf die Defintion eines Menschenlebens loszustürmen. Doch genau diese Fragen zu stellen wurden nach dem Eurovision Songcontest verabsäumt.

Diese Möglichkeit möchte der daStandard-Schwerpunkt nun ergreifen und sich sowohl Transgender Personen als auch allen anderen Transidentitäten widmen. (Olja Alvir, daStandard.at, 30.5.2014)

*Das Sternchen hinter Bezeichnungen wie Mann* und Frau* wird hier nicht als Hinweis auf eine Fußnote gelesen, sondern als sprachliche Manifestation von Transidentitäten.

Links:

Verein TransX

transgender.at

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