Die Leichtigkeit des Sehens 

27. Mai 2014, 17:13
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Naturabstraktionen: Peter Krawagnas Farben- und Formenwelt in der Brotkunsthalle von Galerist Hilger

Wien – Liegestühle, Berg-, Seen- und Meerlandschaften, Weingärten, Schneeflecken, Bewegliches wie Vögel, Paraglider, Sessellifte: Sie sind titelgebend für Peter Krawagnas schnörkellose Malerei, erkennbar sind sie nicht. Oder nicht unbedingt. „Naturabstraktionen“ nannte der ehemalige Museumsdirektor Arnulf Rohsmann Krawagnas Malerei. Gegenstände, Realitäten, Sichtbarkeiten demaskiert er bis auf das Wesentlichste – bis auf die Essenz des Sehens an sich.

Sehreise nennt sich denn auch Krawagnas Ausstellung in Ernst Hilgers Brotkunsthalle. Wichtiger als das Was ist sowieso das Wie: wie die Farben und Formen im Bildraum platziert und komponiert werden. Die Grundierung als Teil der Malerei. Die Zartheit, Leichtigkeit, und, ja, die unverwechselbare, wie bleich geschienene Farbigkeit: so wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Den Ölgemälden, Aquarellen, Kreidezeichnungen des 77-jährigen Kärntner Künstlers und Weltreisenden wohnt eine hinreißende Jugendfrische inne und gleichzeitig von jeher eine altersweise Nachdenklichkeit. Nie zuvor malte Krawagna übrigens so riesige Formate wie in den letzten Jahren.

Er schätzt venezianische Malerei, Koloristen wie van Gogh, Kokoschka oder seinen Kärntner Landsmann Herbert Boeckl. Aber er hat in der Sprache der Malerei sein eigenes Vokabular entwickelt, oder wie es Peter Weiermair einmal formuliert hat: „Die Dinge verwandeln sich unter seinen Augen in Zeichen, die eine eigene Sprache sprechen, die die Ambivalenz von figurativ und abstrakt nicht mehr benötigen, ja, sie aufgeben.“

Weiermair hat anlässlich der Wiener Ausstellung sowie der im Sommer geplanten Personale im Museum Moderner Kunst Kärnten die erste umfassende Monografie zu Krawagnas Bildwelt herausgegeben, unter anderem mit einem Essay seines Sohnes, des Kulturtheoretikers Christian Kravagna. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 28./29. 5.2014)


Bis 15. 6. Brotkunsthalle Absbergg. 27/III, 1010 Wien 

  • Es geht um die Essenz des Sehens: „Schneeflecken“ (Öl auf Leinwand, 130 x 166 cm) aus dem Jahr 2012.
    foto: ferdinand neumüller

    Es geht um die Essenz des Sehens: „Schneeflecken“ (Öl auf Leinwand, 130 x 166 cm) aus dem Jahr 2012.

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