Planen mit der permanenten Krise

28. Mai 2014, 09:45
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Sicherheitskosten von bis zu einer Milliarde Euro - höchst umstrittener Militäreinsatz

Rio de Janeiro / Wien - Immerhin: Brasilien ist nicht der Irak oder Afghanistan. Diese beiden Staaten nannte Sportminister Aldo Rebelo, auf die Sicherheitslage beim WM-Gastgeber angesprochen. "Ich denke, dass Brasilien viel weniger von dieser Art religiöser und nationalistischer Gewalt betroffen ist", sagte der 58-Jährige von der kommunistischen Partei Brasiliens. "Wir alle haben unsere Tragödien und Herausforderungen, ernste Probleme mit der Sicherheit", sagte Rebelo - immerhin.

Lösen sollen die Probleme während des Turniers vom 12. Juni bis zum 13. Juli rund 150.000 Polizisten und etwa 20.000 private Sicherheitskräfte. Dazu kommen Armeeeinheiten, deren Einsatz in Erinnerung an die Militärdiktatur aber nicht unumstritten ist.

Schon vor Wochen wurden zusätzlich 30.000 Soldaten zur Sicherung an die fast 17.000 Kilometer langen Grenzen zu den zehn Nachbarstaaten entsandt. Die Operation hat zum Ziel, Drogen- und Waffenhandel, aber auch illegale Einwanderungen zu stoppen. Das Verteidigungsministerium bildete eine Spezialeinheit von 10.000 Mann für die Kontrolle der zu erwartenden Massenproteste und hält zudem mehr als 20.000 Mann in Alarmbereitschaft.

Deutsche Panzer angeschafft

Mehr als 230 Millionen Euro wurden investiert, um die Truppe auf die WM und die 2016 folgenden Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro vorzubereiten. Bis zum Abpfiff des Events soll das Militär gut ein Drittel des für Sicherheit veranschlagten Budgets verschlungen haben. Zahlen werden nicht genannt, aber es soll insgesamt rund eine Milliarde betragen. Immerhin inkludiert ist da die Anschaffung von 34 gebrauchten deutschen Gepard-Panzern.

Kernstück des Sicherheitskonzepts ist das nationale Sicherheitszentrum in Brasília mit seinen Zweigstellen in sämtlichen Spielorten. In der Hauptstadt ist ein Krisenstab eingerichtet, der permanent tagt und alle Einsatzkräfte koordinieren soll. Allein diese Einrichtungen schlugen mit rund 300 Millionen zu Buche.

Justizminister José Eduardo Cardozo geht angesichts der Maßnahmen davon aus, "dass die Proteste während der WM kleiner ausfallen werden" als im vergangenen Juni anlässlich des Conederations Cup. "Aber wir sind für jede Situation vorbereitet." (red, DER STANDARD, 28.5.2014)

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