Gezielte Werbung: Wie Weiden ihre Bestäuber manipulieren

8. Juni 2014, 17:17
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Die getrenntgeschlechtigen Pflanzen bringen Bienen dazu, erst männliche und dann weibliche Blüten anzufliegen

Bayreuth - Weiden gehören zu den wenigen blühenden Pflanzen, die entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten haben. Dies ist zwar ein genetischer Vorteil - aber nur dann, wenn die für die Bestäubung unentbehrlichen Bienen bei ihrer Nahrungssuche möglichst zuerst die männlichen Blüten anfliegen, bevor sie sich den weiblichen Blüten zuwenden. Ein Forschungsteam an der Universität Bayreuth berichtet nun im Fachblatt "PLOS ONE", wodurch diese Reihenfolge gewährleistet ist: Es sind zwar primär Duftstoffe, die Bienen aus der Ferne anlocken. Sobald sie sich aber einer Weidengruppe genähert haben, werden sie durch optische Anreize gezielt zu den leuchtend gelben männlichen Blüten hingelenkt.

foto: jens wagner
Honigbiene an einem männlichen Blütenkätzchen der Sal-Weide.

Vorteilhafte Diözie

Einige Weidenarten beginnen schon Anfang März zu blühen. In dieser frühen Jahreszeit ist der Nektar ihrer Blüten eine wichtige Nahrungsquelle für Honig- und Wildbienen, die ihrerseits für die Bestäubung der Blüten unentbehrlich sind. Charakteristisch für die rund 450 Arten zählende Gattung der Weiden sind ihre sogenannten Kätzchen, die aus einer Vielzahl kleiner und eng benachbarter Einzelblüten bestehen. Jeder Baum oder Strauch, mit Ausnahme der Trauerweide, hat entweder nur männliche Blüten oder nur weibliche Blüten. Daher sind Weiden – biologisch gesprochen – zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch).

Nur bei sechs Prozent aller blühenden Pflanzenarten sind männliche und weibliche Individuen in dieser Weise strikt getrennt. Eine solche Trennung birgt einen erheblichen genetischen Vorteil: Weibliche Blüten können nur mit Pollen bestäubt werden, die von anderen Weidenbäumen oder -sträuchern stammen. Inzucht, also die Befruchtung durch eigenen Blütenstaub, ist ausgeschlossen. Allerdings ist die Fortpflanzung der Weiden nur dann gewährleistet, wenn Bienen möglichst zuerst die männlichen Kätzchen anfliegen. Während sie hier den Blütennektar aufsaugen, setzen sich die Pollen an ihrer Außenhaut fest. Wenn sie anschließend die weiblichen Blüten besuchen, werden diese mit den Pollen bestäubt.

foto: stefan dötterl
Wildbiene an einem weiblichen Weidenkätzchen.

Olfaktorische und optische Reize

Wie aber bringen die Pflanzen Bienen dazu, diese für die Fortpflanzung entscheidende Reihenfolge einzuhalten? Ein Forscherteam um Gregor Aas, Direktor des Ökologisch-Botanischen Gartens der Universität Bayreuth, konnte diese  Frage nun klären. So ergabenUntersuchungen der Sal-Weide (einer früh blühenden Weidenart), dass Bienen aus der Ferne primär von Durftstoffen angelockt werden. Diese Duftstoffe werden von männlichen und weiblichen Weidenblüten mit etwa gleicher Intensität freigesetzt. Sobald sich die Bienen aber einer Weidengruppe nähern, werden sie durch optische Anreize gezielt zu den männlichen Blüten hingelenkt: Diese haben aufgrund ihrer leuchtend gelben Farbe eine viel höhere Anziehungskraft als die eher unscheinbaren weiblichen Blüten und werden daher bevorzugt angeflogen. Erst nach der ersten Ausbeute landen Bienen dann auch auf den weiblichen Blüten.

"Unsere Untersuchungen bestätigen die biologische Theorie, dass die männlichen Individuen einer Pflanzen- oder Tierart mehr als die weiblichen Individuen in ihre Attraktivität investieren müssen", so Aas. Durch diese intelligente Werbung an die Zielgruppe der Bienen werde gewährleistet, dass die Trennung zwischen weiblichen und männlichen Individuen der Fortpflanzung von Weiden nicht schadet, sondern vielmehr einen genetischen Vorteil verschafft. (red, derStandard.at, 8.6.2014)

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