Österreich sendet weitere 118 Soldaten nach Bosnien

27. Mai 2014, 12:47
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"Intermediate Reserve" wird nach Hochwassereinsatz planmäßig ins Multinationale Bataillon integriert - Tirol hilft mit 150.000 Euro

Wien/Sarajevo - Weitere 118 österreichische Soldaten werden voraussichtlich bis 20. Juni in Bosnien-Herzegowina der Bevölkerung nach der Hochwasser-Katastrophe helfen. Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) hat die Infanteriekompanie am Dienstag in Straß verabschiedet.

In Bosnien werden die Soldaten als "Intermediate Reserve" (IR)-Kompanie bereitstehen. Unter IR-Kompanie versteht man professionelle Reservekräfte für die österreichischen Missionen am Balkan, die innerhalb kürzester Zeit an Ort und Stelle eingesetzt werden können. Nach ihrem Hilfseinsatz lösen sie planmäßig ungarische Soldaten ab und werden in das Multinationale Bataillon integriert.

Österreich stellt stärkstes Kontingent

Die IR-Kompanie ist im Camp Butmir in Sarajevo stationiert. Ihr Einsatzgebiet ist ganz Bosnien und Herzegowina. Die Aufgaben reichen von der Camp-Sicherung über Ordnungseinsätze und das Kontakthalten mit der Bevölkerung bis zur Erstellung von Lagebildern und zum Schutz von Transporten, Objekten und Personen. Das Kontingent besteht aus 117 Männern und einer Frau. Die Steiermark stellt mit 71 Soldaten den stärksten Anteil, gefolgt vom Burgenland mit 20 und Niederösterreich mit zwölf Soldaten. Die Soldatin und die Soldaten stammen vom Jägerbataillon 17 aus Straß, vom Jägerbataillon 19 aus Güssing und vom Pionierbataillon 3 aus Melk. Durch ihre Entsendung wird Österreich mit rund 320 Soldatinnen und Soldaten das stärkste Kontingent der EU-Mission EUFOR/ALTHEA stellen.

Klug dankte den Bundesheer-Piloten für ihre Hilfsflüge in der vergangenen Woche. Innerhalb weniger Tage seien in mehr als 300 Flügen weit über 900 Menschen gerettet und über zehn Tonnen Lebensmittel und andere wichtige Güter für die Bevölkerung transportiert worden. Ein Hilfskontingent der ABC-Abwehrschule und der ABC-Abwehrtruppe erkundet zudem seit Mittwoch die Lage in Bosnien-Herzegowina.

Friedensnobelpreisträger

Die Europäische Union hilft den bosnischen Behörden bei der Schadensbewertung nach der Hochwasser-Katastrophe unter anderem mit der Entsendung des Ökonomen Ricardo Zapata Marti. Er, der mit anderen Mitgliedern des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, soll die Auswirkungen der Überschwemmungen in dem Westbalkanland analysieren.

Martis Bericht soll bis zum 18. Juni vorliegen und den bosnischen Behörden wie auch der internationalen Staatengemeinschaft bei ihren mittel- und langfristigen Wiederaufbaubemühungen behilflich sein, teilte die EU-Vertretung am Dienstag in Sarajevo mit. Die Europäische Union sei ein Partner Bosniens und bemüht zu helfen, die Hochwasserfolgen zu bewältigen, sagte der EU-Delegationschef in Sarajevo, Peter Sörensen.

150.000 Euro aus Tirol

Finanziell aushelfen wird Tirol. Die Landesregierung hat eine Soforthilfe für die Hochwasserregionen in Südosteuropa beschlossen. Dies teilte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Dienstag nach der Regierungssitzung mit. 150.000 Euro werde Tirol für die von der Flut betroffenen Gebiete in Bosnien-Herzegowina und Serbien zur Verfügung stellen.

"Vor knapp einem Jahr hatten wir im Tiroler Unterland eine Hochwasserkatastrophe. Damals haben wir sehr viel Solidarität erfahren", sagte Platter. Nun sei es an der Zeit, diese Solidarität weiter zu geben. Die Situation in den betroffenen Gebieten am Balkan sei immer noch sehr problematisch.

Mit dem Geld sollen laut dem Landeshauptmann dringend benötigte Hilfsgüter wie Medikamente, Lebensmittel und Hygieneartikel angekauft werden. Um die Versorgung der Betroffenen sicherzustellen, sei das Rote Kreuz mit der Abwicklung der Soforthilfe betraut worden. (APA, 27.5.2014)

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