Wien: Psychisch Kranke müssen mehr Daten preisgeben

27. Mai 2014, 13:43
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"Wichtige Punkte" der Krankheit werden in neuem Formular festgehalten - Psychotherapeuten warnen vor neuen Hürden und Nötigung der Patienten

Der Wiener Landesverband für Psychotherapie warnt vor der Nötigung seiner Patienten und der Preisgabe sensibler Daten. Die Wiener Gebietskrankenkasse verlangt ab 1. Juli ein neues Formular für den Kostenzuschuss für Psychotherapie. Darin müssen die Patienten laut Verband umfangreiche Informationen etwa zu Krankenstandstagen, Spitalsaufenthalten, aber auch zu sexuellem Missbrauch in der Kindheit machen.

"Wir sehen darin eine Unvereinbarkeit mit unseren Berufsstandards als Psychotherapeuten und eine Nötigung unserer Patienten", erklärte Leonore Lerch, Vorsitzende des Wiener Verbands für Psychotherapie, in einer Aussendung am Montag.

"Daten sind sicher"

Der Verband fürchtet, dass die Daten der Patienten nicht anonymisiert werden und damit nicht sicher sind. Die Wiener Gebietskrankenkasse weist diesen Vorwurf zurück, die Datenschutzkommission habe das Formular überprüft und zugelassen. "Die Daten sind genauso sicher wie zuvor", hieß es in einer Stellungnahme gegenüber derStandard.at

Das Formular sei auch keine zusätzliche Hürde. "Im Gegenteil: Das neue Formular verschafft Klarheit und erspart unnötige Kontrollen durch persönliche Vorsprachen." Es würden Informationen abgefragt, um sich einen klaren Überblick über die psychische Situation und den Krankheitswert der Patienten zu verschaffen. Die Gebietskrankenkasse habe zudem den Vertretern der Psychotherapeuten mehrmals erklärt, dass nicht die gesamte Vorgeschichte der Patienten aufgerollt werden müsse, sondern nur die "wesentlichen Punkte". (lai, derStandard.at, 27.5.2014)

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