Online-Zensur gegen chinesischen Professor nach Tiananmen-Kommentar

27. Mai 2014, 10:32
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Vorgehen gegen Kritiker vor 25. Jahrestag verschärft

Wegen eines Kommentars zur blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz vor 25 Jahren ist das Nutzerkonto eines chinesischen Professors im Twitter-ähnlichen Internetdienst Sina Weibo gesperrt worden. Auf der Seite von Kong Qingdong im chinesischen Kurznachrichtendienst war am Dienstag nur die Fehlermeldung zu lesen, dass es sich um einen "verdächtigen" Account handle.

Vorwürfe gegen Armee

Nach Angaben der Anti-Zensur-Website FreeWeibo hatte Kong den Sicherheitskräften vorgeworfen, die Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz "blutig niedergeschossen" zu haben. Die chinesische Armee war in der Nacht zum 4. Juni 1989 mit Panzern gegen Studenten vorgegangen, die seit Wochen auf dem Platz des Himmlischen Friedens für mehr Demokratie demonstrierten. Dabei waren hunderte, womöglich tausende Menschen getötet worden. Peking begründete das Vorgehen mit der Notwendigkeit, das "Chaos" zu beenden.

Streit mit anderem Nutzer

Kong hatte sich am Freitag einen Schlagabtausch mit einem anderen Internetnutzer geliefert, der behauptete, als Soldat auf dem Platz im Einsatz gewesen zu sein. Seiner Darstellung zufolge hatte Peking keine andere Wahl, als Truppen zu schicken, um das Chaos zu beenden. Der Professor, der als Student auf dem Tiananmen-Platz demonstriert hatte, bezeichnete das als "Unsinn". "Es gab überhaupt keine Unruhen", schrieb er. "Können Sie einen Studenten benennen, der die Unruhen ausgelöst hat?"

2,75 Millionen Follower

Kong, der an der Pekinger Elite-Universität lehrt und sich damit rühmt, ein Nachkomme des berühmten chinesischen Philosophen Konfuzius zu sein, ist in China für seine drastischen Internetkommentare bekannt. Die Einwohner von Hongkong verunglimpfte er einst als "Bastarde" und "Hunde". Im Netzwerk Sina Weibo hat er 2,75 Millionen Follower. Vor dem Tiananmen-Jahrestag waren in China in den vergangenen Wochen bereits mehrere Menschenrechtsanwälte, Journalisten und Aktivisten festgenommen worden. (APA, 27.05.2014)

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