Geschmacklose Kommentare zu Amoklauf: Rap Genius-Gründer geht

27. Mai 2014, 10:08
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Rücktritt angeblich erst auf internen Druck - hatte Anmerkungen zu "Manifest" des Täters verfasst

Geschmacklose Kommentare zum Amoklauf in Santa Barbara haben Mahbod Moghadam seinen Job bei der Plattform Rap Genius gekostet. Die von ihm mitgegründete Seite spezialisiert sich auf erklärende Interpretationen von Hip-Hop-Texten als auch Songs anderer Musikgenres.

"Meine Vermutung: Seine Schwester ist unglaublich heiß"

Moghadam, Teil des Gründerteams, hatte sich das rund 140 Seiten lange "Manifest" des Täters Elliot Rodger vorgenommen, der sechs Menschen und danach sich erschossen hatte. Mehrere Stellen hatte er dabei mit sexistischen und pietätlosen Anmerkungen unterlegt.

"Gegen Ende erklärt er uns, dass er nicht gut mit seiner Schwester Georgia auskommt und sehr wütend wird, wenn er sie dabei hört, wie sie Sex mit ihrem Freund hat", fasst er eine Stelle des Textes zusammen. "Meine Vermutung: Seine Schwester ist unglaublich heiß." Weitere Auszüge aus den mittlerweile entfernten Kommentaren finden sich bei Valleywag.

Entschuldigung und Abtritt

Es dauerte nicht lange, bis Seitens der Rap Genius-Community Beschwerden laut wurden. Moghadam übermittelte schließlich eine kurze Entschuldigung. "Ich war fasziniert von dem Fakt, dass ein Text mit so einem traurigen Verbrechen zusammenhängt, vor allem da Elliot über die Nachbarschaft redet, in der ich aufgewachsen bin", so der Gründer. "Ich ließ mich dazu hinreißen, diese Anmerkungen zu machen (…) und es tut mir sehr leid, sie geschrieben zu haben."

Kurz darauf meldete Rap Genius-Firmenchef Tom Lehman, dass Moghadam sich aus dem Vorstand des Unternehmens zurückgezogen und gekündigt habe. Laut Recode dürfte der Abgang nicht ganz freiwillig, sondern erst auf Druck von CEO, anderen Mitarbeitern und den Investoren zustande gekommen sein.

Reflexionsbedarf

Auf Twitter beteuerte Moghadam, dass er über die Kritik an ihm nun reflektieren und an sich arbeiten müsse. Es soll sich nicht um die erste Kontroverse handeln, die sich um die Gründer von Rap Genius dreht.

Infolge des Amoklaufs ist auf Twitter eine breite Diskussion zu Sexismus und Gewalt entbrannt, die unter dem Hashtag #YesAllWomen nachverfolgt werden kann. (red, derStandard.at, 27.05.2014)

  • Moghadam ist infolge geschmackloser Anmerkungen zur 140-Seiten-Schrift des kalifornischen Amokläufers nun seinen Job los.
    foto: rap genius

    Moghadam ist infolge geschmackloser Anmerkungen zur 140-Seiten-Schrift des kalifornischen Amokläufers nun seinen Job los.

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