Warum die Vorarlberger Bauern Neos wählen

Blog27. Mai 2014, 09:08
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Die ÖVP-Vorarlberg sollte den Dorfgranden auf die Finger klopfen

Bregenz – Aus dem Ergebnis der EU-Wahl auf die Landtagswahl in Vorarlberg zu spekulieren, ist verlockend, aber wenig realistisch. Bis September hat die ÖVP noch lange Zeit, sich von der Wählerwatschn zu erholen. Markus Wallner, seit Ende 2011 Landeshauptmann, hat sie für Bundesparteichef Michael Spindelegger eingesteckt. Was der Landes-ÖVP aber zu denken geben sollte: Sie hat ausgerechnet in ihren Hochburgen, den Kleinst- und Kleingemeinden empfindlich verloren. 20 Prozent und mehr hat die ÖVP in einigen Bregenzerwälder Gemeinden eingebüßt. Das kann die Vorarlberger Volkspartei wohl kaum Spindelegger in die Schuhe schieben. Da wäre es gescheiter, einen Blick in die Gemeindestuben zu werfen, den Dorfgranden auf die Finger zu klopfen.

In der Bregenzerwälder Gemeinde Bezau, gegen deren ÖVP-Bürgermeister ein Gerichtsverfahren wegen fragwürdiger Grundstückstransaktionen läuft, stürzte die ÖVP von 66 auf 44 Prozent. Die Neos holten sich dort 20 Prozent und wurden zweitstärkste Partei.

Renitenter Bauernstammtisch

Erstaunlich ist, dass die Neos, eigentlich liberal-urban unterwegs, am meisten in den Kleingemeinden ziehen. Ein Grüppchen ÖVP-überdrüssiger Bergbauern macht kräftig Stimmung für die Pinken. Das Phänomen überrascht selbst in der Parteizentrale. Wirklich erklären können sich die Vorarlberger Neos ihr Standing bei den Bauern nicht. Dabei ist es ganz einfach. Sie haben im Landesteam einen umtriebigen Bergbauern, um ihn organisierte sich im Großwalsertal ein renitenter Bauernstammtisch. Die jungen Bauern fordern ein, was in anderen Berufen ganz normal ist: geregelte Arbeitszeiten, freie Sonntage, Urlaub. Faire Preise für gute Produkte.

Mobilisieren, was das Zeug hält

Die ÖVP wird in Hinblick auf die Landtagswahl wieder das tun müssen, wofür sie bekannt und nicht immer beliebt ist. Sie wird alles und alle in Bewegung setzen. Mobilisieren, was das Zeug hält. Landeshauptmann Wallner nutzt den Denkzettel der EU-Wahl als pädagogisches Mittel. So schaut’s aus, wenn ihr euch nicht um die Wählerinnen und Wähler bemüht, lautete die Botschaft.

Am meisten Rückenwind nehmen die Grünen aus der EU-Wahl mit. Sie überholten in 14 Gemeinden die ÖVP, nahmen Dornbirn, die größte Stadt und gleich den ganzen Bezirk Feldkirch. Landesweit schafften sie 23 Prozent, kamen auf Platz zwei hinter der ÖVP. Ihre Klientel ging im Gegensatz zur schwarzen zur Wahl, außerdem wechselten die früheren Martin-Wähler großteils zu den Grünen. Ein Stimmenpotenzial, das bei der Landtagswahl wegfällt.

Über 20 Prozent für Grünen bei der Landtagswahl sind unrealistisch. Den Oppositionskuchen werden sich die Grünen mit den Neos und der FPÖ teilen müssen. Die wird alles daran setzten, ihre 25 Prozent aus der Landtagswahl 2009 zu halten. Für die SPÖ werden vom Kuchen die Krümel übrigbleiben. In Vorarlberg ist die Sozialdemokratie auf eine Kleinpartei geschrumpft und wird sich schwertun, wieder auf drei Mandate zu kommen. (Jutta Berger, derStandard.at, 27.5.2014)

  • Die Neos bereiten der Vorarlberger ÖVP Sorgen.
    foto: apa/pfarrhofer

    Die Neos bereiten der Vorarlberger ÖVP Sorgen.

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