Unwetter führten in Ober- und Niederösterreich zu Überflutungen

28. Mai 2014, 16:41
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Straßensperren in Bezirken Rohrbach und Vöcklabruck - Künftig verstärkte Zusammenarbeit mit Bayern

Rohrbach/Vöcklabruck/Amstetten - Die Zahl der Unwettereinsätze in Niederösterreich ist am Mittwochnachmittag auf etwa 52 gestiegen, teilte Feuerwehrsprecher Alexander Nittner der APA mit. In Ybbsitz (Bezirk Amstetten) wurde die Bundesstraße B22 gesperrt, da ein Teil des Radwegs durch die hochwasserführende kleine Ybbs auf rund 25 Metern Länge weggespült worden sei.

Verletzt wurde laut dem Sprecher niemand. Durch das Wegrutschen des Radwegs wurde allerdings eine EVN-Gasleitung freigelegt. "Wir beobachten laufend, ob es zu Schäden gekommen ist. Die Leitung wurde gesichert und wir versuchen die Versorgung für unsere Kunden aufrecht zu erhalten", so EVN-Sprecher Stefan Zach auf Anfrage.

Keller auspumpen in Amstetten

Im Bezirk Amstetten waren am Nachmittag laut Nittner zwölf Feuerwehren zu 17 Unwettereinsätzen ausgerückt. Es galt vor allem, Keller auszupumpen sowie Straßen von Ästen und Baumteilen zu befreien. Insgesamt standen nach dem Starkregen im westlichen Niederösterreich in den Bezirken Melk, Amstetten, Scheibbs und Waidhofen a.d. Ybbs 290 Mann im Einsatz.

Unwetter haben am Montagabend in Teilen Ober- und Niederösterreichs zu Überflutungen und Vermurungen geführt und in der Folge für einzelne Straßensperren gesorgt. Betroffen waren laut Landespolizeidirektion Oberösterreich das obere Mühlviertel (Bezirk Rohrbach) sowie das Salzkammergut im Bereich des Mondsees (Bezirk Vöcklabruck). Zahlreiche Keller wurden überflutet, die Mondsee Bundesstraße B154 musste gesperrt werden.

Im Mühlviertel wurden die Gemeinden Kollerschlag, Peilstein und Julbach von einem starken Hagelunwetter mit teilweise extremen Regenmengen heimgesucht. Zahlreiche Keller wurden überschwemmt, einige Straßen waren wegen Vermurungen und Überflutungen unpassierbar. Die Feuerwehren der betroffenen Gemeinden standen im Dauereinsatz. Personen dürften nicht verletzt worden sein. Die Ulrichsberger Landesstraße musste im Bereich von Niederkraml (Gemeinde Julbach) gesperrt werden.

Mondsee Straße gesperrt

Im Bezirk Vöcklabruck war vor allem die B154 betroffen. Die Mondsee Straße wurde zwischen den Ortschaften Scharfling und Plomberg auf einer Länge von rund 100 Metern überschwemmt, da ein kleiner Erdrutsch - ausgelöst durch kurzzeitigen Starkregen - eine Drainageanlage verstopft hatte. Die Straße musste komplett gesperrt. Die Feuerwehr St. Lorenz sowie die Straßenmeisterei Mondsee rückten aus, um den Drainagegraben zu säubern. Am frühen Abend konnte die Straßensperre wieder aufgehoben werden.

70 Einsätze in Niederösterreich

Feuerwehren in Niederösterreich absolvierten bis Dienstagabend etwa 70 Unwetter-Einsätze. 400 Mann seien in den Bezirken Mödling, Baden, Wiener Neustadt, Korneuburg, Neunkirchen und Krems ausgerückt, teilte Alexander Nittner vom Landeskommando in Tulln mit.

Keller mussten ausgepumpt und kleinere Vermurungen beseitigt werden, außerdem waren Straßen von Ästen und Baumteilen freizumachen. Es habe zudem kleinere Überflutungen gegeben.

Überschwemmungen auch in Deutschland

Auch in Teilen Deutschland kam es im Laufe des Dienstags zu Überschwemmungen. Starker Regen hat Keller geflutet, den Verkehr behindert und die Feuerwehr auf Trab gehalten. Am Münchner Flughafen fielen Dutzende Flüge aus, auch Franken und Ostbayern wurden erwischt.

In Hessen füllte heftiger Regen am Montagabend viele Keller, ebenso in Oberbayern oder Niedersachsen. In Sachsen verursachte starker Regen dann am Dienstagnachmittag Überschwemmungen, vor allem die Gegend rund um Meißen war betroffen. In den kommenden Tagen soll es in weiten Teilen Deutschlands weiter regnen.

Zusammenarbeit mit Bayern

Unabhängig von den aktuellen Überflutungen unterzeichnete die oberösterreichische Landesregierung am Dienstag eine Erklärung zur verstärkten Zusammenarbeit mit Bayern. Unter anderem will man gemeinsam ausloten, wo es potenzielle Retentionsflächen gibt, hieß es auf einer Tagung in Linz mit LH Josef Pühringer (ÖVP), Landesrat Rudi Anschober (Grüne) und dem bayrischen Staatsminister Marcel Huber (CSU).

Neben der weiteren Intensivierung der gegenseitigen Information soll auch eine gemeinsame Studie erstellt werden. Sie beschäftigt sich mit der Frage, welche Retentionspotenziale es an den für das Einzugsgebiet der oberösterreichischen Donau maßgeblichen Flüssen gibt. Besonders wichtig sei die Kooperation auch im Bereich der Prognosen, so Anschober.

Bayern plant daher eine Reihe von Maßnahmen. Ähnlich wie in Oberösterreich sollen Siedlungsgebiete mit fixen oder mobilen Schutzbauten vor Überflutung bewahrt werden, ansonsten arbeitet man aber eher flächenwirksam, um die Scheitel zu brechen. U.a. setzen die Bayern auf gesteuerte Flutbolder. Das sind niedrig gelegene Flächen hinter Dämmen. Im Notfall werde quasi der Stöpsel gezogen und der Bereich wie eine Badewanne geflutet, erklärte Huber. Derzeit hat er zwölf Bolder im Fokus.

"Der Klimawandel ist kein hypothetisches Postulat von Wissenschaftern, der ist schon da", betonte der bayrische Staatsminister. Im Freistaat werden Dämme und Deiche in bebauten Gebieten daher bereits von vorneherein größer - "auf HQ100 plus 15 Prozent Klimazuschlag" - dimensioniert, berichtete er.

In Bayern hat das Hochwasser 1,3 Milliarden Euro Schaden angerichtet, in Oberösterreich waren es - dank der zuletzt errichteten Schutzbauten "nur" - 230 Millionen. Bisher wurden 3.391 Anträge für den Katastrophenfonds anerkannt, berichtete Pühringer. 65 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln sollen vergeben werden, 35,7 Millionen wurden bereits ausbezahlt, der Rest folgt noch. (APA, 27.5.2014)

  • Eine überflutete Straße nach starken Regenfällen im Bezirk Rohrbach
    foto: apa/foto-kerschi.at/märzinger

    Eine überflutete Straße nach starken Regenfällen im Bezirk Rohrbach

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