Österreich mag Deutschland

27. Mai 2014, 13:19
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Umfrage: 19 Prozent der AlpenrepublikanerInnen drücken dem DFB-Team in Brasilien die Daumen, auf einen höheren Wert kommt keine andere Mannschaft

Wien - 25 Prozent der ÖsterreicherInnen glauben, dass Deutschland bei der Fußball-WM in Brasilien den Titel gewinnt. Immerhin 19 Prozent drücken dem DFB-Team sogar explizit die Daumen - mehr als jeder anderen teilnehmenden Mannschaft.

Diesen - durchaus überraschenden - Sachverhalt ermittelte die großangelegte Umfrage "Football in the European Public Opinion Survey", koordiniert vom europäischen Fußballforschungsprojekt "Football Research in an Enlarged Europe" (FREE). Zwölf Prozent der befragten ÖsterreicherInnen halten demnach zu Brasilien, zehn Prozent zu Spanien.

Grafik zur Vergrößerung anklicken! Zur Erklärung: Die "Big Five" umfassen Italien, Deutschland, Spanien und Frankreich.

Unter den acht befragten Ländern gibt damit allein Österreich den Deutschen die besten Chancen, alle anderen sehen die gastgebenden Brasilianer vorne. "Dies betrifft sogar diejenigen Länder, deren Nationalmannschaft an der WM teilnimmt. Diese wünschen aber trotzdem ihrer eigenen Nationalmannschaft den Sieg", sagt Alexandra Schwell vom Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien

"Während Österreich zu Deutschland hält, würden sich Dänemark (10 Prozent) und Polen (16 Prozent) mit teils sehr knappem Vorsprung vor Deutschland und Brasilien über einen Sieg der spanischen Nationalmannschaft freuen und die Türkei über einen Sieg Brasiliens (20 Prozent)", so Schwell weiter.

Spanien optimistisch, Briten realistisch

Am optimistischsten sehen die Spanier der WM entgegen: Sie glauben zu 58 Prozent an einen sicheren oder wahrscheinlichen Sieg ihrer titelverteidigenden Selección. Italiener (47 Prozent) und Deutsche (45 Prozent) rechnen sich auch in höherem Umfang gute Chancen aus.

In Frankreich und Großbritannien sieht es ganz anders aus. Dort sind die Erwartungen ans eigene Team eher gedämpft. In Frankreich glauben nur 22 Prozent der Bevölkerung daran, dass es die "Blauen" ins Halbfinale schaffen. Auf der Insel sehen 13 Prozent der Bevölkerung das englische Team im Halbfinale, ganze elf Prozent glauben an den Titel.

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48 Prozent der Befragten in Österreich wollen die WM verfolgen. Dieser Wert liegt zwar deutlich unter jenem von Deutschland (82 Prozent) oder Spanien (67 Prozent), aber immer noch vor der Türkei (41 Prozent) und Polen (38 Prozent). Von den Nichtqualifizierten sind die Dänen mit Abstand die WM-Besessensten. 68 Prozent haben vor, die Titelkämpfe medial zu erleben.

In Italien gibt die Bevölkerung insgesamt vergleichsweise geringes Interesse an der WM an, ist aber dafür umso optimistischer: 46 Prozent glauben an einen Finalsieg der Azzurri - ein Vertrauen, das von den starken Ergebnissen der Italiener bei der letzten Euro (2012) und dem Confederations Cup 2013 getragen wird.

Österreichische Gelassenheit bei Niederlagen

Die Reaktionen auf Sieg oder Niederlage des eigenen Teams sind sehr unterschiedlich. Mit 87 Prozent der Bürger, die auf Erfolge ihrer Nationalmannschaft stolz sind, und 56, die über eine Niederlage niedergeschlagen oder verärgert sind, führt die Türkei eine Gruppe von drei Ländern mit Dänemark und Spanien an, in denen die Menschen emotional stark auf Sieg oder Niederlage reagieren.

Spanien und Frankreich bilden eine Mittelgruppe, in der über 60 Prozent auf Erfolge stolz sind und 43 bis 44 Prozent bei Niederlagen niedergeschlagen oder verärgert sind. Die Verbundenheit mit der Nationalmannschaft bleibt auf hohem Niveau und ist relativ ausgeglichen in guten und schlechten Momenten.

Eine dritte Gruppe zeigt eine moderatere oder gelassenere Beziehung zur Nationalmannschaft. In Italien, Österreich, Deutschland und Polen bezeichnen sich nur 53 bis 57 Prozent der Bevölkerung als "stolz" nach Erfolgen. Besonders beeindruckend ist der Umgang mit Niederlagen in Deutschland und Österreich, wo nur zwölf Prozent niedergeschlagen bzw. verärgert sind.  (red - derStandard.at, 27.5. 2014)

FREE – "Football Research in an Enlarged Europe" ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, in dem WissenschafterInnen aus acht europäischen Ländern sowie unterschiedlichen kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen zusammenarbeiten. Eine der zentralen Fragen des Forschungsprojekts ist, inwieweit Fußball einen Beitrag zur Entwicklung einer spezifisch europäischen Identität leisten kann.

Methodologie:

Die Umfrage wurde per Telefon im Dezember 2013 unter 7245 Europäern über 15 Jahren in repräsentativen Gruppen von Haushalten durchgeführt. Die Repräsentativität der Stichprobe ist gewährleistet durch die Anwendung des Quotenverfahrens auf Geschlecht und Altersgruppe.

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