Neuer Ansatz könnte Kollateralschäden bei Krebstherapie verringern

26. Mai 2014, 16:40
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IMBA-Forscher klärten die endgültige Zusammensetzung der RNA Ligase

Wien - Das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der ÖAW in Wien hat mit seiner Forschung neue Perspektiven eröffnet, wie verschiedene Arten von Brustkrebs und Leukämie mit einer neuen Strategie therapiert werden könnten. Dabei wurde die Funktion eines Enzyms sowie deren Rolle in der Krebsbekämpfung erforscht.

Die Wissenschafter fanden den letzten Baustein, der die RNA Ligase im Menschen zu einem vollständig funktionierenden Enzym macht. Ligasen sind Enzyme, die dabei helfen zwei Moleküle miteinander zu verbinden. Die RNA Ligase sorgt zum Beispiel dafür, dass kopierte Stücke der DNA etwa zu einer funktionsfähigen tRNA (Transfer-RNA) zusammengeklebt werden, die wiederum den Bauplan für die Herstellung von Proteinen liefert.

Stressabwehr

RNA Ligasen haben aber auch noch andere Funktionen, die bisher beim Menschen nicht eingehend erforscht werden konnten, weil die Zusammensetzung dieses wichtigen Enzyms unklar war. "Man weiß aus Studien an Hefen bereits, dass diese Ligasen an der Abwehr der Zelle gegen Stressfaktoren beteiligt sind", erklärt IMBA-Gruppenleiter Javier Martinez. Diese Funktionen sind auch in Säugetierzellen sehr wahrscheinlich und könnten ein wichtiger neuer Ansatz für Krebstherapien sein. Vor allem für die Behandlung verschiedener Arten von Brustkrebs und Leukämien, wo man bereits einen sehr engen Zusammenhang zwischen der Funktion des Enzyms und dem Ausbruch der Krankheit vermutet.

"Wenn wir einen Teil der Funktionen der Ligase gezielt blockieren, können wir viel spezifischer bei einer Krebstherapie vorgehen, als dies bisher möglich ist", so Martinez. "Die Wirkung des Enzyms ist nämlich viel weiter unten in der Signalkaskade der Zelle angesiedelt als herkömmliche Angriffspunkte für Medikamente." Man könne sich als Vergleich einen Baum vorstellen, bei dem ein Blatt von einer Krankheit befallen ist. Natürlich kann man einen dicken Ast abschneiden, um das kranke Blatt loszuwerden. Wenn man aber nur einen dünnen Zweig abschneiden muss, ist der Schaden am gesamten Baum deutlich geringer.

Der neue Ansatz sei vielversprechend, nun wollen die Forscher die Funktionen der Ligasen bei Mäusen in vivo testen. (APA/red, derStandard.at, 26.5.2014)

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