Nur 45,5 Prozent gaben ihre Stimme ab

25. Mai 2014, 21:18
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Nichtwähler erneut stärkste Fraktion unter den 6,4 Millionen Wahlberechtigten

Endgültig Geschichte sind die Zeiten, in denen die Österreicher bei der EU-Wahl musterhaft an die Urnen strebten: Am Wahlsonntag machten nur 45,5 Prozent der 6,4 Millionen Berechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch (ohne Auszählung der Wahlkarten). Damit sind die Nichtwähler quasi erneut die stärkste Fraktion hierzulande - und zwar noch vor der erstplatzierten ÖVP.

Zum Vergleich: Bei der ersten EU-Wahl 1996 hierzulande, also kurz nach Österreichs Beitritt zur Union, lag die Wahlbeteiligung noch bei mehr als zwei Dritteln - exakt bei 67,73 Prozent. Doch danach sackte das heimische Interesse an diesem Urnengang und damit an der Zusammensetzung des EU-Parlaments stark ab. Denn seitdem gingen stets weniger als die Hälfte der Stimmberechtigten zur Wahl. Konkret waren es 1999 nur mehr 49,40 Prozent, danach erreichte man 2004 mit 42,43 Prozent gar den vorläufigen Tiefstand - und 2009 stieg die Wahlbeteiligung trotz neuer Briefwahl auch nur geringfügig auf 45,97 Prozent an.

Europaweiter Trend

Schwacher Trost: Mit dem hohen EU-Desinteresse seiner Bürger an der Union steht Österreich nicht alleine da, denn: Seit der ersten Direktwahl zum Europäischen Parlament im Jahr 1979 ging die Wahlbeteiligung europaweit kontinuierlich zurück. Lag diese vor 35 Jahren in der damals bloß neun Staaten zählenden EU im Schnitt bei 62 Prozent, gaben 2009 nur mehr 43 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

Erste Trends in den 27 anderen EU-Staaten ließen auch für diesen Urnengang Schlimmes befürchten: In den Niederlanden, wo schon am Donnerstag gewählt wurde, soll gemäß Umfragen die Wahlbeteiligung auf 37 Prozent gesunken sein, in der Slowakei könnte laut ersten Hochrechnungen gar ein Absturz auf 13 Prozent drohen. Das kleine Malta brachte es laut der dortigen Wahlkommission - und damit offiziell - immerhin auf eine Beteiligung von 74,8 Prozent - doch auch das entspricht dem historisch niedrigsten Wert auf der Insel.

Hierzulande ergeben erste Analysen, dass die Wählerschaft in Bewegung war: Der ÖVP ist es offenbar gelungen, mit ihrem Kandidaten Othmar Karas Wähler zu erreichen, die für die Partei selbst nicht so leicht ansprechbar wären - sie hat aber nicht alle Wähler von 2009 und offenbar auch nicht alle von der Nationalratswahl 2013 halten können. Die SPÖ hatte Schwierigkeiten, ihre Kernwähler vom Quereinsteiger Eugen Freund zu überzeugen. Die FPÖ mobilisierte so gut wie 2013. (DER STANDARD, 26.5.2014)

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