Eine Vielzahl von Verzahnungen und ein unbeirrbarer Favorit

Analyse25. Mai 2014, 18:17
8 Postings
foto: fas/der standard

Die Strukturen der beiden Madrider Teams verweisen auf die durchgängig nervös hin und her wogende Tendenz der Begegnung. Die Gegenüberstellung der Passnetzwerke von Real und Atlético enthüllt eine Vielzahl an subtilen Verzahnungen zwischen zwei Mannschaften, die einander kennen wie die sprichwörtliche eigene Westentasche. Gerade aus dieser brüderlich rivalisierenden Nähe entwickelte sich jedoch kein Gleichgewicht des starren Schreckens, sondern eine nadelstichhaft-vibrierende Atmosphäre des ständigen Aufeinander-Reagierens. Die Räume zwischen den beiden Teams schienen sich zuweilen bis zur Unspielbarkeit zu verengen, nur um sich wenige Augenblicke später zu überfallsartigen Freiräumen auseinanderzufalten. Wie zwei einander unversöhnlich gegenüberstehende Straßengangs feilschten die Reihen um jeden Quadratmeter. Vor allem die Außenseiter aus dem Süden der Stadt (Atlético) zogen über eine Stunde lang ein System der hartnäckigen Kettenbildung, gespickt mit Einzel- und Rudelattacken, auf.

Real hingegen war aufgrund dieser massiven multiplen Belagerung deutlich mehr als etwa im glorreichen Semifinale gegen die Bayern auf Sergio Ramos als spielmachenden Innenverteidiger und Luca Modric als omnipräsente, listige Drehscheibe angewiesen. Am einfallsreichsten bezüglich spieldienlicher Selbsthilfestrategien erwies sich der schlussendlich auch entscheidende Di Maria, der auf seinem Flügel mit nie versiegender Wucht gegen die Umklammerung anrannte. Das lange Zeit beinahe lückenlose Atlético-Bollwerk zerschellte schließlich an der systemimmanenten Überintensität, während das Real-Triebwerk erneut seine autoregenerativen Qualitäten unter Beweis stellte. Die Unnachgiebigkeit des Außenseiters fand in der Unbeirrbarkeit des Favoriten seinen Meister. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD, 26.5.2014)

DIE MEISTEN PÄSSE / PASSVERSUCHE

1. Ramos-Di Maria 18

1. Modric-Carvajal 18

3. Di Maria-Ronaldo 16

4. Carvajal-Varane 14

4. Marcelo-Di Maria 14

4. Di Maria-Ramos 14

7. Coentrao-Di Maria 13

7. Ramos-Marcelo 13

9. Carvajal-Bale 11

9. Varane-Ramos 11

9. Ramos-Coentrao 11

9. Carvajal-Modric 11

13. Di Maria-Benzema 10

14. Ronaldo-Coentrao 9

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Ramos 149 (87/62)

2. Di Maria 138 (67/71)

3. Carvajal 124 (70/54)

4. Modric 122 (65/57)

5. Cristiano Ronaldo 103 (39/64)

6. Varane 87 (54/33)

7. Coentrao 74 (37/37)

8. Bale 73 (25/48)

9. Marcelo 60 (32/28)

10. Khedira 58 (28/30)

*gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Isco 96,0 (24 von 25)

2. Modric 95,4 (62 von 65)

3. Carvajal 88,6 (62 von 70)

4. Ramos 88,5 (77 von 87)

5. Bale 88,0 (22 von 25)

6. Varane 85,2 (46 von 54)

7. Casillas 85,0 (17 von 20)

8. Coentrao 83,8 (31 von 37)

9. Marcelo 81,3 (26 von 32)

10. Benzema 81,0 (17 von 21)

DIE MEISTEN PÄSSE / PASSVERSUCHE

1. Koke-Adrian 13

1. Gabi-David Villa 13

3. Courtois-Raul Garcia 10

4. Raul Garcia-David Villa 9

4. Filipe Luis-Koke 9

4. Adrian-Koke 9

4. Filipe Luis-Adrian 9

4. Gabi-Tiago 9

4. Juanfran-Gabi 9

10. Koke-Filipe Luis 8

10. Tiago-Koke 8

10. Courtois-David Villa 8

10. Gabi-Raul Garcia 8

10. Gabi-Koke 8

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Gabi 101 (56/45)

2. Koke 94 (48/46)

3. Adrian 85 (29/56)

4. David Villa 81 (20/61)

5. Tiago 71 (40/31)

6. Raul Garcia 66 (24/42)

7. Filipe Luis 65 (39/26)

8. Juanfran 44 (30/14)

9. Miranda 26 (18/ 8)

10. Godin 24 (16/ 8)

*gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Filipe Luis 89,3 (35 von 39)

2. Adrian 79,3 (23 von 29)

3. Koke 79,2 (38 von 48)

4. Tiago 75,0 (30 von 40)

5. Gabi 75,0 (42 von 56)

6. Juanfran 70,0 (21 von 30)

7. Godin 68,8 (11 von 16)

8. Miranda 61,1 (11 von 18)

9. David Villa 60,0 (12 von 20)

10. Raul Garcia 58,3 (14 von 24)

DIE ANALYTIKER: FAS.research mit Sitz in Wien und New York war bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie bei den Europameisterschaften 2008 und 2012 für den Standard im Einsatz. Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Wolfgang Streibl, Harald Katzmair, Agnes Chorherr und Tobias Dietrich

Share if you care.