Karas schafft Platz eins und sichert Spindelegger ab

25. Mai 2014, 17:36
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Hundstorfer: Nicht zum Alltag übergehen - Mitterlehner erwartet keine Obmann-Debatte

Wien - Othmar Karas hat es geschafft. Der ÖVP-Spitzenkandidat, der im Wahlkampf weitgehend auf ÖVP-Logos verzichtete, erreichte bei der EU-Wahl am Sonntag Platz eins - und sicherte damit wohl auch ÖVP-Chef Michael Spindelegger ab.

Laut dem inoffiziellen vorläufigen Ergebnis kommt die ÖVP auf 27,3 Prozent und fünf Mandate (-2,7 Prozentpunkte), die SPÖ auf 24,2 (+0,5), die Freiheitlichen erreichen 20,5 (+7,8), die Grünen 13,9 (+4) und die NEOS 7,6. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Anteile von ÖVP, Grünen und NEOS noch wachsen, wenn am Montag die Briefwahlstimmen ausgezählt sind, die im Laufe des Wahltages in den Hochrechnungen bereits mitgeschätzt worden waren.

Kleine scheitern

Keine Mandate gibt es für die Kleinparteien. Die Liste EU-STOP konnte mit deutlich über zwei Prozent aber immerhin einen Achtungserfolg landen. Die Listen Europa Anders, die REKOS, die mit Spitzenkandidat Ewald Stadler antraten, und das BZÖ scheiterten deutlich. Hans Peter Martin, der 2009 noch 17,7 Prozent erreichte, trat diesmal nicht zur Wahl an.

Karas sprach von einem "Wahlerfolg für uns und Europa". Er verwies auch darauf, dass drei Viertel der Österreicher einer pro-europäischen Bewegung ihre Stimme gegeben hätten. Das Halten von Platz eins dürfte jedenfalls auch ÖVP-Parteichef Michael Spindelegger absichern, der im Falle einer deutlichen Niederlage wohl in Frage gestellt worden wäre.

Keine ÖVP-Obmanndebatte

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner meinte demgemäß, dass angesichts der"klaren Erfolge" keine Obmanndebatte entstehen werde. Auch Umweltminister Andrä Rupprechters ortet keine Zweifel an Spindelegger: "Da brauchen wir gar nicht weiter diskutieren".

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos zeigte sich ernüchtert, meinte aber auch, man sei immerhin stärker geworden. Sozialminister Rudolf Hundstorfer ließ durchklingen, dass er sich mehr erwartet hätte: "Platz 2 ist Platz 2", sagte er vor Journalisten. Man dürfe jetzt nicht zum Alltag übergehen.

"Supererfolg" für Grüne

Naturgemäß zufrieden zeigten sich Grün und Blau: Die grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek sprach von einem "Supererfolg" ihrer Partei. Die Wähler hätten ihr "das schönste Geburtstagsgeschenk aller Zeiten" gemacht, sagte sie in Hinblick auf ihren Geburtstag am Montag.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sprach von einem "großartigen Erfolg". "Seit zehn Jahren gewinnen wir eine Wahl nach der anderen und heute liegen wir nachhaltig bei über 20 Prozent", erklärte der FPÖ-Obmann. Das Ergebnis lasse sich auch von Kritikern nicht "kleinreden", war Strache überzeugt.

NEOS-Spitzenkandidatin Angelika Mlinar zeigte sich enttäuscht. "Wir haben uns ein sehr ambitioniertes Wahlziel gesetzt und nicht ganz erreicht", sagte sie bei der Wahlparty ihrer Gruppierung am Sonntag. "Insofern ist da auch eine gewisse Bitternis dabei." (APA, red, derStandard.at 25.5.2014)

  • ÖVP-Spitzenkandidat Karas bei der Stimmabgabe am Sonntag.
    foto: apa/georg hochmuth

    ÖVP-Spitzenkandidat Karas bei der Stimmabgabe am Sonntag.

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