Rosneft kauft sich bei Pirelli ein

25. Mai 2014, 17:04
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Italien wird für Investoren zu einer Einkaufspiazza. Immer mehr Geldgeber aus dem Ausland kaufen sich in Traditionsbetriebe ein

Der russische Staatskonzern Rosneft beteiligt sich mit sieben Prozent am Reifenkonzern Pirelli und wird zum größten Einzelaktionär des Mailänder Traditionshauses. Am Wochenende wurde zwischen dem russischen Mineralölgiganten und den bisherigen Pirelli Aktionären ein Abkommen unterzeichnet, das den Einstieg der Russen in die Pirelli-Dachholding Camfin vorsieht.

Rosneft zahlt für die Hälfte der Camfin-Anteile 552 Mio. Euro. Pirelli-Präsident Marco Tronchetti-Provera bleibt vorerst im Amt. Zu den restlichen Camfin-Aktionären zählen neben Tronchetti-Provera die Bank-Austria-Mutter UniCredit und Banca Intesa Sanpaolo.

Internationale Investoren greifen immer öfter nach italienischen Unternehmen. So hat die chinesische Schanghai Electric kürzlich 40 Prozent der halbstaatlichen italienischen Firma Ansaldo Energia erworben, nachdem die Chinesen im Frühjahr mit je zwei Prozent bei den Energiekonzernen Eni und Enel eingestiegen sind. US-Investoren fokussieren auf Italiens Banken. So avancierte BlackRock zum größten Aktionär bei UniCredit sowie zum zweitgrößten bei Banca Intesa Sanpaolo, UBI Banca und Monte dei Paschi di Siena. Bei Letzterer haben sich auch die US-Aktionäre Vanguard und die südamerikanischen Fondsgesellschaften Fintech und BTG Pactual engagiert.

Die Gründe für das erwachte Interesse ausländischer Investoren sind verschiedene. Die Experten der Credit Suisse etwa sehen die Basisbedingungen für eine Wirtschaftsbelebung in Italien positiv. Sie verweisen nicht nur auf die positive Liquiditätslage am internationalen Kapitalmarkt, sondern auch auf den Überschuss in der italienischen Primär- und Leistungsbilanz und auf die Hoffnungen, dass Regierungschef Matteo Renzi mit seinen Reformen vorankommt. Immer noch seien Banktitel mit dem 0,69-fachen ihres Buchwertes an der Börse niedriger bewertet als etwa die spanischen Rivalen mit dem 1,15-fachen Buchwert.

Positiver Trend

Giampaolo Trasi, Chef der Aktien-Research-Abteilung bei Banca Intesa Sanpaolo, erwartet eine Fortsetzung des positiven Trends. Bis Herbst werden bei Italiens Banken Kapitalerhöhungen von mehr als zehn Mrd. Euro durchgeführt. "Ausländische Investoren könnten die bei entsprechenden Transaktionen üblichen günstigen Bedingungen nutzen", sagte Trasi dem Standard.

Dynamik liefern auch angekündigte Privatisierungen, wie etwa von der Schiffbaugesellschaft Fincantieri, der Flugkontroll-Gesellschaft Enav und der Poste Italiane. Auch der Chef des halbstaatlichen Versorgers Enel, Francesco Starace, hat bekanntgegeben, bis Jahresende Beteiligungen von 4,4 Mrd. Euro abgeben zu wollen.

Impulse braucht Italien auch am Arbeitsmarkt. Eine Million Jobs sind auf der Apenninenhalbinsel in fünf Jahren Krise verlorengegangen. Die Zahl der Beschäftigten sank von 2008 bis 2013 von 25,1 auf 24,1 Millionen, geht aus einer Studie des Unternehmerverbands Unimpresa hervor. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 26.5.2014)

  • Russlands Präsident Wladimir Putin überwacht beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg den Rosneft-Pirelli-Deal. Pirelli-Chef Marco Tronchetti-Provera (li.) und Rosneft-Chef Igor Sechin signieren.
    foto: ap

    Russlands Präsident Wladimir Putin überwacht beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg den Rosneft-Pirelli-Deal. Pirelli-Chef Marco Tronchetti-Provera (li.) und Rosneft-Chef Igor Sechin signieren.

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