Eine Sicherheitskopie der irdischen Kultur auf dem Mond?

25. Mai 2014, 17:25
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Das neue privatwirtschaftliche Wettrennen zum Erdtrabanten hat längst begonnen - "New Scientist" berichtet von einer Fracht, die dabei mitgenommen werden könnte

foto: ap photo/john mcconnico

Auf Spitzbergen im äußersten Norden Europas befindet sich der Svalbard Global Seed Vault (siehe oben): Eine Bunkeranlage, die dazu dient, Millionen Samenproben von Nutzpflanzen für den Fall der Fälle einzulagern und sicher aufzubewahren. Wobei sich dieser "Fall der Fälle" eher nicht um den Weltuntergang dreht, wie gerne berichtet wird - sondern eher darum, dass andere Lager für solche Samen durch technische Gebrechen oder menschliches Versagen ihre Bestände verlieren. Der Tresor im Permafrostboden fungiert also als weltweites Backup.

Dass besagter Permafrostboden womöglich durch die Klimaerwärmung nicht ganz so permanent durchgefroren bleibt und damit die Stabilität der Anlage gefährdet, hat bereits Bedenken ausgelöst. Aber echte Visionäre denken in Sachen Backup für den globalen Katastrophenfall ohnehin in größeren Dimensionen und haben bereits eine andere Lokalität ins Auge gefasst: den Erdmond.

foto: ap photo/the seattle times, bettina hansen

Ideen, auf dem Mond Kopien irdischer Kulturgüter - aber auch repräsentative DNA-Proben von Menschen und anderen Lebewesen - einzulagern, gibt es bereits überraschend viele. Zeitlich am nächsten an einem Vollzug könnte das Projekt "Torah on the Moon" sein: Eine Privatinitiative aus Israel, die eine Kapsel mit einer Torarolle auf den Mond bringen will. Zum Transport hat man sich bereits unter verschiedenen Teilnehmern des Google Lunar X-Prize umgehört, des neuen - und diesmal rein privatwirtschaftlichen - Wettrennens zum Mond. Das chinesische I Ging und die hinduistische Veda sind auch bereits angedacht - und eine christliche Bibel liegt ohnehin schon seit der "Apollo 15"-Mission von 1971 auf dem Mond herum.

Ob ausgerechnet religiöse Texte die besten Repräsentationen der Menschheit sind, darüber ließe sich lange streiten. Aber erstens braucht es Organisationen mit ausreichend finanziellen Mitteln, um die Objekte ihres Interesses auf den Mond zu schießen. Und zweitens lassen sich vergleichbare Projekte rein weltlicher Natur ja jederzeit via Crowdfunding auf die Beine stellen. Sogar Richard Dawkins hat der Idee vom "Mond-Backup" daher schon seinen laizistischen Segen gegeben und schlägt vor, "das Beste, das die Menschheit zu bieten hat", sicher auf lunarem Boden zu verstauen - etwa die Werke von Beethoven oder Shakespeare.

Einen Überblick über die verschiedenen Projekte bietet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" und reißt dabei - nebst weiterführenden Links - die unterschiedlichsten Aspekte an, die es zu bedenken gilt: Von den enormen Temperaturunterschieden auf der Mondoberfläche über den 1967 abgeschlossenen "Weltraumvertrag" der Vereinten Nationen bis zur (angeblichen) quasi-religiösen Komponente der Idee, die Rettung der Menschheit könnte im Weltall liegen.

--> New Scientist: "Earth's backup: Sending religious texts to the moon"

(red, derStandard.at, 25. 5. 2014)

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