Real erkämpft sich Nummer zehn

25. Mai 2014, 11:19
679 Postings

Das Weiße Ballett bezwingt im Finale von Lissabon den Stadtrivalen Atletico Madrid 4:1 nach Verlängerung und gewinnt den Meistercup zum zehnten Mal

Lissabon - Der Sieger der Fußball-Champions-League 2014 heißt Real Madrid. Der spanische Rekordmeister setzte sich am Samstag im Finale vor 61.000 Zuschauern im Estadio da Luz von Lissabon gegen den Stadtrivalen Atletico mit 4:1 (1:1,0:1) nach Verlängerung durch.

Diego Godin hatte Atletico in der 36. Minute in Führung gebracht, Sergio Ramos rettete Real in der 93. Minute mit einem Kopftor in die Verlängerung, wo Gareth Bale in der 110., Marcelo in der 118. und Cristiano Ronaldo per Elfmeter in der 120. Minute für die Entscheidung sorgten. Für Real war es der zehnte Sieg im wichtigsten Europacup-Bewerb, der erste seit 2002. Atletico hingegen muss weiter auf den ersten Triumph in der Königsklasse warten.

10:0

"Ab dem 1:1 hat Real dominiert und am Ende verdient gewonnen", räumte Atlético-Kapitän Gabi ein: "Wir haben bis zuletzt alles gegeben. Wir sind seit einem Jahr in sämtlichen Wettbewerben unterwegs, irgendwann ist die Kraft am Ende. Glückwunsch an Real."

Real hatte bereits von 1956 bis 1960 sowie 1966, 1998, 2000 und 2002 den Meisterpokal gewinnen können. Atlético, das 1974 bei seiner bislang einzigen Finalteilnahme gegen die Bayern München verloren hatte, verpasste nach dem Gewinn der spanischen Meisterschaft dagegen das Double.

Sami Khedira, der 188 Tage nach seinem Kreuzbandriss von Trainer Carlo Ancelotti in die Startelf berufen wurde, verlor vor dem 0:1 das entscheidende Kopfballduell, Keeper Iker Casillas leistete sich einen groben Stellungsfehler. Der Deutsche war auch im Spielaufbau immer wieder fehlerhaft.

Der Uruguayer Godín hätte zum zweiten Mal binnen einer Woche zum Helden werden können: Sieben Tage zuvor hatte sein Treffer zum 1:1 beim FC Barcelona den Rot-Weißen die erste Meisterschaft seit 1996 beschert.

Getanzt wurde weniger

60.976 Zuschauer im Estádio da Luz sahen ein über weite Strecken ein kampfbetontes Match ohne große Höhepunkte. Real war gegen tapfere Underdogs feldüberlegen, ließ aber die Brillanz aus dem Halbfinale vermissen, als Titelverteidiger Bayern geradezu von dessen Thron gefegt wurde.

Ronaldo mühte sich wie Bale lange ohne durchschlagenden Erfolg, der Waliser kam aber noch zu den besten Chancen für Real. In der 32. Minute zog der Waliser nach einem fürchterlichen Fehlpass von Tiago  aufs Atletico-Tor, schoss aber aus rund elf Metern knapp daneben.

Auch nach dem Seitenwechsel erwies sich das hochintensiv arbeitende Atletico-Kollektiv vorerst als nicht zu knackende Nuss. So kam Real durch Ronaldo bestenfalls zu Halbchancen:  Bei einem Freistoß war Tormann Courtois mit einer Faustabwehr zur Stelle (54.), wenige Sekunden später köpfelte der Portugiese am Tor vorbei und in der 75. Minute ging sein Seitfallzieher deutlich über die Querlatte.

Die Weißen rannten mit zunehmender Spieldauer immer verzweifelter an. Doch erst Ramos ("Wir sind alle Helden. Das Tor gehört nicht nur mir, es gehört allen Real-Fans"), der schon im Halbfinale in München zweimal per Kopf erfolgreich war, brach den Bann. 

Die Plazenta versagte früh

In der Verlängerung gingen Atlético zusehends die Kräfte aus - auch, weil der Außenseiter schon in der neunten Minute das erste Mal hatte wechseln müssen. Stürmerstar Diego Costa, nach vermeintlicher "Wunderheilung" mittels Pferdeplazenta in der Startelf, hatte erneut Probleme und musste bereits früh wieder vom Feld. Vor Costa hatte mit Arda Turan ein weiterer Schlüsselspieler von Atletico passen müssen.

Die späte Überlegenheit nutzte Bale nach herrlichem Solo von di Maria zum dritten Kopfballtor des Abends, ehe Marcelo mit einem Linksschuss von der Strafraumkante alles klar machte. (sid/APA/red - 25.5. 2014)

Finale Fußball-Champions-League:
Real Madrid - Atletico Madrid 4:1 (1:1,0:1) nach Verlängerung. Lissabon, Estadio da Luz, 61.000 (ausverkauft), SR Björn Kuipers (NED).

Tore: 0:1 (36.) Godin, 1:1 (90.+3) Ramos, 2:1 (110.) Bale, 3:1 (118.) Marcelo, 4:1 (120.) C. Ronaldo (Elfmeter)

Real: Casillas - Carvajal, Varane, Ramos, Coentrao (59. Marcelo) - Modric, Khedira (59. Isco), Di Maria - Bale, Benzema (79. Morata), C. Ronaldo

Atletico: Courtois - Juanfran, Miranda, Godin, Filipe Luis (83. Alderweireld) - Raul Garcia (66. Sosa), Tiago, Gabi, Koke - Costa (9. A. Lopez), Villa

Gelbe Karten: Ramos, Khedira, C. Ronaldo, Varane bzw. Raul Garcia, Miranda, Villa, Juanfran, Koke, Gabi, Godin

Offizielle UEFA-Statistik zum Finale:

Ballbesitz (in Prozent): 60 (Real) bzw. 40 (Atletico) Torschüsse: 12 bzw. 6 Schüsse insgesamt: 21 bzw. 10 Gehaltene Schüsse: 3 bzw. 6 Corner: 9 bzw. 9 Gefährliche Angriffe: 94 bzw. 50 Abseits: 0 bzw. 4 Gelbe Karten: 5 bzw. 7 Fouls: 19 bzw. 27

  • Nach einer Verirrung vor dem 0:1 stemmte am Ende Iker Casillas doch noch den Pokal.
    foto: apa/goulao

    Nach einer Verirrung vor dem 0:1 stemmte am Ende Iker Casillas doch noch den Pokal.

  • Sergio Ramos braucht keine Wunder.
    foto: ap/seco

    Sergio Ramos braucht keine Wunder.

  • Gareth Bale trifft den Ton.
    foto: ap/fernandez

    Gareth Bale trifft den Ton.

  • Cristiano Ronaldo sieht gut aus.
    foto: reuters/pfaffenbach

    Cristiano Ronaldo sieht gut aus.

Share if you care.