Brüssel: Viertes Anschlags-Opfer in kritischem Zustand

25. Mai 2014, 14:06
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Medienberichte über Tod von Schwerverletztem zurückgewiesen - Zwei der Todesopfer waren Touristen aus Israel - Attentäter noch nicht gefasst

Brüssel/Jerusalem - Nach dem Angriff auf das Jüdische Museum in Brüssel läuft die Fahndung nach dem Täter auf Hochtouren. Unterdessen hat der Brüsseler Bürgermeister Yvan Mayeur Medieninformationen zurückgewiesen, wonach das vierte Opfer des Anschlags im Jüdischen Museum an seinen Verletzungen starb. Die Person sei aber in einem "extrem kritischen Zustand", sagte Mayeur am Sonntag der Nachrichtenagentur Belga. Zuvor hatte die Tageszeitung "Le Soir" berichtet, der schwer verletzte Mann sei gestorben.

Ein unbekannter Täter hatte in dem Museum in der Innenstadt aus noch ungeklärten Motiven um sich geschossen und dabei drei Menschen getötet. Unter den Toten ist nach offiziellen Angaben ein Paar aus Israel. Der Verdächtige ist weiter flüchtig. Am Samstag war ein Zeuge vorübergehend festgenommen und verhört worden, er wurde aber wieder freigelassen.

Die Staatsanwaltschaft will sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga am späten Vormittag erneut zu dem Anschlag äußern, dessen Hintergründe bisher unklar sind.

Innenministerin vermutet antisemitische Motive

Augenzeugen berichteten von einem Mann, der am Samstagnachmittag in dem belebten Stadtviertel mit einem Rucksack in das Museum kam, um sich schoss und dann die Flucht ergriff. Auf die Frage von Journalisten, ob es sich um ein antisemitisches Attentat handle, sagte Innenministerin Joelle Milquet: "Es gibt eine starke Vermutung." Aber es sei Sache der Ermittler, dies festzustellen. Die Polizei hat noch keinerlei Hinweise auf einen terroristischen oder antisemitischen Hintergrund. Entsprechende Mutmaßungen könnten nicht bestätigt werden, es werde in alle Richtungen ermittelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Sonntag.

Innenministerin Milquet kündigte verstärkten Polizeischutz für jüdische Einrichtungen im ganzen Land an. Zwei der Todesopfer waren Touristen aus Israel. Das bestätigte Paul Hirshson vom israelischen Außenministerium in Jerusalem der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag. Zurzeit werde alles vorbereitet, um die Leichen in die Heimat überzuführen. Es handle sich um ein Paar aus Tel Aviv, die Angehörigen seien verständigt worden, fügte der Diplomat hinzu.

Netanyahu verurteilt Tat

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte die Tat in der Nacht als Folge einer Aufstachelung gegen Juden verurteilt. Auch die EU verurteilte die Tat. Sie sei solidarisch mit den belgischen Behörden und der jüdischen Gemeinschaft, erklärte EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern äußerte sich bestürzt. "Ich bin entsetzt über diese grausame Tat", sagte Knobloch am Samstagabend laut Pressemitteilung.

Das Jüdische Museum in Brüssel hatte vor neun Jahren geöffnet. Es besitzt eine bedeutende Sammlung mit Objekten der jüdischen Geschichte. Das Attentat überschattet die Parlaments-, Regional- und Europawahlen in Belgien. (APA, 25.5.2014)

  • Ermittlungen am Tatort in Brüssel.
    foto: reuters/eric vidal

    Ermittlungen am Tatort in Brüssel.

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