US-Amoklauf: Attentäter wollte sich an Frauen rächen 

25. Mai 2014, 15:49
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22-Jähriger Autist erstach drei Mitbewohner und erschoss drei Studentinnen - Täter war Sohn von Hollywood-Regisseur 

Santa Barbara (Kalifornien) - Elliot R. hat seine zornigen, selbstgerechten Videos am liebsten vor idyllischer Postkartenkulisse gedreht, jedenfalls scheint es so, wenn man sich einige bei YouTube anschaut. Auf dem letzten sitzt er am Lenkrad seines BMW, die Abendsonne im Gesicht, eine modische Sonnenbrille in den T-Shirt-Ausschnitt geklemmt, im Hintergrund ein Palmenhain.

"Schau dir das an", kommentierte er einmal eine Szene am Beach, "er ist im Himmel, sitzt an diesem herrlichen Strand, küsst sie und spürt ihre Liebe, während ich allein hier hocke, weil kein schönes Mädchen meine Freundin sein will."

Im Internet angekündigt

Mit der Zeit klang immer aggressiver, wie der Student seine Filmchen kommentierte, bis er ankündigte, an einem "Tag der Vergeltung" Rache zu nehmen. Er wisse nicht, warum die Mädchen sich nicht von ihm angezogen fühlten, aber es sei Unrecht, er werde sie bestrafen, ebenso wie all die populären Jungs mit ihrem hedonistischen Vergnügen. "Am Ende werdet ihr sehen, dass ich der Überlegene bin, der wahre Alpha-Mann."

Die ersten Opfer des 22-Jährigen waren drei Kommilitonen, die er am Freitagabend nach kalifornischer Zeit in seinem Wohnhaus in der Küstensiedlung Isla Vista erstach. Als Nächstes fuhr er zum Gebäude einer Studentinnen-Vereinigung, wo er wie von Sinnen an die Tür geklopft haben soll. Als niemand öffnete, feuerte er kurzerhand auf junge Frauen, die draußen standen, und tötete zwei von ihnen.

Dann steuerte er einen Laden in der Nähe an, erschoss einen Zwanzigjährigen namens Richard Martinez und  raste durch die Straßen von Isla Vista, rammte Fahrradfahrer, versetzte Passanten in Angst und Schrecken. Nachdem er gegen einen geparkten Geländewagen gekracht war, fanden ihn Polizisten leblos hinterm Steuer – nach ihren Angaben hat sich der Amokläufer selbst das Leben genommen. Im Auto befanden sich drei halbautomatische Pistolen sowie 41 Magazine mit je zehn Patronen, alles legal erworben.

Pamphlet voller Rachegelüste hinterlassen

So unklar das Motiv in ähnlichen Fällen bisweilen ist, in diesem gab es kaum Zweifel. In einem 137-Seiten-Pamphlet ("Meine verbogene Welt: Die Story des Elliot R.") hatte der Todesschütze voll Bitterkeit sein Leben Revue passieren lassen, seine Revanchegelüste begründet. Er sei in England geboren, schrieb der Sohn eines britischen Vaters und einer chinesischen Mutter. Seine Eltern hätten sich scheiden lassen, als er ein Erstklässler war. Das habe alles verändert, nach der Scheidung habe er bemerkt, dass er scheu und obendrein unbeliebt sei, die Haare "bescheuert" frisiert. "Ich bin halb Weißer, halb Asiate, und dies unterschied mich von den weißen Kindern, bei denen ich Anschluss suchte."

Nach Auskunft der Ermittler litt R. am Asperger-Syndrom, was es ihm enorm erschwerte, Freundschaften zu knüpfen. Zu seinem Vater, der den Kassenschlager "The Hunger Games" mitdrehte, hatte er offenbar kaum noch Kontakt. Seine Mutter habe ihm einen BMW geschenkt, eine Sonnenbrille von Gucci, teure Klamotten, um sein Selbstvertrauen zu stärken, notierte er. Es änderte nichts daran, dass er der belächelte Außenseiter blieb, ignoriert von den Mädchen, von denen er träumte. Ab dem Frühjahr 2013, steht in seinem Pamphlet, habe er den „Tag der Vergeltung“ geplant. Von dem Geld, das ihm seine Eltern und Großeltern gaben, kaufte er Pistolen, zuerst eine Glock, dann zwei Sig Sauer.

Vater des Opfers klagt "feige Politiker" an

Die Leichtigkeit, mit der er selbst in Kalifornien, das im Vergleich zu anderen US-Bundesstaaten für relativ strikte Gesetze bekannt ist, Waffen bekommen konnte, ist für Richard Martinez, den Vater eines Opfers, direkte Folge der amerikanischen Waffenkultur. "Warum ist Chris gestorben?", fragt er. "Chris ist gestorben wegen feiger, verantwortungsloser Politiker und wegen der NRA", der National Rifle Association, der mächtigen Lobby der Schusswaffenbesitzer. "Sie redeten immer nur über Waffenrechte. Aber was ist mit Chris' Recht zu leben? Wann hört dieser Irrsinn endlich auf?" (Frank Herrmann, 25.5.2015)

  • Der Schütze starb in seinem Wagen.
    foto: ap photo/keyt, john palminteri

    Der Schütze starb in seinem Wagen.

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