"Europa ist nicht identisch mit dem Euro"

Interview24. Mai 2014, 10:00
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Hans-Olaf Henkel war als Industrievertreter für den Euro, jetzt will er mit der "Alternative für Deutschland " ins EU-Parlament und die Gemeinschaftswährung abschaffen

Warum ein neuer "Nord-Euro " auch für Österreich sinnvoll wäre, erklärt er Birgit Baumann.

STANDARD: Warum kämpfen Sie mit der AfD gegen den Euro?

Henkel: Ich bin empört über die Eurorettungspolitik der deutschen Regierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt immer: "Scheitert der Euro, scheitert Europa." Das stimmt so nicht. Europa ist nicht identisch mit dem Euro. Es gibt sogar in der EU neun Länder, die den Euro gar nicht haben. Eine Währung muss die Kulturen repräsentieren und darf sie nicht einebnen. Genau das passiert aber jetzt. Daher wollen wir Ländern, die den Euro verlassen wollen, diese Möglichkeit geben.

STANDARD: Bis jetzt wollte noch niemand austreten.

Henkel: Da müssen wir erst mal die Resultate der EU-Wahl abwarten. Man kann damit rechnen, dass 30 Prozent der neuen Abgeordneten gegen den Euro sind. Sie sehen ja auch einen wachsenden Widerstand in den Südländern gegen den aus ihrer Sicht zu starken Euro, der ihre Waren verteuert.

STANDARD: Sie wollen einen Nord- und einen Süd-Euro. Wie soll das funktionieren?

Henkel: Im Nord-Euro wären die starken Länder vereint, also auch Österreich. In den ersten Jahren würden wir das über parallele Währungen machen. Als der Euro in Österreich eingeführt wurde, standen ja auch drei Jahre lang, wenn man im Sacher in Wien Kaffee trank, Euro und Schilling auf der Rechnung. Es war schwer, aus 18 Währungen eine zu machen. Aber es sollte möglich sein, aus einer Währung zwei zu machen.

STANDARD: Wenn Deutschland im starken Verbund wäre: Fürchten Sie nicht um seine Wettbewerbsfähigkeit, weil der Export aufgrund des starken Euro einbricht?

Henkel: Deutschland ist mittlerweile auch der zweitgrößte Importeur der Welt, und die Importe werden erst mal billiger. Davon sind auch Energie und Rohstoffe betroffen. Wir können uns auch an der Schweiz orientieren, deren Nationalbank eingreift, wenn der Franken unter 1,20 Euro zu sinken droht. Ich bleibe dabei: Deutschland und Österreich unterscheiden sich nun mal in ihrer fiskalischen Struktur und Kultur von Frankreich und Griechenland.

STANDARD: Die meisten Deutschen wollen den Euro aber behalten.

Henkel: Die Krise ist nicht vorbei, das nächste Griechenland-Hilfspaket kommt garantiert nach der Wahl. Noch weisen ja Politiker aus Deutschland und Österreich die Forderung nach einer gemeinsamen europäischen Sozialversicherung mit Abscheu zurück. Aber irgendwann kommt sie.

STANDARD: Außer der AfD will auch die NPD raus aus dem Euro. Stört Sie diese Gesellschaft nicht?

Henkel: Das ist das Einzige, was uns verbindet. Wenn die NPD "Guten Morgen" sagt, darf ich dann nicht mehr "Guten Morgen" sagen? Die haben auch andere Motive, aber die kenne ich nicht.

STANDARD: Sie wissen doch, wer die NPD ist ...

Henkel: Nein, ich kenne weder die Leute noch ihre Politik. Ich weiß nur, dass es eine rechtspopulistische Partei ist. Mit der haben wir nichts zu tun.

STANDARD: Wie erklären Sie sich die viele Kritik an der AfD?

Henkel: Wir galten einmal als reine Professorenpartei, die sich nur um den Euro kümmert. Aber mittlerweile hat die deutsche Politik gemerkt, dass wir ihr gefährlich werden könnten - wir haben den Einzug in den Bundestag ja nur knapp verpasst. Also schieben uns die Altparteien in die rechte Ecke, die Medien machen mit, und so haben wir rechtspopulistische Mitglieder bekommen. Die müssen wir jetzt wieder loswerden.

STANDARD: Wo sehen Sie die AfD politisch angesiedelt?

Henkel: In der Mitte.

STANDARD: Dort sehen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Sigmar Gabriel auch.

Henkel: Nein, die sind links. Ich habe meine Standpunkte nie verändert, auch beim Euro nicht. Hätte sich die Regierung an die alten Spielregeln gehalten, wäre ich immer noch dafür. Aber CDU/CSU gingen in Richtung SPD, diese rückte Richtung Linke, und die Linke Richtung Kommunisten. Nur ich bin stehengeblieben, jetzt glauben viele, ich sei rechts. (DER STANDARD, 24.5.2014)

Hans-Olaf Henkel (74) war Manager bei IBM und stand von 1995 bis 2000 dem Bundesverband der Deutschen Industrie vor. Bei der EU-Wahl ist er auf der AfD-Liste auf Platz zwei, die AfD liegt in Umfragen bei sechs Prozent.

  • Bevor Hans-Olaf Henkel (74) der eurokritischen "Alternative für Deutschland" beitrat, war er nie in einer Partei. Dass die NPD nun das gleiche Ziel verfolgt wie er, stört ihn nicht.
    foto: apa/epa / hendrik schmidt

    Bevor Hans-Olaf Henkel (74) der eurokritischen "Alternative für Deutschland" beitrat, war er nie in einer Partei. Dass die NPD nun das gleiche Ziel verfolgt wie er, stört ihn nicht.

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