Tankstellenüberfall "aus Liebe": Teilbedingte 21 Monate für Fluchtfahrerin

23. Mai 2014, 19:01
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29-Jährige kam mit "blauem Auge" davon - Sieben Jahre Haft für ihren Liebhaber

Wien - "Ich war sehr verliebt in ihn. Meine Gefühle für ihn haben sich sehr stark entwickelt" - mit diesen Worten hat am Freitag im Wiener Straflandesgericht eine 29 Jahre alte Frau erklärt, weshalb sie ihren Liebhaber zu einem Tankstellen-Überfall chauffierte und ihn auch zu einem geplanten Wohnungseinbruch begleitete, der daran scheiterte, dass die Hausbesitzer anwesend waren.

Die Frau kam mit einem "blauen Auge" davon. Ein Schöffensenat (Vorsitz: Martina Krainz) verhängte 21 Monate Haft, davon sieben Monate unbedingt. Da die U-Haft auf die Strafe angerechnet wurde, wurde die von Verteidiger Lukas Kollmann vertretene Frau nach der Verhandlung auf freien Fuß gesetzt. Ihr Liebhaber, der neben dem Überfall weitere Raubversuche unternommen hatte, die allesamt missglückten, erhielt sieben Jahre, ein 53 Jahre alter Komplize, der ihn dabei stets begleitet hatte, siebeneinhalb Jahre Haft. Auch diese Strafen sind rechtskräftig.

Abends "weggestohlen"

Die Frau hatte den 34-Jährigen im vergangenen Frühjahr kennengelernt. Fortan spielte er die zentrale Rolle in ihrem Leben, "obwohl ich nur begrenzt Zeit gehabt habe", wie sie dem Gericht schilderte. Die 29-Jährige ist nämlich verheiratet und Mutter einer vierjährigen Tochter. Abends, wenn sie zu Hause alles erledigt hatte, habe sie sich drei bis vier Mal pro Woche "weggestohlen", berichtete die Angeklagte. Dem Ehemann machte sie vor, eine Freundin zu treffen.

In Wahrheit ließ sie sich nicht nur auf ihren Lover, sondern auch eine kriminelle Karriere ein. Der 34-Jährige - ein beschäftigungsloser Koch - hatte einen Schuldenberg von 150.000 Euro angehäuft. Der Mann ist eigenen Angaben zufolge spielsüchtig. Dass ihm seine Freundin, die rund 2.000 Euro monatlich verdiente, 46.000 Euro borgte, reichte nicht aus. Der 34-Jährige entschloss sich schließlich zu "Geldbeschaffungsaktionen", bei denen er allerdings nicht unbedingt vom Glück verfolgt war.

Gemeinsam mit seinem ebenfalls verschuldeten Komplizen wollte er zunächst zwei Geldboten überfallen. In einem Fall gelang es ihnen nicht, ein Fluchtfahrzeug aufzutreiben, im anderen Fall kam der Bote einfach nicht des Weges. Auch der Versuch, eine Bar-Besitzerin auszurauben, der man nächtens auflauerte, scheiterte. Die Frau hatte einen anderen Weg nach Hause genommen. Als sie sich als Einbrecher versuchten, gab es für die zwei auch nichts zu holen, obwohl erstmals die Freundin des Jüngeren mitkam.

"Ich habe sie benutzt"

Schließlich überfielen der 34-Jährige und der 53-Jährige am 28. Oktober 2013 maskiert und mit einer Gaspistole bewaffnet eine Tankstelle in Wien-Donaustadt. Die 29-Jährige hatte die beiden an den Tatort chauffiert und sollte sie auch wieder wegbringen. Die Frau versuchte das Gericht nun davon zu überzeugen, dass sie dabei eine untergeordnete Rolle gespielt hatte: "Eigentlich wollten wir was trinken gehen. Danach sind wir an der Alten Donau spazieren gegangen. Und dann hat er mir im Auto den Weg angesagt."

Während ihr Liebhaber alle Schuld auf sich nahm und seine Freundin protegierte ("Ich habe sie benutzt und in jeder Hinsicht manipuliert"), wertete der mitangeklagte Komplize die Rolle der Frau auf. Man habe den Tankstellen-Raub eigentlich schon absagen wollen, weil zu viele Kunden zugegen waren. Da habe die 29-Jährige erklärt: "Nein, die Tankstelle muss gemacht werden!" "Wir haben schon gescherzt, dass sie der Chef ist", sagte der 53-Jährige.

Der Überfall brachte 4.900 Euro ein. Weit kamen die Täter damit allerdings nicht. Sie wurden unmittelbar nach dem Coup festgenommen. (APA, 23.5.2014)

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