Ganlutscha, oder wie haaßt des Madl?

23. Mai 2014, 19:00
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"Bist du Österreicher oder Italiener?" - "Ich bin beides: Europäer!"

Italienische Mutter, österreichischer Vater, fallweise Fußballbegeisterung und permanente Skileidenschaft. Heraus kommt: Europa. Tatsächlich definierte ich mich in meiner Kindheit und Jugend oft so. Franz Klammer war mein Skiheld, ebenso wie Italien die Fußballmannschaft meines Herzens war. Ist. Bleibt.

Ich gebe zu: Es spielten nicht nur beim Sport opportunistische Gründe eine Rolle: Hätte ich etwa am 18. Juni 1978 bei Italien gegen Österreich (1:0) nicht zu den Azzurri gehalten, hätten mich die furiosen Zornesblitze meiner Mutter mehr getroffen als der still-strafende Blick meines Vaters. Napoli gegen Eferding ging auch aus diesem Grund in Sachen Fußball stets 1:0 aus. Aber nicht nur dort. Eh klar.

Wenn mich jemand fragte: "Bist du Österreicher oder Italiener?", wusste ich mich elegant aus der Affäre zu ziehen: "Ich bin beides: Europäer!"

Und dann war da noch die Sache mit meinem Vornamen: "Ganlutscha, oder wie haaßt des Madl?", fragte damals, 1974, der Volksschuldirektor bei meiner Einschreibung.

Erst in den letzten Jahren spüre ich leichte Verbesserung. Plötzlich begegne ich Leuten, die nicht nur wissen, dass ich ein Bub bin. Nein: Sie können sogar Johannes-Lukas auf Italienisch korrekt aussprechen. Gelobt sei Europa, aber wirklich. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 24.5.2014)

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