Ungleiches Duell um die Zukunft Ägyptens

23. Mai 2014, 18:54
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Der frühere Armeechef Abdelfattah al-Sisi kann bei der Präsidentenwahl auf einen klaren Sieg hoffen

"Auf Wiedersehen im Präsidentenpalast", verabschiedet der Wahlkampfleiter von Hamdin Sabbahi mehrere Dutzend ausländische Diplomaten in einem Kairoer Luxushotel. Sabbahi strahlt unverdrossen Optimismus aus. Die ägyptische Präsidentenwahl am kommenden Montag und Dienstag, bei der Sabbahi gegen den großen Favoriten Abdelfattah al-Sisi antreten wird, sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem demokratischen Land.

Wahlfälschungen befürchte er nicht, sagt Sabbahi. Erst wenn die Forderungen der Revolution nach Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit erfüllt seien und mit dem korrupten Mubarak-System tatsächlich gebrochen sei, werde Ägypten demokratisch und stabil. Im Laufe seiner Kampagne hatte Sabbahi mehrfach unterstrichen, dass er bei einem Sieg Sisis in der Opposition bleiben und keinen Regierungsposten annehmen werde. Der 60-Jährige vom linken Volkstrend trat so Spekulationen entgegen, seine Kandidatur solle lediglich den Eindruck einer echten Wahl erwecken.

Sabbahi gilt als ein Kandidat zum Angreifen, "Einer von uns", wie sein Motto lautet. Ganz im Gegensatz zu Sisi, der nur in geschlossenen Räumen auftrat, Interviews gab oder über Videolinks präsent war. Zwei Anschläge auf ihn seien bereits vereitelt worden, begründete er diese Sicherheitsvorkehrungen. Auch ein Fernsehduell mit seinem Herausforderer hatte er abgelehnt.

"Er ist unser Held", sagt trotzdem ein Beamter aus dem Finanzministerium. Er habe die Muslimbrüder vertrieben. Er werde für Ruhe und Ordnung sorgen und auch Schläger und Gesetzesbrecher von der Straßen vertreiben. Der frühere Armeechef gilt als eine Respektsperson, an der man keine Kritik üben darf.

"Staatskandidat" Sisi

Von Wahlkampf, echtem Wettbewerb mit Überzeugungsarbeit ist auch wenige Tage vor dem Urnengang nicht viel zu spüren. Die Meinungen sind längst gemacht. Auf dem höchsten Haus am Tahrir-Platz thront ein gigantisches Plakat mit Sisis Konterfei wie ein Symbol für den übermächtigen Kandidaten. Er hat fast die Alleinherrschaft auf den Werbeflächen. Dabei kann er auf potente Helfer zählen, die in seinem Namen eine millionenschwere Kampagne führen. Sabbahis Mittel sind dagegen bescheiden. Er hat einen Aufruf namens "5x5" gestartet. Anhänger sollen 5 Pfund spenden (50 Cent) und vier Freunde auffordern, dies auch zu tun.

Während es bei der Wahl 2011 viele Kandidaten gab, gemahnt diese Abstimmung an ein Referendum, wie es unter Mubarak üblich war. Hinter "Staatskandidat" Sisi stehen die Armee, der Staatsapparat, Medien, die Geschäftswelt und Parteien aller Schattierungen - auch die extrem-konservative, salafistische Nour-Partei.

Bei den Auslands-Ägyptern hat Sisi diese Woche 94 Prozent der Stimmen erzielt. Ein klares Zeichen, in welcher Höhe sich sein Sieg bewegen dürfte. Deshalb liegt das Augenmerk der Sisi-Kampagne auf der Beteiligung. Eine hohe Abstinenz würde von den Muslimbrüdern, die zum Boykott aufgerufen haben, als Erfolg gewertet. (Astrid Frefel aus Kairo, DER STANDARD, 24.5.2014)

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