Zwei Opfer Straches

23. Mai 2014, 18:35
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Das bedauernswerte Opfer ist niemand anderer als Andreas Mölzer, der in dem Blatt gleich zwei Erklärungen in eigener Sache abgeben darf

Man kann es nicht anders sagen: Es ist erschütternd, was die Verkennung eines Menschen durch eine grausame Umwelt in demselben anrichten kann. Die Tragödie zeichnet sich schon auf dem Titelblatt der aktuellen Ausgabe von "Zur Zeit" ab, wo hinter den Zeilen Politisch korrekt - Ein Gespenst geht um eine schwärzlich-graue Fratze dem freiheitlichen Leser eiskalte Schauer über den Rücken jagt. Das bedauernswerte Opfer dieses Gespensts ist niemand anderer als Andreas Mölzer, der in dem Blatt gleich zwei Erklärungen in eigener Sache abgeben darf - als Herausgeber hat er da gewisse Rechte: Eine persönliche Erklärung und eine Rücktrittserklärung.

Die erste ist mit dem Bekenntnis überschrieben: "Ich gebe dem PC-Terror nicht nach", wobei seine folgende Selbstbeweinung als Opfer der Faschismuskeule erhellt, dass PC in diesem Fall nicht Personal Computer, sondern nur Political Correctness bedeuten kann. Gleichzeitig zum Opfer der Faschismuskeule und der PC zu werden, ist ein deutsches Schicksal, das seit den Nibelungen äußerst selten zu beobachten war, und nur noch getoppt werden kann, wenn man gleichzeitig Opfer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands und der jüdischen Weltverschwörung wird. In Mölzers Fall ist es schlimmer: Es waren seine Gesinnungsgenossen, die ihn mit erhobener PC-Keule aus dem Paradies der EU vertrieben.

Man hat es mir verwehrt, anhand von Fakten meine in Wirklichkeit scharfe Verurteilung des NS-Gewaltregimes sowie meinen großen Respekt gegenüber allen Völkern und Rassen offenzulegen. Das muss einem erst einmal widerfahren! Da will man jahrelang seine in Wirklichkeit scharfe Verurteilung diverser Unzukömmlichkeiten offenlegen, und nur weil einem einmal ein Neger-Konglomerat dazwischenkommt, wird es verwehrt.

Ich habe in der Vergangenheit in verschiedenen Publikationen, aus freien Stücken, somit ohne dazu aufgefordert worden zu sein, meine Abscheu über die fürchterlichen Verbrechen des NS-Regimes zum Ausdruck gebracht und ausdrücklich betont, dass diese Verbrechen weder geleugnet noch verharmlost oder gar relativiert werden dürfen. Ich habe endlich vorbehaltlos dazu aufgefordert, diese Verbrechen endlich vorbehaltlos zu verurteilen. Er hat das nicht nur in verschiedenen Publikationen getan, sondern auch noch aus freien Stücken - wie soll man jungen Menschen erklären, warum ein solcher Aufforderer und Betoner nicht nur nicht längst Ehrenmitglied der Widerstandsbewegung ist, sondern seine hohen ethischen Ansprüche auch nicht mehr im EU-Parlament vertreten und einer Marine Le Pen dortselbst die Stirn bieten darf?

Ebenso völlig zu Unrecht wird mir nun auch eine rassistische Gesinnung unterstellt. Ich habe in vielen Beiträgen meinen großen Respekt gegenüber anderen Völkern und Rassen zum Ausdruck gebracht. Die Völker und Rassen werden zweifellos hochbeglückt gewesen sein über diese Ausdrücke des großen Respekts, aber sind sie Mölzer beigesprungen, als Strache, dieser PC-Terrorist, ihn mit allen Mitteln als Kontrahent um ein EU-Mandat ausschaltete?

Denn so war es, wie aus der Rücktrittserklärung hervorgeht. Nicht der anhaltende Druck der gesamten politisch korrekten Medienlandschaft und die geheuchelte Empörung des politischen Establishments der Republik, auch nicht die von der ultralinken Jagdgesellschaft organisierte Hetze zwecks strafrechtlicher Verfolgung meiner Person veranlassen mich dazu. Es ist der offensichtliche Vertrauensverlust in meiner Partei, der mich dazu bewegt. Wo soll das noch hinführen, wo er doch nichts Unredliches getan hat, außer der politisch nicht korrekten Formulierung nonkonformistischer Meinungen?

Aber Obacht, jetzt schlägt er endlich zurück. Sollte ich trotz dieser Klarstellung weiterhin mit Nazismus- und Rassismusvorwürfen konfrontiert werden, werde ich mich gezwungen sehen, alle medialen und nötigenfalls auch rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen.

Eine klarere Konfrontation mit Rassismusvorwürfen als seine Eliminierung als EU-Kandidat ist schwer denkbar, Strache wird schon zittern. Der hat inzwischen ein anderes Opfer gefunden - den Säulenheiligen der ÖVP Leopold Figl. Dessen Balkonsager vom Mai 1955 "Österreich ist frei" baute er in einen Wahlrap ein, mit der Ergänzung: Dank dieser EU ist 's fast vorbei.

Ein Großneffe Figls fühlte sich in "Heute" und "Österreich" betroffen. Andreas Mölzer hätte mehr Respekt gezeigt. (Günter Traxler, DER STANDARD, 24./25.5.2014)

  • Andreas Mölzer.
    foto: apa/pfarrhofer

    Andreas Mölzer.

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